Nimm sie mit

Ne, wir wollten uns nicht in einem Garten treffen. Nur an der Weltzeituhr. Wozu sie den Kollegen @bosch zitiert. Man fühle sich gleich wie ein Spion. Klingt gut. Irgendwie richtig aufregend. Berlin. Kalter Krieg. Versteckte Briefkästen. Vorsicht, sie kommen.

Ist aber alles nicht so. Ist kein Agentenfilm oder ein Thriller. Nicht mal ein richtiges Date. Nur so ein Konzert, zu dem ich alleine nicht hingehen wollte. Ich mag so etwas nicht. Ich gehe ja nicht mal alleine ins Kino. Zumindest nicht zu mir selber. Bis auf James-Bond-Filme vielleicht. Aber das ist auch die absolute Ausnahme und passiert in der Regel nur alle zwei Jahre. Wie dem auch sei. Ich frug und sie  sagte zu. Könnte heiß werden. So 36 Grad. Drum geht es heute in den Admiralspalast unweit des einstigen Tränenpalastes. Was auch wieder stark an den kalten Krieg erinnert. Es geht zu  2raumwohnung. Wäre mir persönlich zum Leben zu klein, ist ja aber nur Musik. Für die soll ja Platz in der kleinsten Hütte sein.

Cardiff, 12.30 Uhr, die Frisur sitzt

Nun also Wales, diese 3 Millionen Einwohner umfassenden Halbinsel im Westen von Großbritanien. Genauer gesagt deren Hauptstadt Cardiff. Immerhin noch 300 000 Mann/Frau/Kind/Kegel schwer. Und dann trat herein ins Hilton in den Ballsaal, der Bundesjogi. 12.30 Uhr. fast pünktlich. Und die Frisur saß.

Munter hub er an zu parlieren, ob der gestellten Zielstellung (derer da war, oh Wunder, der Punkte drei), über „högschde Konzentration. Er sang das hohe Lied der Körperlichkeit (auf dem Platz natürlich, nicht was ihr Ferkel schon wieder denkt) und sinnierte über die zwei, drei Überlegungen, die er im Kopf habe bezüglich der Aufstellung . Aber partout natürlich nicht da rauslassen wollte. Andere Trainer läsen ja auch Zeitung, gelle!  Zumindest nicht rauslassen bis zum Anpfiff des WM-Qualifyers gegen die „Roten Drachen“ aus Wales. Und bei all dem saß die Frisur unverrückbar. Zentimetergenau. Festgemauert in die Erden, ach ne, das war was anderes. Tschuldigung.

Dabei spielt der Fußball in Cardiff keine große Rolle. Vom Länderspielfieber war wenig zu merken.Keine Plakate, keine Werbung. Dafür prangte am wunderschön mitten zwischen Innenstadt, schmalen Gässchen und dem Flüsschen Taff  gelegenen Millenniumstadium ein ganz anderer Veranstaltungshinweis:

Scheint so, als ob Rugby die absolute Nr. 1 in Wales ist. So sieht die Schüssel übrigens von außen aus:

Szenen meines Lebens VI

„Wie kannst du eigentlich?“  In der Stimme des Kollegen schwang ein Unterton mit, der zwischen aufrichtiger Empörung und ehrlichem Unverständnis hin und her pendelte. „Du bist doch sonst so für die Kleinen.“

Mit den Kleinen meinte der hochgeschätzte Kollege nicht die einstmals von Berti Vogts so titulierten Länderauswahlen schwächerer Nation, sondern den FC St. Pauli. Und natürlich auch den 1. FC Wundervoll, von dem hier ab und zu schon mal die Rede war.

Mit letzterem beschäftige ich mich ja seit ein paar Jahren. Genauer gesagt seit etwas mehr als einer Dekade. Und wenn man da so tut – und bei mir ist das ja auch hauptberuflich der Fall – bleiben dir nur zwei Möglichkeiten offen: Du hasst ihn. Oder du fängst an, dich zu verlieben. Und zwar so, wie es Altmeister Nick Hornby einst formulierte: „Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: Plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.“

Aber dies heute ist ja nicht eine Geschichte über den 1. FC Wundervoll. Sondern es geht um was anderes. Um jemanden ganz anderen. Um den FC Bayern München. Ja, ich bin Bayern-Fan. Doch das kommt nicht von ungefähr.  Ich wurde plötzlich und unvermittelt zum Fan des (heuitigen) deutschen Rekordmeisters. Ich verliebte mich ohne Vorwarnung in meiner Jugend unbeschwerten Tage. Und sollte damals nicht ahnen, dass eine Menge Schmerz auf mich zukam. Ja, richtig gelesen. Schmerz! Plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken. Denn ich, und damit schließt sich der Kreis zu den Kleinen, bin ein Misserfolgsfan. Ein Misserfolgsfan des FC Bayern. Geht nicht, sagen sie? Und ob das geht!

