Szenen meines Lebens VII

Sonntag früh, Göttingen, Bahnhof. Quasi einen Steinwurf von meiner ersten Studentenwohnung unweit der Tagente entfernt. Südseite. Ein wettergegerbtes Gesicht, rauchend auf der Südseite. Wenig später dieselbe Gestalt am Nordausgang, also dem zur City hin. Eingestiegen wie ich in Berlin. Und mir war sofort klar, wo er hin wollte. Auch wenn ich keinem Namen zu dem Gesicht hatte. Karlsruhe war das Ziel. Genau wie bei mir. Hin zum 1.FC Wundervoll auf seinem Trip durchs Abenteuerland namens 2. Liga. Sagte ich schon, dass es früh war? Ich meine, verdammt früh. Eine Abfahrtszeit in der Hauptstadt so um 5.20 Uhr ist kein Zuckerschlecken für eine Protuberose so wie mich. Da schmeckt sogar der beste Kaffee nur nach Nacht.

Irgendwann, also gefühlt nach zwei bis sechs Schlucken meines Bürgertumkaffees (Sorry DB, eure Preise sind einfach nicht mal mehr mit Apothekerpreisen korrekt zu beschreiben), kam man dann doch ins Gespräch. Kurz nach seinem Telefonat mit dem V.I.R.U.S.-Bus. Was man denn sich erhoffe vom Spiel und so. Ob ein Punkt gut oder schlecht wäre („Ich hab nüscht einjeplant“). Und ob die vielen Ausfälle der Mannschaft schaden würden. (Was auch nur eine dusslige Bildschlagzeile war, denn es fehlte ja mit John Jairo nur eine Stammkraft). Dauerte auch nicht lang, bis er sich über seine Sonntagmorgen-Lektüre erregte. Was die wieder schreiben würden. Na aber hallo, da war er ja bei mir gleich an den Richtigen geraten.

Die ebenso dezente wie bewusst gestellte Nachfrage, was er denn so alles zwischen Ostbahnhof und Göttingen gelesen habe, ergab eine rasche Eingrenzung des Problems und die Erkenntnis, dass er sich primär über die BZ erregte und den Inhalt des Kuriers („Die waren nicht ganz so schlimm“) schon fast wieder vergessen hatte. Punkt eins gefiel mir, Punkt 2 war weniger schmeichelhaft, auch wenn er später dann doch inhaltlich leicht revidiert wurde. Denn dass Mac auszufallen droht, hatte er sich dann doch gemerkt.

Doch zurück zur BZ. Wie nicht wenigen Eisernen missfiel ihm das Stilmittel der Übertreibung, die – seiner Meinung nach – stete Suche der Medien nach dem Besonderen, dem Exaltierten. Diesmal ging es um den möglichen Startrekord eines Aufsteigers, den man im Hause Ullstein ausgemacht hatte. „Das interessiert mir nüscht. Die schreiben immer so nen Scheiß. Entweder wir marschieren durch oder sind eine Schrottelf.“ Mal abgesehen davon, das er da nur wieder das bundesdeutsche Leidorgan mit den vier Buchstaben inhaltlich zitierte, blieb die Erkenntnis: Man(n) vermisst Bodenhaftung. BZ, Kurier, alles dieselbe Soße, so sein ernüchterndes Fazit.Alle die Jahre, all das Bemühen, sind die wirklich umsonst gewesen?

Natürlich ließ ich es an vorsichtigen Hinweisen nicht mangeln, dass es manchmal auch auf den Autoren der Geschichten ankomme, man nicht immer alles über einen Kamm scheren dürfe. Die vorsichtige Zustimmung die er in seiner Morgenmuffelei dann herausbrummte, erwies sich aber als vergiftetes Kompliment. „Ja, da ist noch so einer. Der vorne immer die Kolumnen schreibt. Aber nicht der Simon, Der andere.“ Vorne? Kolumne? Der andere? Mist, musste meinen Chef meinen. Die Kommentarspalte ist so etwas wie sein ureigenes Hoheitsgebiet. Selten, dass sich da mal einer seiner Subalternen verlustieren darf. Durch sein leises „Der Bunkus ist nicht so schlimm. Der macht dit janz ordentlich“, wurde ich dann unversehens doch aus meinem Trübsal-Gebläse gerissen.

