Wird es Kroos-artig?

Kneipe, Tresen. Fußballdiskussion. Von Hansa, über Toni Kroos bis hin zur Nationalelf. Und mitten drin die Behauptung, nur mit einem Jungbrunnen, also mit den Herren Özil, Marin, Müller und Kroos im Mittelfeld, das könne Jogi „Get the Cup“ Löw nicht schaffen in Afrika. Das sei doch ein viel zu großes Risiko. Stimmt wohl.

Und doch. Je länger ich darüber nachdenke, je länger ich an die formschwachen Poldi, Klose und Gomes denke … Die treffen doch alle derzeit vom Strand aus das Meer nicht.

Warum also eigentlich nicht?

Ein Y hat seinen Wert

Meine Herren der Schöpfung, machen wir uns nichts mehr vor. Es ist an der Zeit, es auch einmal auszusprechen. Obwohl wir (und da wird wohl keiner ernsthaft widersprechen wollen, der auch nur ein klein bisschen Verstand sein Eigen nennt) die göttlichsten Wesen unter der Sonne sind, kommen wir nicht ohnehin uns doch etwas – wenn auch höchst widerwillig – eingestehen zu müssen. Es bedarf einfach einer weiblicher Note in unsere näheren Umgebung. Ja, wenn man nun einmal dabei ist, diese grausame Wahrheit aussprechen, Note allein langt nicht. Dem könnte ja mit gelegentlichen Besuchen abgeholfen werden. Wir brauchen mehr. Das hat nicht mal was damit zu tun, dass wir Männer oft Sklaven unserer Genetik sind, dass uns uralte Instinkte dazu zwingen, höchst widerwillig dem Freizeitsport der Kopulation zu frönen, sondern, man muss es auch aussprechen können, wir Männer brauchen die holde Weiblichkeit auch als Gesprächspartner. Und sei es nur, dass sie nüchtern anmerkt, dass die Zimmerdecke mal wieder gestrichen werden könnte. Kurz: Sie vervollständigt uns einfach. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Nachdem ich nach langer, reiflicher Überlegung unter Aufstellung von Pro- und Contra-Listen, unter Zuhilfenahme des Webs, von Büchern und einschlägigen Fernsehsendungen („Sportschau“, „ran“ etc)  zu dieser Feststellung gekommen bin (und sie hiermit meiner Mit-Männer-Welt nicht länger vorenthalten möchte), handelte ich auch umgehend. Ich möchte Ihnen hiermit meine neue Mitbewohnerin vorstellen: Sie heißt Coryna. Und stammt aus dem Hause derer zu Carpus. Pflegeleicht soll sie auch noch sein, wurde mir zu meiner nicht enden wollenden Freude gleich bei unserer ersten Begegnung mitgeteilt. Auch, oder gerade, wenn man nicht so häufig zu Hause sei. Was will Mann mehr!!

Und wenn sich jetzt einer hier über die Schreibweise mokiert. Coryna mit Y sei so ein bisschen komisch, dem möchte ich entgegenhalten, dass ich mir selten ein X für ein U vormachen lasse. Und es manchmal ganz entscheidende Unterschiede sind, ob man ein x-beliebiges i vor sich hat oder ein schönes Y sein Eigen nennt. Ich mag ja das Y. Aus Gründen. Und bin dabei in bester Gesellschaft, schließlich hat ja auch schon der Herr Reinhard Lakomy den Wert dieses Letters ausgiebig besungen. (Falls Väter unter meinen Lesern anwesend sind, besonders welche mit reiner Westsozialisation, nehme ich mir als „Wanderer zwischen den Welten“ die Freiheit raus, ein Prädikat:  „Absolut  empfehlenswert“ auszusprechen. Bei kleineren Kindern fängt man am besten mit dem Traumzauberbaum an).

Doch halt, wo war ich? Ach, ja bei der lieben Coryna.Ich merke schon, Sie sind des langen Vorspiels überdrüssig und brennen nun drauf, das holde Wesen kennen zu lernen. Nun gut, ich will Sie Ihnen nun auch nicht länger vorenthalten. Blättern sie einfach um.

Meine Coryna. Mit vollständigem Namen Corynocarpus. Ein Karakabaum. Und ich hoffe, dass wir besser miteinander auskommen werden, als ich und die Yucca-Palme die mir einst geschenkt ward, die sich dann aber Blatt für Blatt von mir verabschiedete, und nur ein klagend Stumpf zurück blieb.

Nicht schon wieder

Meine Mütze! Verdammt! Wo ist meine Mütze? Für Sekunden ging es mir wie dem berühmten fallenden Wal. Und ich meine hier weder Fail Whale noch Dicks Moby. Sondern einfach und allein den bei der Explosion der „Heart of Gold“ frei auf die Erde zusteuernden Meeressäuger kurz vor dem Aufprall: „Oh no, not again.“ Nicht schon wieder!

Ja, nicht schon wieder. War aber so. Leider. Für diejenigen unter meinen geschätzten Leser, die es noch nicht wissen sollten:  Ich bin ein Ausnahmekönner. Ein hochgradiger Spezialist  in punkto Schalverbummlung, Handschuhe-verliererei, Mützen-Verfernung. Alles was da so kreucht und fleucht. Futsch. Jeden Winter das gleiche verdammte Spiel. Falls in dieser Diszplin jemals eine Weltmeisterschaft ausgefochten werden sollte, Sie brauchen nicht auf mich zu setzen. Zumindest dann nicht, wenn sie Kohle scheffeln möchten. Die Quoten sind so niedrig, weil ich das Halbfinale immer erreiche. Mindestens!