Denn meine erste bewusste Wahrnehmung des deutschen Vorzeigeklubs war unschön. Mein Altvorderer war ob seiner Jugendzeit und des mehrfach genossenen Anblickes der Herren Seeler (Uwe und Dieter), der Dörfels & Co. HSV-Fan geworden. Ich sympathisierte mehr mit St. Pauli. Was weniger einer Kenntnis des Kicks noch kindischem Trotz geschuldet war, als vielmehr der Freundschaft zu einem im nahen Hamburg lebenden, ein Jahr älteren Freund. Der Michi spielte damals nämlich in der Jugend des Kiezklubs. Und ich, voller Bewunderung für den Älteren und am Ball so Geschickten, war Feuer und Flamme für die Jungs vom Millerntor.

Doch dann eines Tages, so kurz nach der WM 1974, die ich eher so semi-mäßg mitverfolgt hatte (ich weiß bis heute nicht, ob ich das Finale wirklich am Fernseher gesehen habe oder nicht), saß ich nach dem samstäglichen Bade mit meinem Vater vor der Sportschau. Es störte noch kein „Guten Nabend allerseits“, der pure Ball rollte kompakt über die Mattscheibe. Und ich verfolgte fassungslos das Ergebnis des ersten Spieltages: Es lautete Kickers Ofenbach 6, der Gegner 0! Mitleid erfasste mich mit diesem Team, das da eben so brutal verprügelt worden war. Was wusste ich schon von Schäfers Winnie, von Siggi, „dem“ Held-igen, oder gar Erwin Kostedde, der der erste dunkelhäutige deutsche Nationalspielerwerden sollte. Ich hielt ehrlichen Herzens zu den Unterlegenen. Zu dem Klub, von dem ich noch wochenlang im Brustton der Überzeugung sagen würde, es wäre der FC Bayern Mönchengladbach gewesen, der da so eine Abreibung verpasst bekommen hatte.

Dass der FC ruhmreich zu München gerade einen Dreifachtriumph in der Bundesliga hinter sich hatte, dass er als erster deutscher Klub den EC I – aka Europapokal der Landesmeister – nach Deutschland geholt hatte, war mir unbekannt. Dass sie ihn sich im Laufe der Spielzeit 74/75 noch ein weiteres Mal sichern würden, bekam ich kaum mit. Mein ehrenwerter alter Herr, ein preußisch-korrekter Beamter, stopfte mich des Abends immer zeitig ins Bett. Und so bekam ich die Spiele – so sie denn überhaupt im TV zu bewundern – nicht wirklich mit.

Ich war aber begeistert vom Fußball, übte ihn all jener Leidenschaft aus, zu der ein unbedarfter 8-Jähriger halt fähig war. Ich war viel zu klein für die allzu kräftige dörfliche Landjugend, technisch unbegabt und zu ungeduldig. Kurz ich konnte nicht kicken. So wurde ich – welch Schmach – beim Spiel mit den Straßenjungs immer als Letzter gewählt (wofür ich aber immer live den Radiokommentator geben musste. Darauf bestanden sie alle. Und es war vielleicht schon ein Fingerzeig für meinen späteren Berufswerdegang. Wenn ich nicht draußen voller Inbrunst dem runden Leder nachkommentierte, spielte ich mit meinem Subboteo ganze Meisterschaften nach. Ich bastelte Tabellen und füllte sie freudvoll und mit einer Akribie aus, derer mein Klavierlehrer froh gewesen wäre. Und was für tolle Mannschaften tobten bei mir durch die Bundesliga. Tennis Borussia Berlin, RW Oberhausen. Der Wuppertaler SV. Ja sogar  Barmbek-Uhlenhorst! (Dass ich mit denen später noch mal eine Begegnung im RL haben sollte, ist eine andere Geschichte und soll ein ander Mal erzählt werden). Und natürlich spielte auch der FC Bayern mit. Muss noch erwähnt werden, dass er die zahlreichen Schlachten stets für sich entscheiden konnte? Mit so realitätsnahem Ergebnissen wie 7:4, 9:1 oder 3:2. Nach 0:2-Rückstand versteht sich.

