Cardiff, 12.30 Uhr, die Frisur sitzt

Nun also Wales, diese 3 Millionen Einwohner umfassenden Halbinsel im Westen von Großbritanien. Genauer gesagt deren Hauptstadt Cardiff. Immerhin noch 300 000 Mann/Frau/Kind/Kegel schwer. Und dann trat herein ins Hilton in den Ballsaal, der Bundesjogi. 12.30 Uhr. fast pünktlich. Und die Frisur saß.

Munter hub er an zu parlieren, ob der gestellten Zielstellung (derer da war, oh Wunder, der Punkte drei), über „högschde Konzentration. Er sang das hohe Lied der Körperlichkeit (auf dem Platz natürlich, nicht was ihr Ferkel schon wieder denkt) und sinnierte über die zwei, drei Überlegungen, die er im Kopf habe bezüglich der Aufstellung . Aber partout natürlich nicht da rauslassen wollte. Andere Trainer läsen ja auch Zeitung, gelle!  Zumindest nicht rauslassen bis zum Anpfiff des WM-Qualifyers gegen die „Roten Drachen“ aus Wales. Und bei all dem saß die Frisur unverrückbar. Zentimetergenau. Festgemauert in die Erden, ach ne, das war was anderes. Tschuldigung.

Dabei spielt der Fußball in Cardiff keine große Rolle. Vom Länderspielfieber war wenig zu merken.Keine Plakate, keine Werbung. Dafür prangte am wunderschön mitten zwischen Innenstadt, schmalen Gässchen und dem Flüsschen Taff  gelegenen Millenniumstadium ein ganz anderer Veranstaltungshinweis:

Scheint so, als ob Rugby die absolute Nr. 1 in Wales ist. So sieht die Schüssel übrigens von außen aus:

Wanmomi?

„Wanmomi?“ Irgendwie war ich irritiert. Wie bitte? Äh sorry, falsche Sprache: What? „Wanmomi?“ Äh, wie jetze? „Wanmomi?“ Die Frage, so viel ließ sich immerhin durch Satzmelodie feststellen, wurde in ebenso freundlicher Hartnäckigkeit wie steigender Tonart vorgetragen.

Der geneigte Leser weiß es ja breits, dass ich mich derzeit in Cardiff befinde. Und auch des idioms, dass man gmeinhin für die weltsprache nr,1 hält so halbwegs mächtig bin. Doch dieser Satz, vorgetragen mit stoischem Gleichmut und dem professionellen Lächeln des indisch-pakistanischen Kulturraumes, überforderte meine Sprachkenntnisse. Es ließ sich auch nich auf die zahlreichen Nebnegräusche wie Tellerklappern, Löffel-rühren oder Küchen-Gebrutzel schieben. Ich verstand ihn einfach nicht. Indisches Englisch ist halt doch eine ganz eigene Weltsprache.

Was man von mir gewollt hatte, dämmerte so langsam, nachdem besagte Person dann freundlichst ein kleines Kännchen Milch für meinen Kaffee auf dem Frühstsückstisch abstellte.