Szenen meines Lebens I

Lang, lang ist’s her. Und nur sehr kurz das Vergnügen. Ich habe heute noch das strahlende Gesicht meines ehrenwerten Altvorderen vor Augen, als er beim Geräusch des Boxermotors aus dem Hause eilte. Erinnerte ihn an sein allererstes Auto. Tja, und dann sollte er restauriert werden. Auseinandergenommen haben wir ihn. Mehr aber nicht. Gab auf einmal keinen Grund mehr in das Nest zu fahren, wo er in Einzelteile zerlegt einer besseren Zukunft entgegendämmerte. Ob es dich heute noch gibt? Ein neues, von Haus aus recht liebvolles Herrchen hattest du ja dann gefunden.  Und ach ja, er war natürlich nicht metallic, sondern klassisch rot.

Kein Bier für Vier

Es gibt Dinge, die sind einfach so. Aus dem Bauch heraus weiß man, dass es stimmt. Und so macht man sich gar nicht erst groß die Mühe, sie zu überprüfen. Schlimmer noch, man breitet sie weiter aus. Und so werden sie allmählich zur sprichwörtlichen Legende. Die Sache mit GreutherFürth zum Beispiel. Was übrigens nicht nur mir so ging. Da hat sich im Volksglauben unausrottbar eingebrannt, dass die fränkischen Kleeblätter in der 2. Liga von ihren Neigung am Ende einer furiosen Saison. grandios zu scheitern, einfach nicht lassen mögen. Immer wieder landen sie auf dem undankbaren Blechrang. Rang 4 scheint im Ronhof programmiert. Eine Mär‘, mit der aus dem Neubrandenburgischen hinaus @nolookpass bei dem wundervollen Sportblog http://www.dugehstniemalsallein.de aufräumte. Endgültig. Und zwar hier.

Doch wenn es nicht die DreiVierblättrigen aus der Playmobilstadt sind, wer dann? Wer also will kein Bier auf Rang vier trinken? Mit fussballdaten.de kann man so etwas ja leicht überprüfen. Und es ergab sich ein ganz anderes Bild. Seit Einführung der eingleisigen 2. Liga anno 1981 – das Wiedervereinigungsspieljahr 91/92 muss aufgrund seiner Zweigleisigkeit und dem damit verbunden alleinigen Aufstieg der beiden Meister einmal ausgenommen werden – gab es zahlreiche Teams, die ganz knapp am ersehnten Aufstieg scheiterten.

Unvermittelt taucht da vor meinem geistigen Auge aus den grauen Vorzeiten der Fußballwelt SV Meppen auf. Der verweigerte in der damals noch real existierenden 2. Liga Nord traumhaft sicher mit konstanter Hartnäckigkeit den Aufstieg. Ist vielleicht auch meiner norddeutschen Herkunft geschuldet, dass ich mich an solche Dinosaurier noch erinnere.

 

Doch darum geht es hier ja nicht, weil wir ja nur den Zeitraum ab 1981 betrachten. Und voila, wir präsentieren hiermit den „Ewigen Vierten“, der das Kunststück gleich viermal fertig brachte:  Es ist der FSV Mainz 05, der in der Spielzeit 01/02 durch eine deftigen Pleite beim 1. FC Union am letzten Spieltag aus seinen kühnsten Träumen gerissen wurde. Und das Trauerspiel ein Jahr darauf noch toppten, weil sie nach 34. Spieltagen ein einziges, winziges Törchen zu wenig geschossen hatten. Fast schon in Vergessenheit  geraten – Betroffene seien hier einmal ausgenommen – ist bei dem Vierten des Jahres 07/08, dass sie bereits Jahre zuvor am letzten Spieltag 96/97 bei einem rasanten Kick in Wolfsburg ebenfalls die Flinte ins Korn schmeißen mussten.