Und dies ganz im Gegensatz zu den realen Münchnern. Die dümpelten in der Liga vor sich hin, lagen zur Halbserie kurz vor einem Abstiegsplatz. Es war wahrlich kein Vergnügen, den Kicker zu studieren, um den ich mich, kaum aus der Schule nach Hause geeilt, zwei Mal die Woche mit meinem Altvorderen balgte, wer ihn denn zuerst lesen dürfte. Mein Herr Vater gewann meist. Und sei es mit dem Argument, er hätte ihn schließlich bezahlt.

Nun ja. Konnte ich nix gegen vorbringen. Ich saugte die Informationen halt etwas später auf. Egal wie unschön sie sich auch darstellen mochten. Und davon gab es anno 74/75 viele. Es ging ein späterer Altmeister, der heute beim DSF seinen Rotwein verdient, es kam ein Napoleon.

Was nicht kam, war der Erfolg. Kein Trost für meine Tränen. Rang 10 zum Abschluss, alles andere als ein Ruhmesblatt. Dass dieser Tiefpunkt drei Spielzeiten später noch locker zu unterbieten war, hielt mich nicht davon ab, dem Klub weiter die Treue zu halten. Mir doch egal, wenn all die anderen Jungs von den Mönchengladbachern schwärmten, deren Vorname, das wusste ich jetzt dann doch, Borussia lautete und nicht Bayern.

Ich liebte und ich litt. Lange, lange Jahre. Der Kaiser flüchtete nach New York. Der Uli Hoeneß bekam seine Knie nicht mehr in Ordnung und nebenbei eine Glatze. Gerd Müller trank lieber bei den Fort Lauderdale Strikers. Eine gewisse Rummelfliege trieb ihr Unwesen und ward noch nicht zu dem Stürmer gereift, der ihn zu zwei Vizeweltmeisterehren führen sollte. Peinliche Pokalpleiten zu Hause gegen Osnabrück (4:5 am 23.09.1978) erschütterten mich nicht. Ich blieb im Glauben fest.

Und wurde dann doch endlich, endlich belohnt. 1980 war es dann soweit. Nach sechs Jahren der Titelabstinenz ging die Salatschüssel endlich mal wieder nach München. Meine schier ewig andauernde Leidenszeit war vorbei. Sechs Jahre waren für einen kleinen Jungen, der den Klub und das Spiel liebte, eine verdammt lange Zeit.

Da habt ihr es also. Ich bin ein Bayern-Fan. Bis heute. Aus tiefster Überzeugung. Aber geboren wurde ich im Kummer, lange wandelnd am Rande des Abgrunds. Und stets übergossen mit dem Spott derer, die den Fohlen huldigten oder es „nordisch by nature“ mit dem HSV und Kevin Keagen hatten.

Rheinhessen-Gau

Eine der besten Erfindungen im heutigen Tageszeitungsjournalismus sind für mich die sogenannten Korrekturspalten. Fehler machen ist menschlich. Und es bricht einem kein Zacken aus der Krone, wenn man das dann auch zugibt. Nur zu häufig sollte es nicht vorkommen. Sonst verliert man doch ein wenig an Glaubwürdigkeit.

Es hat gedauert, aber anders als in früheren Jahren, begibt sich die OldMedia1.0 zunehmend aus ihrem Elfenbeinturm der Unangreifbarkeit in den Redaktionsstuben herab, und stellt sich der Außenwelt, also ihren Lesern. Und das nicht nur mit Alibi-Leserbriefseiten. Ja, auch wir machen Fehler. Sorry, dafür. In diesen Rubriken entschuldigt sich also für falsche Schreibweisen eines Namens und, viel wichtiger noch, korrigiert man inhaltlich falsche Darstellungen und geht nicht einfach zur Tagesordnung über. Kurz, man verbessert Wichtiges!!

Sagte ich wichtiges? Hm, muss ich wohl ein klein bisschen revidieren. Die bemerkenswerteste  Korrektur seit langem, bekam ich heute in einem Artikel, der sich eigentlich mit Überhangmandaten beschäftigt, zu Gesicht. Veröffentlicht worden ist er bei meinen Freunden von den vier Buchstaben.