Na also, da war es doch. Frohlocken! Jubeln. Hosianna. Welcher Autor hört das nicht gerne. Nicht anonym die XYZ-Gazette, nicht das Bunte Blatt oder die Wilde Woche, nein, volle Namensnennung. Dass er mir im gleichen Atemzug allerdings auch noch weiß machen wollte, dass besagter Bunkus ja kaum noch schreibe („Der macht jetzt vorne immer bei Hertha mit“) ließ mich den Glauben an Rezipierfähigkeit unserer Leserschaft aber schon wieder schnell verlieren. Hertha? Icke, äh, ich? Um es mit dem guten alten Schiller (Friedrich, nicht Ingo!) zusagen: Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht.

P.S. Bitte jetzt nicht falsch verstehen. Ich habe nix gegen die alte Dame. Sie langweilt mich nur so unsäglich. Und weiß genau, dass es für die Balltreterzunft in der Hauptstadt besser ist, wenn sie drin bleiben in der Bel Etage des deutschen Fußballs. Derby, wenn sie denn endlich einmal auf der Tagesordnung stehen würden, mögen doch bitte schön im Oberhaus stattfinden. Von Zweitligaduellen „auf Augenhöhe“ keiner was gesagt.

Ach was waren das für Zeiten

Ach war das noch schön. Eine Dreipunktegarantie. Zumindet hat es sich so angefühlt, Woche für Woche. Da konnte man die Kleinigkeit  mit Europa und so verschmerzen. Gab ja regelmäßig erst im Halbfinale auf die Fresse. Gefühlt zumindest. Und heute? Da zittert man schon  vor Schalke.

A sort of Home coming

Hohe Luft. Hagenbeckstraße. Planten un Blomen. Vertraute Klänge, daran erinnernd, dass man doch ein echets Nordlicht und in Berlin nur ein Zugereister ist. Ich habe zwar nur die ersten sechs Jahre in der Elbmetrole verbracht, doch wenn man nur 40 km weiter südwärts sein Abi gebaut hat, also dort, wo für den Hamburger der Balkan beginnt, nämlich südlich der Elbe, hatte man die Vorzüge der Hansestadt als Heranwachsnder doch genießen dürfen. Zumindest so viel davon, dass es in den Ohren klingt, wenn der breite hamburgische Akkzent sich in meine Hirnwindungen bohrt.

Apropos Klänge. Manche Menschen kennt man gar nicht im RL, obwohl sie einem sehr vertraut sind, wenn ihr Name erklingt. Womit ich jetzt nicht Twitteraner meine. Sondern solche Personen, die man stets nur am Telefonhörer vernimmt, aber noch nie von Angesicht zu Angesicht gesehen hat. So geht es mir mit unserer Schwesterzeitung. Was lag also näher, da ich mich ja beruflicherweis an der Elbe aufhalte, als das endlich mal zu beenden.

Heute vor der DFB-Pressekonferenz fuhr ich also mal kurz an Griegstraße 75 vorbei, den Kollegen mal die Hand schütteln. Ein Käffchen. Ein Pläuschen. War nett. Wenn auch kurz. Hatten ja zu tun die Kollegen.

Viel faszinierender empfanden meine entzündeten Augen aber das Vis-a-Vis. Nicht mal einen Steinwurf von der MoPo-Redaktion entfernt liegt die altehrwürdige Adolf-Jäger-Kampfbahn, Home des AFC ’93. Es ist einer dieser Sportstäten, an der der Unioner seine helle Freude gehabt hätte. Schalensitze des großen Bruders wurden hier aufgetragen. Eine als Meckerecke bekannte Kurve. Schiefe Traversen, Gras bewachsen. Hach!