Doch der selbsternannte Karnevalsverein war beileibe nicht der einzige mit maliziöser Lust am Selbstscheitern. Rang und Namen tummelten sich dort. Manche scheinen aber auch schon der Vergessenheit der Viertklassigkeit anheim gefallen.

Es folgt auf Rang 2 der einstmals ruhmreiche KSV Hessen aus Kassel, der es sogar fertig brachte in drei aufeinander folgenden Jahren (1983 – 85) zu scheitern. Platz drei teilt sich ein Quartett (womit sich automatisch ergibt, dass der gar grausame Rang vier in dieser Tabelle hier unbesetzt bleiben muss): Der Sportclub zu Freiburg verpasste 05/06 und 06/07 den Aufstieg denkbar knapp. In den Jahren 81/82 und 04/05 waren die Münchner Löwen vom TSV 1860 Leidensgenossen im Fleische. Auch die kiezigen Kultkicker vom FC St. Pauli waren anno 93/94 und 97/98 eben mittendrin, aber nicht dabei. Gleiches gilt für den SV Waldhof Mannheim, der 1992/93 und 2000/01 nur ein Beinahe-Bundesligist wurde.

Die weiteren 13 Unglücksraben seit 1981/82 in aufsteigender Reihenfolge: Arminia Bielefeld, SV Darmstadt, Wattenscheid 09, Fortuna Köln (werden übrigens in dieser Spielzeit von der Alemannia aus Aachen von Platz 1 der Ewigen Zweitliga-Tabelle verdrängt werden), Kickers Stuttgart, FC Homburg ’08, VfL Wolfsburg, SpVgg Unterhaching, Hannover 96, 1.FC Nürnberg, Energie Cottbus  und die vorhin schon erwähnte Aachener Alemannia.

Wie sie sehen, nix mit Fürth. Den Franken,auf Rang sechs der Ewigen gelistet,  gebührt allerdings eine ganz andere Ehre. Sie sind von den aktuellen Zweitligisten der „beste aller Zeiten“. Ja, richtig gelesen. In 21 Jahren Zugehörigkeit zum Bundesliga-Unterbau, also die Zeiten von der TSV Vestenbergsreuth mitgerechnet, gelang dem dreifachen Deutschen Meister nie der Sprung in die „Bel Etage“ des deutschen Fußballs. Kölns unglückliche Fortunen, die Tivoli-Kicker aus Aachen, die 96, die Kickers aus Stuttgart und natürlich die Breisgau-Brasilianer aus Freiburg – sie alle durften mal mehr, mal weniger bei den Großen mitspielen. Fusions-Fürth nicht. Sie sind halt nur der ewige Zweitligist. Aber dafür der wahre Meister der 2.Liga.

 

Die Telekom, dein Freund und Helfer

Unsere Telekom. Vollkommen zu unrecht gescholten. Die sind echt plietsch. Aber so was von. Kaum bestellt, schon waren die Geräte für mein neues Multimediales Fernsehstudio samt Liga Total und allem Pipapo da. Und das sogar vorzeitig und nicht erst an einem exakt dafür zuvor gemeinsam bestimmten Termin.Klasse, nicht?

Was haben die dafür nicht Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt. Dass ich aber, unerhört, urlaubenderweis am Anlieferungstag mit Abwesenheit glänzte (weshalb ich ja auf das exakte und mir auch brieflich bestätigte Lieferdatum bestanden hatte), da können die doch nun wirklich nichts dafür. Da bemühen die sich wirklich und ich mach’ das alles kaputt. Ich hätte ja die Pakete auch postalisch in Empfang nehmen können statt mich genußsüchtig in der Sonne zu aalen.

Service wird bei den Herren und Damen des magentafarbenen T eben groß geschrieben. 24 Stunden vor dem Tag X, dem großen Anschlusstag, wurde ich freundlich-fürsorglich am Telefon daran erinnert, dass ich mich entsprechend bereithalten solle. Damit ich nicht etwa der Versuchung erliegen könnte, irgendwo meine Kohle mit Kaffee trinken oder dergleichen nutzlosem Zeug zu verplämpern, wählte man eine Geldbeutel schonende, ganz knapp überschaubare Zeitspanne von nur fünf Stunden, in der ich mich bitte bereit halten sollte.