Hugo Müller-Vogg, einst schon als Herausgeber bei der FAZ nicht zwingend als heißglühender Anhänger einer linken Republik verdächtig, macht dort das, was er am liebsten macht: Wahlkampf für rechts. Und so finden wir unter der schönen Überschrift „Überhangmandate retteten 2001 Schröder die Kanzlerschaft“ einen klassischen Konter-Angriff gegen SPD, die Linke und was weiß ich noch wen. Die versuchen dieser Tage perfider weise die immer noch gültige Überhangsmandatsregel moralisch zu diskreditieren, weil die Union bei der Bervorstehenden Bundestagswahl – aka Nine-Twentyseven – wohl deutlich davon profitieren wird. Dass diese Reglung aber noch legal ist und erst 2011 endgültig per Gesetz neu abgeklärt sein muss, scherte die Krakeeler  wie Dietmar Bartsch (PDS Linke) und Jürgen Trittin (Grüne) wenig. Sie sehen nur das hier und jetzt. Und fürchten naturgemäß die Zusatzsitze der Konservativen und geißeln sie als „ergaunerte Mehrheit“. Da möchte man ihnen doch den guten alten Gerd Schröder entgegensetzen: Mehrheit ist Mehrheit. Man kann nicht einfach die Regeln ändern, nur weil man das Spiel zu verlieren droht.

Aber ich schweife ab. Was wollte ich Ihnen noch mal vor Augen führen? Ach ja, die wichtige Korrektur. Hier kommt sie:

Danke. Das wäre also nun auch geklärt. Ich hatte mir echt schon Sorgen gemacht, dass der alte Rheingauer Winzersohn einen Rheinhessen verschenkt hat. Käme ja echt einem landsmannschaftlichem Supergau gleich.Und das von diesem so preußisch-korrekt daherkommendem Verteidigungsminister.  Aber nun wissen wir es besser, können also ganz beruhigt wieder schlafen gehen. Ein Journalistenfehler. Fein säuberlich korrigiert auf dem dafür vorgedachten Weg. Und das alles dank Herrn Müller-Vogg, einem Mann, der Wert drauf legt, dass der Mädchenname seiner Mutter nicht wie ein englisches Wort für Geschlechtsverkehr ausgesprochen wird.

Einmal Koblenz und zurück

Um es mit Jan Glinker zu sagen: Ein Punkt ist ein Punkt ist ein Punkt. Viel mehr ist zu dem Ausflug nach Koblenz auch nicht zu sagen.

Ach halt, doch. Es ward ein Eisbein vertilgt. Eins von enormer Größe. Wir sagen zwar nicht, wer hier den Mund zu voll nahm, wissen aber, das Lars* es nicht „Schnell“ genug verspachteln konnte. Es blieb noch was für einen Mitesser übrig.

Wir stellten fest, dass es am Deutschen Eck durchaus auszuhalten ist. Vor allem, wenn die Sonne scheint. Und das Fußballfans entgegen einem landläufigen Vorurteil durchaus auch kulturelle Aspekte des Auswärtsreisens zu genießen wissen.

Beobachtet wurde auch eine nette, sehr zur Nachahmung empfohlene Shirtgestaltung für  Nachwuchskräfte. TuS-Stürmer muss es zwar nicht unbedingt sein. Man sollte den Nachwuchs ja nicht von vorneherein auf Masochismus trimmen. Aber ein Spruch in der Preisklasse mit ein bisschen mehr eisernem Allerlei gewürzt, stünde auch unserem Fanshop nicht schlecht zu Gesicht.

Ein Matze Koch baute sich fotogen vor einer wohl eigens nur für ihn geschaffenen Werbabande auf. PR1 kann ja nur für Photo-Reporter Nr.1 stehen.

Ein Bouelvardgipfel ward zu beobachten, der fein säuberlich ausgekennzeichnet war. Ein Vergnügen, dass wir nicht mal so in unserem Wohnzimmer erleben durften. Dort wurden anfangs der laufenden Spielzeit die eigenhändig und in mühevoller Kleinstarbeit angebrachten Aufkleber vereinsseitig entfernt und dafür lustige neue Zettel  auf die entsprechenden Sitzplätze verteilt. Weil aber eine  einmalige Verteilung von leicht beweglichen Objekten ohne das Fixieren derselbigen für vohersehbaren Schwund sorgt, gab es nunmehr vermeintlich herrenlose Sitze in der Alten Försterei, die beim letzten Heimspiel munter von aushäusigen auswärtigen Journalisten genutzt wurde. Meines Stammplatzes verlustig gegangen zu sein, ist mir in 10 Jahren Union-Berichterstattung auch noch nie passiert. Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.

Nicht minder interessant war, dass Dirk Zingler nach knapp fünfeinhalbstündiger Autofahrt nebst Tross (diesmal ein Triumvirat) mal nicht mittendrin war, sondern recht abseitig auf der Tribüne. Aber auch da ging er voll mit.