Kann mich nicht mal erinnern, ob ich als Kind dort gewesen bin. Später auf keinen Fall. Nicht mal auf meinen Ausflügen als niedersächsischer Verbandsliga-Referee, der ab un dzu im Austausch in der Stadt an der Alster pfeifen durfte. Und doch wallen nur gute Gefühle in mir auf, wenn der Name Adolf-Jäger-Kampfbahn erklingt.

Erinnerte an die Alte Försterei vor der Sanierung. Ein Stück Fußballtradition also. Uwe Seelers Bruder Dieter schnürte sogar zeitweilig seine Töppen für den AFC. Echte Tradition also. Und eine, die sich wohl endgültig dem Ende zu neigt. Angeblich soll das Stadion für 12 Millionen Euro verkauft werden. Regionalligaspiele hatte der DFB den Altonaern bei ihrem kurzfristigen Intermezzo im höherklassigen Fußball vor der Spielzeit 08/09 ohnehin schon verwehrt. Nachvollziehbar vielleicht. Aber schade ist das schon.

Mein Freund Herbert

Ey, Herbert! Musste doch jetzt echt nicht sein, oder? Ich meine, es ist dunkel, ich bin  müde. Regen hat es auch. Und zwar kräftig. Ich sitze in einem mir recht fremden Gefährt italienischer Herkunft, dessen vier Buchstaben im Allgemeinen mit „Fehler In Allen Teilen“ übersetzt wird. Das ist schon anstrengend genug. Hatte ich schon erwähnt, dass die Scheibenwischer quietschen? Hey, alles, was ich will, ist flinken Fußes südwärts dem Domizil meines Cousins zu zu streben. Und dann kommst du.

Ich mein ja nur. Du kennst doch den Tom, oder? Nicht? Na gut, sagen wir mal so, der Herr TomTom ist ja recht stur in seinen Ansichten. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, will er es auch umgesetzt sehen. Dass meiner zudem mit der Stimme des Herrn Schröder spricht, seine Anweisungen also markant und schneidig vorträgt, kommt erschwerend noch hinzu. Und der ordert mich nun, das große Alsterwasser zu meiner Rechten rechts liegen zu lassen und einfach südwärts die letzten 800 m geradeaus zu fahren. Alles easy also, möchte man meinen. Technik, die begeistert.

So weit, so gut. Ne, eher so schlecht. Es kann der beste nicht in Frieden fahren, wenn es der lieben StVO niht gefällt. Menno, merkst du denn gar nix mehr, um es auf hamburgisch zu sagen! Ist der gute alte Gerhard nicht ein Parteikollege von dir? Also was soll der Scheiß? So kann man nicht miteinander umgehen. Auf keinen Fall. Diese Wankelmütigkeit von dir geht mir jetzt echt auf den Keks. Alle paar Stunden wechselst du die Richtung. Ohne dabei Rot zu werden. Mal lässt du einen nur nach Süden, dann wieder nur nach Norden. City einwärts, City auswärts. Schön im Wechsel. Und wehe man schwimmt gegen den Strom. Aber jetzt echt mal ehrlich. Du und ich haben verstanden. Aber mach das mal dem Navi klar. So viel Opportunismus ist echt nicht gut. Nicht mal für einen altgedienten Bürgermeister wie dich!

Wie bitte? Erster Bürgermeister? Na gut, weil du es bist, so viel Zeit haben wir gerade noch. Ändert aber nix an deiner Wankelmütigkeit gegen die die heutige SPD mit ihrer steten Umfallerei gen rechts ein aufrechter Fels in der Brandung ist.

 

Ich hatte es ja nach dem dritten fehl gelenkten Versuch von Tom seinem Tom begriffen, dass ich auf dir zu Nacht dauernder Stunde nicht südwärts durfte. Aber dein Ex-Kanzler mochte das partout nicht einsehen. Immer und immer wieder orderte er mich zurück auf deine widerstrebenden Bahnen. So beharrlich wie er 2005  an der Kanzlerschaft festhielt. So viel Realitätsverlust, das kann schon etwas anstrengen.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich müde war?