Nun gut. Ich wusste also Bescheid. Und wartete, wartete, wartete. Vorsätzlich und mutwillig! (Daas musste an dieser Stelle mal gesagt werden.) Später sollte ich dann erfahren, warum ich vergebens wartete. Denn dass ich, ausbeuterisch wie ich nun einmal veranlagt bin, dem armen Arbeitnehmer zugemutet hatte, Doppelbuchungen abarbeiten, pfui über mich. Sagte ich Doppelbuchungen, die der arme Mann im Schweiße seines Angesichts versuchte auf die Reihe zu kriegen? Total überligt, äh überbucht war er. Doppelt und dreifach. Und dass nur, weil ich kapitalistisch-hedonistisch veranlagtes Ausbeuterschwein darauf bestanden hatte, noch vor dem Bundesligastart das neue Entertain-Paket mit der Liga total installiert zu bekommen. Als ob es auf die paar Spiele mehr oder weniger ankäme. Läuft doch eh das ganze Jahr über Fußball, Fußball, Fußball.

Das ich all die fünf Stunden vergeblich gewartet habe, muss ich mir nun aber auch selber zuschreiben. Schließlich haben sich seit den Zeiten eines Graham Bell die Möglichkeiten der Kommunikation verändert. Da hätte ich ja meinerseits kurz mal anrufen können, um mich nach dem Verbleib der gestressten Seele zu erkundigen. Könnte ihm ja was passiert sein. Ein Unfall, oder so. Was mache ich aber? Bösartig veranlagt, wie ich nun mal bin, lasse ich all die schöne Zeit nutzlos verstreichen, nur um dann eine Viertelstunde später in perfider Absicht den guten Mann bei seinem Brötchengeber brutal ob seines gar zu verständlichen verständlichen Fehlens anzuschwärzen. Fies, nicht wahr?

Und anstatt darüber begeistert zu sein, dass das automatische Worterkennungs-System mein Anliegen schon beim ersten verbal übermittelten Versuch erkennt und mich richtig verbindet, sich im folgenden dann gleich drei Mitarbeiter (in Zahlen: 3) rührend um mich kümmern, zwischendurch mich mit munteren Melodeien zu zerstreuen suchen, rege ich mich über die 25-minütige Dauer des Telefonates auf. Dabei haben die mir sogar freiwillig einen neuen Anschlusstermin eingeräumt. Blutdruck schonend! Quasi schon im ersten Satz der dritten Mitarbeiterin meines Vertrauens. Ohne weiteres Nachfragen. Gleich von der ersten Sekunde an. Und sogar echt zeitnah, so nächsten Dienstag. Besorgt um meine Gesundheit, nicht dass ich vor Langweile sterbe würde, verkürzten sie sogar das Zeitfenster auf nur 4 Stunden.

Dankbar dafür, dass dank der Telekom meine grauen Zellen nicht ganz verkümmern, sondern durch die lange Aufmerksamkeitsspanne, die mir so großzügig zuteil wurde, richtig zum Arbeiten angeregt wurden (Überlegen Sie doch mal, wann haben sie schon in der heutigen so hektischen Zeit wirklich die Muße ihre Kundenummer, die Auftragsnummer und weil eben noch etwas Zeit war das Geburtsdatum ihrer Großeltern und die Nummer des Personlausweise in nur 25 Minuten auswendig zu lernen? Eben? Eben!), zeigte ich mich auch nicht wirklich. In all meiner Unverfrorenheit, wagte ich auch noch auf mir entstanden Kosten und Mühen hinzuweisen und erbat unverschämterweis’ eine Reduzierung meiner Rechnung, da ich ja die gebuchten Leistungen in dem nächsten Abrechnungsintervall nicht voll umfänglich erhalten würde.