Womit ich zur abschließenden Feststellung komme. Aus dem „Tabellenführerchen“ von Freitag Abend wurde im weiteren Verlauf des Wochenendes ein richtiger Tabellenführer (s.u.). Wozu ein Punkt manchmal gut sein kann.

Szenen meines Lebens V

Los jetzt, alle mal mitsingen:

Ein Auto steht am Straßenrand ganz still und stumm
Es hat aus lauter Purpur ein Mäntlein um
Sag was mag denn mit ihm sein
Warum steht es da allein …

Na liebe Gemeinde, dämmert es schon? Nicht? Dann mal bitte den Blick von der glänzenden Motorhaube und der glitzernden Windschutzscheibe etwas absenken. Ja, richtig gesehen. Da fehlt etwas. Das Nummernschild, um genauer zu sein. Ganz präzise ausgedrückt nur das vordere. Hinten war alles okay!

Natürlich pasiert einem so etwas immer dann, wenn man es gerade eilig hat. Beispielsweise wenn man die Bunkine nebst ihrer werten Frau Mutter abzuholen gedenkt, um an der Waldbühne einem wunderschönen Konzert der Toten Hosen lauschen zu gehen. Diese informieren, dass alles anders als geplant laufen muss, uns die Zeit knapp gar zu werden drohe, war eins.

Was tun, sprach Zeus? Die Götter warn’n zwar nicht besoffen, aber weiterer guter Rat teuer. Das der getreue Wegbegleiter zudem nicht ansprang, entspannte die Situation nicht wirklich. Erst einmal also meldete man sich als ordentlicher Bundesbürger bei seinem Freund und Helfer.  Und weil meine Wenigkeit halt gerade auf der Straße stand und das Örtliche fern, entschied man sich natürlich für die Einseinsnull.

Begeisterter Empfang am anderen Ende der Leitung, als ich versuchte ein Ohr für mein Dilemma zu bekommen. Aber so was von. Ich möge mich doch bitte an ein örtliches Revier wenden. Dauerte auch keine dreieinhalb Minuten, ehe ich dem guten Mann verständlich gemacht hatte, dass ich,  wenn er mir nur mit einer Nummer weiter hülfe, doch gar nicht unverschämterweis seine heilige Leitung weiter zu blockieren gedachte. Lange stand er auch nicht auf derselbigen. Gefühlte weitere dreieinhalb Minuten später hatte er es verstanden. Doch, doch! So schlecht kann die Ausbildung unserer Herren Ordnungshüter also gar nicht sein.

Meinen Standort als solchen, dem ich ihm wohlweislich kund getan hatte, geflisssentlich ignorierend, übermittelte er mir nur die zentrale Rufnummer der Berliner Ordnungshüter. Bitte kmme jetzt keiner auf den abwegigen Gedanken, dass hier Gehässigkeit seinerseits im Spiel gewesen sei, nur weil ich gewagt hatte, ihn in seiner Wachsamkeit zu stören.

Nun gut, was soll man machen. Wenn der eine nicht will, dann muss eben der andere. Flatrate sei dank, kostet so ein Anruf ja nichts. Und in den zwei Minuten mehr würde mit meinem verschwundenen Nummernschild wohl auch nicht weiter groß Schindluder getrieben werden können als zuvor auch schon. Denn wann das gute Teil abhanden gekommen, wusste ich ja nicht zu sagen. Schließlich stand der rote Renner schon ein paar Tage friedlich, schiedlich auf seinem Parkplatze vor sich hin.

Frischen Mutes also zum nächsten Telfonat. Bescheiden mein Begehr vorgetragen, das ich das Abhandenkommen eines Kfz-Zeichens zu melden gedachte. Bis zum ende kam ich nicht. „Gehen sie zur Zulassungstelle“, blökte es kurz und bündig aus dem Lautsprecher. Zulasungstelle? Ja doch, Superidee. Am späten Freitagnachmittag. Warten bis Montag also. Und in der Zwischenzeit laufe ich die Gefahr, dass jemand auf meine Kosten Banken überfällt, eine terroristische Zelle mit gründet oder, um mal ein kleinwenig realistischer zu werden, munteren Tankbetrug betreibt. Diesen dezenten Hinweis meinerseits aufgreifend, bekam ich gelangweilter Stimme einen bahnbrechenden Tipp. Ich könne doch zu einem Revier meiner Wahl gehen. Hatte ich schon meine Zeitknappheit erwähnt? Hatte ich? Okay. Sie können mir also folgen.