Ne, Herbert. So werden wir echt keine Freunde mehr.

Warten auf den Löw

Die Stadt voller Russen. Was nicht weiter verwunderlich ist, wenn die Location Moskau heißt. Aber jetzt sind sie sofort auch äußerlich als solche erkennbar. Fahnen schmücken nicht mehr Masten, sondern Leute und weibliche Hinterteile. Fliegende Händler versuchen die letzten Flaggen, Tompeten und Arschavin-Trikots an den Mann/Frau/Kind zu bringen. Vereinzelt sind auch deutsche Trikots zu sehen. Zumeist rund ums Gum und den Roten Platz.

Die Zeichen mehren sich. Im Gum lockt das putzige Pärchen (oben links) zum großen vaterländischen Spiele. An den Kneipen und Bars werben Plakate für eine Live-Übertragung im Fernsehen. Durchs Hotel flanieren die Altinternationalen wie Hansi Müller. Zahlreiche detusche Schlachtenbummler haben sich auch schon einquartiert. Sollen ja auch 2500 Germanen Augenzeuge werden wollen.

Für meinereiner heißt es jetzt erst einmal warten. Abwarten und Tee trinken. Warten, dass der Pressebus endlich vorfährt, uns zum Lushniki-Stadion rollt. 80 000 Mann werden erwartet. 80 000 fanatische Anhänger der Sbornaja wollen ihre Mannschaft zum Sieg schreien.

Doch bis dahin dauert es noch so lange. Die Sekunden werden zu Minuten, die Minuten zu Stunden, die Stunden zu Tagen. Zumindest gefühlt. Es nervt. Man will, dass es endlich losgeht.

Wie nur die Zeit totschlagen? Mit dem lallseit ustigen Rumsurfen im Netz der Netze ist das so eine Sache. Man weiß nie, was einen im Stadion erwartet. Gibt es Stromanschlüsse, zu denen der Stecker passt? W-Lan ist auch keine Selbstverständlichkeit auf den Tribünen dieser Welt.Eigentlich sollte man immer mit vollem Akku anreisen, ergo den Laptop und andere technische Geräte in den Stunden zuvor schön brav aufladen. Geht aber nur im Zimmer. Und dort ist das W-Lan nicht kostenfrei. Mit satten 960 Rubeln schlägt ein 24h-Zugang zu Buche. Macht man nicht, wenn es in der Lobby die Verbindung ins WWW kostenfrei gibt.

Fans haben es da einfacher. Sie können sich genüßlich bei einer Gerstenkaltschale auf das Kommende einstimmen. Sie können in den Cafs und Bars dieser pulsierenden Metropole verweilen, zum Augenblicke sagen, verweile doch, du bist so schön und sich in aller Ruhe der zahlreichen Schönheiten dirses Landes erfreuen. Den baulichen und den bestiefelten. Den Miniberocken und den maximal Beseelten. Den Genussmitteln in fester und flüssiger Form. Und überhaupt.

Doch lassen wir das. Genug gejammert. Ab ins Zimmer. Strom bunkern.

Nachtrag: Das Warten hat sich gelohnt. Unser Traum wird endlich wahr. Wir sidn zu Gast in Südafrika.

Und daher spendiere ich ein Lied:

Nachfolgend: Sehenswürdigkeiten

Hier sind sie also nun. Die sogenannten Dostoprimetschatelnosti. Zumindest ein paar davon. Genauer gesagt nur die, ich heute auf meinem Marsch (So weit die Füße tragen) ins HQ des DFB im Kempinski mit Blick auf den Kreml gesehen habe.