Zum Glück geriet ich bei der zuvorkommenden T-Dame an die Richtige. Natürlich wies sie mich in gebührendem Respekt umgehend daraufhin, dass sie dafür nun leider so gar gar nicht zuständig sei, sondern ich doch bitte schön, meine renitente Ader erst nach Erhalt der nächsten Monats-Rechnung (Alles zu seiner Zeit!) schriftlich zum Ausdruck bringen möge.

Eigentlich würde ich das auch gerne noch machen. Aber irgendwie habe ich jetzt doch ein schlechtes Gewissen bekommen. Da würde ich dann ja noch einem verdienten Mitarbeiter der Telekom seine gar wertvolle Zeit stehlen. Was könnten die ohne meine ständigen Belästigungen nicht alles schaffen? Hatte ich die eh nicht schon genug von der Arbeit abgehalten …?

Abhaken. Einfach abhaken

Fans sind auch nicht anders gepolt als Trainer und Spieler. Die sprechen ja gerne davon, also nach herben Pleiten und großen Schlappen, dass man das Ding ganz schnell abhaken solle. Und nach vorne schau’n müsse. Nächste Woche (so denn keine englische ansteht ), das werde dann ganz bestimmt ein ganz anderes Spiel. Aber hallo!

So musste man sich dann nicht groß wundern, dass am Sonntag eine illustre Runde eiserner Anhänger sich schwitzenderweis nach einem 0:5 im DFB-Pokal gegen Bremen zwecks eiligster Schöntrinkung in der Margarete F einfand, um eben diesem beigewohnten Trauerspiel eine Abkühlung gerstenkaltschaliger Art folgen zu lassen. Merke übrigens: Das ist der Vorteil des Fandaseins! Denn die Herren Berufssportler müssen zwecks Ausübung ihrer Tätigkeit und zur vollen Erhaltung ihrer Arbeitskraft auf derartige Gelage verzichten, die einen am Ende des Abends das grausame Geschehen vielleicht ein klein wenig besser erdulden lassen.

Und natürlich wendet man sich dann, nach ausgiebiger Analyse der Fehler („Wie konnte der bloß so aufstellen. So konnte das ja nüscht werden“ „Das war doch Feigheit vor dem Feind“) sowie ebenso zahlreichen wie kostenlosen Verbesserungsvorschlägen („Der muss den xyz bringen. Und nen zweiten Stürmer“), die jedes Trainerherz aufjauchzen lassen müssten ob all der aufrichtigen Anteilnahme, auf einmal unversehens und wie fremdbestimmt den kommenden Ereignissen zu. Bremen? Abhaken! Aber, hallo! Denn Oberhausen, das wird ein ganz anderes Spiel.

Was allein schon durch die musikalischen Begleitumstände klar sein dürfte. MAZ ab:

Grau werter Freund, ist alle Theorie

Manche Blogs sind wie ein Grundnahrungsmittel. Mit denen verhält es sich so, wie mit dem Sekt und dem Mineralwasser. Letzteres prickelt zwar auch, löscht aber mehr Grundbedürfnisse denn das es aufreizend ist. Manchmal gibt es bei Grundnahrungsmitteln aber auch echte PerlenDelikatessen. Beispielsweise beim Graubrot, andere ortens auch als Mischbrot bekannt. Und eine der Peren draus, stelle icg hier jetzt vor. Genug des grausamen Vorgeplänkels. Frei nach Madame @rudelbildung: Man muss ja nicht immer alles selber machen, folgt nun eine bildschöne Assoziationskette in grau

Die ideale Bundesliga?