Ich ließ Notlage Notlage sein und folgte also dem Lockruf des Konzertes. Auch weil ich die Bunkine nicht enttäuschen wollte. Die hatte sich ja sehr auf die Düsseldorfer gefreut. Und Open Air ist ja eh immer spannend, so denn das Wetter mitspielt. Also doch noch auf den Weg gemacht. Nicht aber ohne vorher den Versicherer meines Vertrauens von meiner Unnummernheit in Kenntnis zu setzen. Sicher ist sicher.

24 Stunden später begab es sich zu der Zeit, als ich nach getanenem Tagwerk des Abends im friedlichen Friedrichshain  heimwärts radelte,  dass ich an einer Wache vorbei kam. Da dachte ich, dass hier mir endlich einer zuhören müsse. Und siehe da, ich klopfte klingelte, und es ward mir aufgetan. Ich fand gar Raum in der Herberge, äh im Reviere. Mehr noch! Mein Anliegen, wurde mir versichert, sei  wichtig. Man merkte sich die  Worte und bewegte sie in seinem Herzen.

Warum ich denn nicht früher gekommen wäre?  Auch das chiplich mitgebrache Foto, dass wir nach nur 30 Minuten Rumfummelei am PC des Reviers mit gemeinsamen Kräften endlich überspielt hatten (was da angeblich nicht alles aus Sicherheitsgründen gesperrt und unmöglich war. Mein lieber Scholli wie fangen die denn so bloß Verbrecher?), fand des netten Beamten höchste Lobpreisung. Und als  wir auch noch feststellten, dass unserer beider Zuneigung einem südöstlich in dieser Stadt beheimatetem Fußballklub galt, war der Bann endgültig gebrochen. Die Polizei, dein Freund und Helfer. Dieser Mann gab mir den Glauben zurück.

Was lernen wir daraus? Beim nächten Notruf, egal worum es geht, verlange ich erst einmal nur noch eins: Nach dem diensthabenden Eisernen.

Du hast die Wahl, Fisch

Für alle die, die gestern Abend in den ersten vier Programmen des DEF (Deutsches Einheitsfernsehen) leider keine Zeit hatten, anlässlich der näher rückenden Bundestagswahl aka „nine-twentyseven“ die große Nicht-Debatte über die Tigerentenkoalitionsmöglichkeitenvermeidung zu verfolgen oder sich anderweitig, zum Beispiel für die gelbe Familie auf PRO7 entschieden hatten („Homer for Kanzler“) , folgt hier servicehalber kurz eine inhaltliche Zusammenfassung der Inhalte des TV-Duells Merkel – Steinmeier:

Ein Walfisch sagt zum Thunfisch,
wollen wir es tun, Fisch?
Da sagt der Thunfisch zum Walfisch, du
hast die Wahl, Fisch….

Und damit zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.

Verzeiht drum, wenn ich Zweifel hege

Der Aufstieg und der überragende Saisonstart in der Zweiten Liga mit 10 Punkten aus vier Spielen haben offensichtlich auch bei anderen Vereinen Begehrlichkeiten geweckt. Die Qualitäten von Neuhaus scheinen auch andernorts gefragt.“

So steht’s geschrieben, so hört man es gern.Und zwar im Tagesspiegel vom 13. September diesen Jahres. So soll es auch nach Außen wahrgenommen werden. Der Worte hör ich wohl. Allein mir fehlt der Glaube.

Bitte nicht falsch verstehen. Uwe Neuhaus ist ein absoluter Glücksgriff als Trainer für den 1. FC Union. Seine jüngst erfolgte Vertragsverlängerung erscheint in the long run absolut wünschenswert. ABER, und das musste ich groß schreiben, der Zeitpunkt überrascht.

Dabei ist man als Aufsteiger gerade erst in der Liga angekommen. Passiert übrigens Neulingen nicht gerade selten, dass sie einen furiosen Auftakt hinlegen. Nur um dann doch noch nach und nach wieder nach hinten durchgereicht zu werden. Branchentypisch reagiert man dann doch mit einer Trainerentlassung. Oft genug kurz vor oder in der Winterpause.

Ein Szenario, dass ich beim 1.FC Wundervoll für heuer zwar nicht erwarte, was aber wenn doch? Dann hätte man auf einmal eine Abfindung zu bezahlen, die sich nicht auf die eigentliche Restlaufzeit von 6 Monaten bezieht, sondern eine für 30 Monate. Das kann teuer werden.