Zm Beispiel die hier:

Wenn ich meinen arg kurz studierten Reiseführer richtig verstanden habe (alle Angaben ohne Gewähr) handelt es sich hierbei um das neben dem Historischen Museum gelegene Auferstehungstor, auch iberische Pforte genannt. Kurz, es ist der Eingang zum Roten Platz. Mit dem Kreml, dem Kaufhaus Gum, der Basilius-Kathedrale und und und …

Auch der adrette junge, schwarzhaarige Herr (Typ: netter Schwiegersohn), der da vorne links ganz geduldig eine Presssekonferrenz über sich ergehen lässt, kann getrost als Sehenswürdigkeit gesehen werden. Wenn auch aus Moskauer Sicht weniger als eingeborene denn als endogene. Ab temporär stimmte das schon irgendwie.

Was sonst noch war? Ey, ich war doch nur dank der endlosen Güte meines Brötchengebers zum Arbeiten in Moskau. Nicht zum Privatvergnügen. Ich sollte nämlich nur Jogis Jungs auf die Füße schauen, ob sie für den geplanten Abenteuerurlaub Roadtrip 2010 in Afrikas Süden in Moskau den richtigen Abzweig finden würden. Mehr dazu später. An anderer Stelle.

 

Zur Einstimmung, ein Lied

Es stimmt. Die Wettervorhersage, meine ich. Regen. Regen. Und nochmals Regen. Nasse Füße gab es also gratis. Und als Dreingabe einen Temperatursturz.Gut, dass ich einen Schal mit hatte.

Ach so, ja, bevor ich es vergesse. Natürlich gab es auch Достопримечательности. Zu deutsch oder für diejenigen, die der russichen Zunge nicht so mächtig sind (also meinereiner): „Dostoprimetschatelnosti. Ist ja so etwas wie die Wasserscheide zwischen den gelernten Alt-Ossis und uns zugereisten, real existierenden Besser-Wessis. Meine lieben aus Neufünfland stammenden Kollegen beim Berliner Kurier hätten jetzt ihre helle Freude daran gehabt, wenn sie mein verzweifelt Bemühen, dieses Wort im Netz zu finden, angesichtig geworden wären.Sind sie aber nicht. Denn ich sitze ja jetzt unweit der Moskva, des großen Spiels Russland-Deutschland harrend. Zum Glück im Trocknen. Und sie im fernen Berlin.

Ich bin aufgeregt

Ab geht es. Nach Moskau. Gestern habe ich verzweifelt meinen Reisepass gesucht. Nirgends lag er. Vor allem nicht da, wo er sonst vor sich hin ruht. Himmel hilf. Was für eine Blamage. Da schickt mich mein Laden für horrendes Geld gen Osten, und nun droht die Reise 24 Stunden vor Abflug an meiner eigenen Schusseligkeit schon zu scheitern. Wie bringe ich das nur @alorenza, also meinem Cheffe bei?

Wann hatte ich dieses komische weinrote Teil denn zuletzt? Beim Beantragen des Visas. Visum? Beantragen? Momentmal, da war doch was. Ich musste ihn doch einschicken.

Klasse, mal wieder umsonst aufgeregt. Ich kriege ihn doch heute am Fraport wieder in die Finger. Gut, dass keiner weiß, wie blöde ich mich manchmal anstelle.

Also ab. Morgen/heute früh. Union, Union sein lassen. Ist auch besser so. Regt mich ohnehin gerade tierisch auf, dass irgendwelche Leute, die in den gefühlt letzten 30 Jahren ihre Kohle woanders verdient haben, mit jetzt erklären und vorschreiben wollen, wie mein Verein tickt. Zu ticken hat! Mal abgesehen von irgendelchen Praktikanten, die keine Ahnung von Pressearbeit haben und bis vor drei Monaten nicht mal wussten, wie Eisern eigentlich buchstabiert wird. Aber das sind halt jetzt die Macher.

Tempora mutantur …

Egal ich habe sie alle überlebt. Präsis, Trainer, Markentnder, Geschäftstellenmitarbeiter, Spieler, Ärzte. Alles.