„Tradition spielt eine Riesenrolle in der Welt des Fußballfans. Das Projekt Hoffenheim ist legitim – aber die vielen Verteidiger des Clubs, die so tun, als ginge es im Profifußball einzig und allein um die Spielweise einer Mannschaft auf dem Rasen verkennen einen wesentlichen Anteil dessen, was Fußball auf der ganzen Welt so populär macht.“

Stammt aus „Die ideale Bundesliga“. Getitelt so auf den Internetseiten von Sportal. Nachzulesen in toto hier. Nett und amüsant geschrieben. Und in manchen Punkten überraschend.

Natürlich lassen die wütenden Kommentare gar nicht erst lang auf sich warten. Lustige Rechtschreibfehler und große Minderwertigkeitskomplexe werden darin gratis frei Haus geliefert. Und so ganz nebenbei scheint kaum einer zu bemerken,dass für Sportal die Budesliga verkleinert werden müsste, um ideal zu sein. Die schreiben nämlich nur von 16 Erstligisten!! So lässt sich natürlich auch gut provozieren 😉

Zero Toleranz

An anderer Stelle habe ich mich heute schon darüber ausgelassen, was mich ärgert. Auch beim Fußball und meinem geliebten 1. FC Union gibt es immer wieder Sachen die mich ärgern. Da faselt spricht man immer wieder so gerne von Gastfreundschaft, hofft auf tollen, laut- und zahlstarken Besuch in unserem Wohnzimmer, preisen das „Balllhaus des Ostens“, auch wenn es derzeit nur die schönste Baustelle der Welt ist, immer und immer wieder. Und wenn sich dann mal jemand in unsere Foren verirrt, schlägt ihm da im Großen und Ganzen starke Ablehnung entgegen. Ob man denn kein eigenes Forum oder gar zu große Langeweile habe, ist da noch die geringste Geringschätzung. Womit jetzt nicht die Trolle dieser www-Welt gemeint sind, denen man gemeinhin kein Futter geben sollte. Immer wieder klingt dann – mal abgesehen von ein paar klugen Köpfen – eine ablehnende Haltung durch. Eine „Alles außer Union ist Scheiße“-Einstellung. Zero tolleranz also!

Man muss nicht andere Vereine wertfinden und schönschätzen. Aber bitte schön, nicht immer gleich alles Artfremde raus komplimentieren.

Noch ärgerlicher finde ich aber dieses ewige Rumsticken. Dieses permanente Aufkleben von Union-Zeichen an allen passenden wie unpassenden Orten. Beispielsweise hier:

Muss das wirklich in der S-Bahn passieren? Oder bei Straßenschildern? Auf Ampeln?

(Liste ließe sich spielend fortsetzen)

Wir sollten doch alle auch Botschafter unseres Vereins sein! Es gibt nun aber so viele Menschen, die mit solchen Botschaften so gar nichts anfangen können. Eher so im Gegentum.

Ein Verhalten fantechnischerseits, dass meine Wenigkeit irgendwie an das Reviermarkierungsverhalten junger Hunde oder erst kürzlich geschlechtsreif gewordener Primaten erinnert . Wuff, wuff, wuff. Meiner ist größer als deiner

What a mess

Ich habe einem Freund in England. Hm, stelle bei genauerer Betrachtung gerade fest, dass ich soeben gegen die gute journalistische Grundregel des ersten Satzes verstoße, wonach man mit einem Erdbeben anfangen und sich dann langsam steigern soll. Doch lassen wir das. Kehren wir einfach zu meinem Freund zurück. Der, obwohl Deutscher, seit Jahren auf die Insel ausgewandert ist und sich dort englischer gibt als der freilaufende gemeine Eingeborene.

Dieser Freund war, besser gesagt ist, so eine Art akademische Genie. Zwischenprüfung nach zwei Semestern, nach drei ging es rüber nach London. Masters-Degree, PhD. Alles easy pickings für ihn. Und jetzt arbeitet er seit Jahr und Tag für „History of Parliament“. Er war das, was man so auf gut deutsch als „brainy“ zu bezeichnen pflegte. Muss ich noch erwähnen, dass damit ein gutes Stück Arroganz gepaart war? Ein Herabblicken auf die, die geistig deutlich minderbemittelt waren? Aus irgendeinem für mich nicht erklärbaren Grund hatte er mich und meine akademische Mittelmäßigkeit aber voll ins Herz geschlossen. Diese Schranke, die er gerne anderen gegenüber nutze, stand nie zwischen uns.