Der klassische Zeitpunkt für eine Prolongation des Kontraktes wäre der spielfreie Januar. Jeder sieht, wohin die Reise geht, respektive gehen kann. Allein schon tabellarisch. Und zu sagen, man müsste jetzt schon unbedingt verlängern, weil Neuhaus anderenorts Begehrlichkeiten geweckt hat? Mit Verlaub gesagt, Schmarren.

Erstens: Wo ist den im Fußball-Oberhaus ein Job frei? Einer, der reizvoll ist und nicht ein Schleudersitz?  Ich seh keinen, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Zweitens: Selbst wenn er eins gehabt hätte haben sollen, so what? Er hatte noch einen gültigen Vertrag bis zum Sommer 2010. Den hätte er erfüllen müssen. Oder sich für teuer Geld freikaufen (lassen). Ganz außen vor lassen wir mal die Tatsache, dass er mit Unions Buchhaltung verbandelt ist, ergo daher wenig privates Interesse hat, der Stadt flinken Fußes den Rücken zu kehren.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass man angebliche Angebote lautstark kolportiert, um der ohnehin weniger stark Nachdenkenden und mehr aus dem Bauch heraus reagierenden Fanseele die dringende Notwendigkeit einer pekuniären Anhebung des Salärs des formidablen Übungsleiters schmackhaft machen zu wollen. Doch da man über Geld ja nicht spricht, vor allem wenn man es wie der 1.FC Wundervoll nicht im Übermaße hat, musste ein anderes Argument für die Volksgemeinschaft her.

Wenn man dann – wissend um die kleinen Befindlichkeiten der Hauptstadtpresse – noch ins Kalkül zieht, in welchem Medium diese Version zuerst auftauchte – und es war beileibe nicht der Tagespitzel – dann verstärkt das den Verdacht. Der rastlose Autor mit den drei Buchstaben, der in dem Blatt mit den vier Buchstaben seit Jahren trefflich sein Wesen treibt, ist eh in seiner ganzen Bericherstattungslinie seit jeher mehr auf Funktionärsschreibe denn auf Fanbetrachtung gepolt.  Mit anderen Worten, den Viereinsoberen sollen seine Worte für gemeinhin wohlfeil und genehm erscheinen. Und da, oh Wunder, gab es zuerst die künstlich geschürte Angst, dass man des trefflichen Übungsleiters verlustig gehen könne, wenn man nicht rechtzeitig gehandelt hätte. Hat man ja aber. So dass das Schulterklopfen bei so viel Weitsicht sicher ist.

Wollte man vielleicht auch von anderen Dingen ablenken? Beispielsweise der Tatsache, dass die  einst recht eilig herbeigeführte Trennung vom dubiosen Hauptsponsor millioneschwer vor dem Kadi enden könnte?

Ich bleibe dabei, imho hatte Neuhaus keine Angebote, die das hier und jetzt betreffen. Vielleicht für Juli 2010. Doch Vereine, die im September schon nach einem Chefcoach für die nächste Saison fahnden, sind mir suspekt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass UN so etwas wirklich reizen könnte.

Wie ich fast einmal Porsche fuhr

Zu der Jugend glorreich-glorifierten Zeiten gehören ja auch immer zahlreiche Annekdötchen und Geschichtchen, mit denen man sich später gerne brüstet. Logisch, dass Meinereiner so etwas auch in petto hat. So gehörte zu meinem ständigen Reportoire, dass ich einmal zu selig Studenten- wie Vorwendezeiten im beschaulichen Göttingen einmal in einem schmucken und PS-starken 911er gen Berlin gedüst bin, nur um dort auf dem Felde der Ehre Ku’damm mit der Luxuskarosse des Lux ein wenig Lustwandeln zu fahren.

Klingt für einen Otto-Normal-Studiosus mit chronisch defizitärem Geldbeutel kaum glaubhaft. Lag aber bei mir durchaus im Bereich des Möglichen. Denn seinerzeit jobbte ich für einer der großen Autovermietgesellschaften. Dort gehörte es oft zu den Aufgabe, einen Wagen vom Typ XYZ an eine andere Servicestation zu bringen und von dort aus – ob anderer meiner dort harrenden Aufgaben – wieder eilenden Fußes in die Leinestadt zurück zu kehren. Manchmal musste man dafür ein Auto der Gesellschaft nutzen. Manchmal ging es aber nur auf Schienen zurück.