Doch zurück zum Anfang. Frei nach Dschingis Kahn: Moskau, Moskau, spiel die Russen an die Wand, Deutschlanbd ist WM-fahr-Land.

Hatte ich schon gesagt, dass ich aufgeregt bin. Ich mein ja nur. Russisch kann ich nämlich auch nicht.

Kleiner Trost für alte Damen

Man soll ja nett zu alten Damen sein. Über die Straße helfen und so (ohne Yeah!). Also ersparen wir der einstmals im Wedding gegründeten Sportkameradin aus Charlottenburg nun die verdiente Häme, weisen nicht daraufhin, dass der Sportsfreund Michael P. derzeit einer Schallplatte mit Sprung gleicht:

„Wir sind der Überzeugung, dass Friedhelm Funkel der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist“, sagte Michael Preetz (42), der Geschäftsführer Sport von Hertha BSC. Der eine oder andere Beobachter fühlte sich beim Pressegespräch des Berliner Bundesligisten wie in einer Zeitmaschine. Wenn das Tabellenschlusslicht am Sonntag Heimrecht gegen den Hamburger SV genießt, wird erstmals Funkel auf der Hertha-Bank sitzen (17.30 Uhr, Olympiastadion). Nur, den identischen Satz hatte Preetz mehrfach benutzt, zuletzt vor einer Woche. Da jedoch hieß der Trainer Lucien Favre.

Also machen wir der alten Damen doch einmal Mut., und betrachten die Lage der Liga nach Spieltag 7 und am Schluss. Getreu dem alten Satz, dass Ranglisten rocken, zuletzt sehr schön gelesen beim Blogfreund @nolookpass, wollen wir doch jetzt Hertha mal frei nach Tenacious D mutig die Socken aus den Schuhen rocken. Ihr seit noch nicht abgestiegen: Schaut her:

08/09 Borussia Mönchengladbach  3 Punkte
07/07 Energie Cottbus                        2 Punkte
06/07 VfL Bochum                               4 Punkte
05/06 1.FC Nürnberg                           3 Punkte

04/05 Hansa Rostock                           5 Punkte
03/04 1. FC Köln                                   3 Punkte
02/03 1. FC Kaiserslautern                 3 Punkte
01/02 VfL Wolfsburg                            3 Punkte
00/01 Energie Cottbus                         4 Punkte

99/00 MSV Duisburg                             3 Punkte
98/99 VfL Wolfsburg                            4 Punkte
97/98 Hertha BSC                                 2 Punkte*

Das kann man sich ruhig mal auf der Zunge zergehen lassen. 9 (* Mannschaften in Fettdruck)  von 12 Schlusslichtern des 7. Spieltages schafften den Klassenerhalt. 75% der Klubs, seit Hertha anno 1997 die Erstklassigkeit wieder erklommen hatte, konnten sich noch retten. Sie alle sprangen dem Tod von der Schippe.

Wobei es unerheblich war, wie viele Zähler auf dem Konto sich zuvor „angehäufelt“ hatten. Zwei Punkte bedeuten nicht das Aus für Cottbus in der Spielzeit 07/08, zwei Zähler nicht für die blaue-weißen Berliner in der Aufstiegssaison. Fünf Zähler halfen Hansa aber seinerzeit auch nicht groß dabei, die Kogge musste der Erstklassigkeit am Ende adieu sagen.

Was lernen wir daraus? Es kommt nicht drauf an, dass es gut ist, es kommt drauf an, dass es rockt. Und im Gegensatz zu Herrn Lulu-Lala Favre, hat Funkels Friedhelm zumindest äußerlich viel mehr das Zeug dazu, als Rockstar durchzugehen.

P.S: Und ja, ich weiß, dass das keine echte Rangliste, sondern nur eine simple Auflistung ist. Aber Rangliste und rocken war so eine schöne Alliteration. Man möge mir diese kleine Ungenauigkeit verzeihen. Danke.