Gut, er hat mich mehrfach aufgefordert, ich solle doch meine Staatsexamensarbeit über Shakespeares „Henry V“ drüben bei ihm auf der Insel in eine Doktorarbeit ausbauen. Noch häufiger aber empfahl er mir, ich soll mir doch einfach in Fleet Street einen Job suchen.

Wäre natürlich reizvoll gewesen. Aber das kann ich nicht. Ich bin der englischen Sprache halbwegs mächtig. Ich bin sogar dazu in der Lage gewisse Wortspiele auf Anhieb zu verstehen. Beispielsweise das legendäre „Don’t mention the score“, dass ich glaube „News of the World“ oder die „Daily Mail“ auf ihrem Frontcover führten, als Becks & Co Rudi Völlers als Nationalelf getarnte Freizeitballspieltruppe mit 5:1 vorführte und damit Rache für das „last goal in Wembley“ nahmen.

Ich habe auch über das „ManU of War“ geschmunzelt (von dem ich leider nicht mehr weiß in welcher Gazette es stand), als Manchester United in der Champions League 2007 die Roma mit 7:1 auseinander nahm. Aber ich wäre nie im Leben selber drauf gekommen, aus „Man of War“, also Kriegs- bzw. Linienschiff, oben Erwähntes zu fabrizieren. Dafür ist mir die englische Zunge mit all ihren Puns und Proverbs dann doch nicht vertraut genug. Und die Yellow Press da drüben auf ihrem Eiland ist zwar oft sehr martialisch, aber eben auch sehr wortwitzig. Damit hätte ich mich nie messen können als eventuell Zugereister (Anmerkung: Wer immer ein Bild von den erwähnten Titelblättern hat, möge es mir bitte zu kommen lassen. Ich habe es trotz intensiver Suche leider nicht gefunden).

Also musste ich meinem Freund immer und immer wieder ausreden, mich gen London holen zu wollen. Es gab da einfach kein Betätigungsfeld für mich. Und um dort ein, zwei Monate als „Praktikant“ zu hospitieren, dazu gebricht es mir an Zeit, Geld und überhaupt.

Letzten Mittwoch war es dann aber so weit. Da hatte ich beim Betrachten des Champions-League-Finales zwischen Manchester United und dem FC Barcelona mal eine Eingebung. Nach dem 2:0 der Katalanen hätte ich folgende Headline getitelt:

WHAT A MESS(i)!

Nur eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Sorry my good old friend, ich muss wohl doch hier drüben bleiben.

So musst das Emden

Ui, ui, Steffi, bist du dir da sicher, was du da machst? Ich meine, wir Unionfans haben doch einen Ruf zu verteidigen. Da kann man den Herren Ordnungshütern doch nicht. So etwas wirft ja das ganze schöne, beidseitig festgezurrte Weltbild durcheinander. Womöglich singt ihr demnächst auch noch. „Alle Stullen sind meine“ oder so. Oder gar „Grün, grün, grün, sind alle meine Kleider.“ Ach ne, das geht ja nicht, wir sind ja rot-weiß. Tschuldigung. Kleines Missgeschick. Kann ja mal vorkommen.

Schade eigentlich, dass ich nicht dabei bin. Wäre sicherlich ne lustige Tour geworden. Der Kneiper meines Vertrauens am Steuer, die ganze Baggage dabei. Aber der Ligaendspurt ruft, und mit ihm mich der Ruf des Vaterlandes, äh der der Redaktion. Da ist heute Werde bei Wolfsburg, Holland in Not, und wir voll in Action bei neun Bundesligaspielen, die zeitgleich abgefrühstückt werden müssen.