Gut bezahlt war übrigens anders. Auf sagenhaft anmutende 7,50 DM blief sich der üppig Stundenlohn. Jeder Bierzapfer in einer der Göttinger Studentenkneipen – und davon gab es ja bekanntlich nicht so viele – hätte Hohn gelacht, ob dieser Ausbeutung. Trinkgeld war zudem ein Fremdwort. Von Nachteil war auch, dass man mit dem Führerschein Klasse III ja auch Lkws fahren durfte. Zwar nur die bis 7,5 t. Aber wer noch nie in so einem Schrankwandgefährt gesessen, kann sich kaum vorstellen, wie viel Blut und Wasser man auf einer Jungfernfahrt durch die Kassler Berge schwitzen kann. Allein schon die Druckluftbremsen sorgten mit ihrem Geräuschpegel regelmäßig für Alarmstufe Rot in meinen zarten Eingeweiden.

Doch es gab – neben der Möglichkeit zahlreiche neue Autotypen kennen zu lernen und damit techisch auch als Nicht-Auto-Freak einigermaßen Up-to-date zu sein – auch ein paar angenehme Seiten. Die Rückfahrt im Zug galt als bezahlte Arbeitsfahrt. Ich meine, hey, für 7,50 DM in der Stunde bezahltes Spiegel lesen? Wer hat das schon?

Eine andere Form der Entlohnung war dann übrigens das Überführen von sogenannten Luxus-Karossen an weiter entfernte Orte. Brachte reichlich Stunde zusammen. Und man kam so umsonst zu Freunden oder Kumpels hin und wieder zurück und durfte ein paar Stunden Cabrio fahren. Oder halt auch mal einen Porsche!!!

Letzteres ist mir zwar nie ernsthaft wiederfahren. Aber alle meine sport- und technikbegeisterten männlichen Kommilitonen, wissend um diesen Studentenjob, wirkten recht neidsch,  wenn ich forschen Blickes, mit flinker Zunge und wieder besseren Wisssens stets behauptete, in die heutige Hauptstadt geporscht zu sein.

Auch heute noch habe ich oft mit Autovermietungsgesellschaften zu tun. Jobbedingt düse ich ja viel zwischen den Stadien dieser Republik hin und her.Da kommt es schon mal vor das der Autoverleiher meines Vertrauens einem ein etwas nobleres Gefährt als gebucht anvertraut. Als kleines Danke schön für die Treue, die man seiner Station hält. Die Boni der auch nicht gerade übermäßig entlohnten Servicestationsleitern richten sich ja auch nach ihrem entsprechenden Jahresumsatz …

Neulich war es mal wieder soweit. Noch ganz in meine Morgemuffelei vertieft, schreckte mich der Hinweis auf das mir anzuvertrauende Gefährt aus meinen Gedanken. Da stand er, der typische Penisersatz, ein feuchter Männertraum in Lack und Leder. Ein klassischer 911. Targa? Carrera? Alles scheiß egal. Jetzt konnt ich das Versäumte nacholen, Erfundenes endgültig zu den Akten legen und wieder ein ehrlicher Mensch werden. „Sie haben ja keine Mitfahrer heute, oder“, vernahm ich noch den freundlichen Satz, der mich aus all meinen wohlfeilen PS-Träumen riss.

Mitfahrer? Doch, hatte ich. Sogar deren drei. Mit schwerem Gepäck, weil Fotografen. Also musste ich schweren Herzens darauf verzichten. Und doch wohl wieder zu meinen alterfundenen Geschichte zurück kehren …

Ich erkläre die Saison für verlängert

Werbung ist so eine Sache. Manche geht. Anderes geht gar nicht. Meistens geht es leider absolut nicht. Und langweilt nur. Wobei ich wohlgemerkt zu der Gattung Mensch gehöre, die für gut gemachte Commercials einiges übrig hat.

Jüngst fiel mein Blick auf ein außerordentlich gelungenes Exemplar von Annonce. Eine einem Hamburger Fußballklub nahestehende Autofirma veröffentlichte ganzseitig Nachstehendes. Ein anderer  Ansatz als bei meinem kürzlich,  zugegebenermaßen recht  einseitig, verordnetem Dekret. Ging aber in toto in dieselbe Richtung. Andere Stelle, gleiche Welle, sozusagen.

Dieses Überholverbot wäre in der Tat ein gar sehr zu Begrüßendes. Ob als Nr. 1 oder als Spitzenzweiter. Aufstieg ist Aufstieg ist Aufstieg! Und die Schatzmeister beider Vereine könnten sich sogar in dieser Spielzeit noch kräftig die Hände reiben. Ich erkläre die Saison für verlängert!