Die Bunkine setzt schon immer ein keckes Grinsen auf, wenn ich mal mit einer neuen Kopfbedeckung oder einem andersfarbigen Halstuch bei ihr erscheine. „Na, mal wieder den Schal verbummelt“, flötet sie dann triumphierend. Und lässt sich partout nicht von ihrer Meinung abringen. Dass das manchmal es auch modische Gründe haben könnte, dass man sich in der Halsgegend anders umgürtet oder sein Haupte schmückt, lässt sie nicht gelten. Alles Ausreden, meint sie. Und im Grunde hat sie ja Recht.

Doch der kluge Mann baut vor. Wohl dem der das ein oder andere Reservemützchen sein Eigen nennt. Flugs gegriffen und gerüstet ob der klirrenden Kälte. Was mir zwar manche spöttischen BSR-Vergleich meiner geschätzten Kollegen einbrachte – warum auch immer – aber ich ward trocken hinter den Ohren und musste nicht frieren.

Was an dem morgen noch nicht ahnte, als ich mich auf den Weg machte, dem 1. FC Wundervoll bei seinen klassischen Untergängen in Westfalen beizuwohnen (vielleicht kann irgendjemand den Eisernen eines fernen Tages mal beibringen, dass es Aufbauhilfe Ost und nicht Aufbauhilfe Ostwestfalen heißt), war, dass der Tag ein noch verlustreicher werden sollte. Im Setzbaukasten zu Paderborn, der entfernt so etwas wie einem Fußballstadion ähnelt, legte ich wie immer mein Diktafon vorne am Podium für die Pressekonferenz ab, auf dass mir der honigsüßen Weißheit, träufelnd von des Übungsleiters Mund, nicht entgehe,  und zog mich – die Zeit drängte, der Andruck nahte – schreibenderweis in die Tiefen des gut gefüllten Raumes zurück. Da der Coach des 1. FC Wundervoll neuerdings höchst eigenmächtig seinen Berliner Journalisten den obligatorischen „Small talk“ nach der PK verweigert, hatte das zur Folge, dass ich am Ende der Gsprächsrunde diesmal nicht nach vorne eilte und dabei wie gewohnt das digitale Aufnahmegerät wieder einsammelte. Ganz im Gegentum drängte ich, erfolgreicher Textabsonderung und Verschickung, die mit reisenden Kollegen eilends zum Aufbruch. Die Niederlage tat ihr übriges. Nur weg! Weg, weg, weg. Und weg war das gute Stück dann auch, als ich nur dreieinhalb Stunden später und rund 80 Schnee- und Eisregen-km weiter wieder seiner gedachte.

Kleine Fortschritte – auch ohne Besuch einer Selbsthilfegruppe – sind allerdings schon bei mir zu beobachten. Immerhin weiß ich in letzter Zeit ziemlich genau, wo ich und wann ich der Sachen verlustig ging. Was beim Diktaphon ja nicht weiter schwer war, bei meinem beliebten Zwergenmützchen schon etwas anders aussah. Aber auch da eilte ich – nur sechs Stunden nach dem Schlusspfiff rückkehrend aus dem Ostwestfälischen – flinken Fußes und frohen Mutes der Margarete F. entgegen. Wissend: Dort hatte ich des Mittwochs Mittwoch die Wollene abgelegt auf dem Hocker neben mir, ehe Kollege K. sie zu später Stunde beiseite räumte und ich wenig später ihrer vergaß. Und siehe da. Sie ward gefunden. Ende gut, alles gut!

Ende gut? Nicht ganz. Denn die Mütze ward mir wieder gegeben, doch ehe noch des Morgens Zeit, das ganze ich wieder gereut. Denn der tücherne Mantel, den morgens ich dann im meinen Haushalt fand, war mir ein Buch mit sieben Siegeln. Kleiner! Dunkler! Löchriger! Zumindest im Futter. Unbehandschuht hinzu. Und für einen Moment durchzuckte es meine grauen Zellen, dass ich mich schon bei meinem Abgang kurz gewundert hatte, wo denn der in den Ärmel gestopfte Schal abgeblieben war. Was mich justamente nicht weiter gestört hatte. Erstens war ich des süßen Rebensaftes voll. Und zweitens, wann hatte ich denn nicht Schals munter verbummelt? Eben.

Wie es weiter ging? Gar nicht! Das war’s schon. Ein kurzes Nachdenken im morgendlichen Grauen des Aufstehens, und vier bis fünf Tweets weiter hatte ich mich erstens ob meines Missgeschicks im Twitterlande geoutet und dann auch den Hinweis auf den Verbleib meines schweren, grauen Tuchmantels bekommen. Der Rest war sozusagen dank Web2.0 ein reiner Gefangenenaustausch. Und nun sage einer noch, Twitter sei nicht nützlich!

Reizender Empfang

„Sieh zu, dass du Land gewinnst.“ Hach, was war die dick eingemummte Gestalt an der Heckklappe des Lieferwagens eine Ausgeburt an Freundlichkeit. Muss noch erwähnt werden, dass er sich bei seinen Worten mächtig in die Brust warf? Meine sanfte Erwiederung, dass ich zu Schuppe wolle, um diesem „Guten Tag“ zu sagen, wurde mit einem scharfen „Besser ist das“ quittiert, ehe er mir den Rücken zuwandte. Meine dezente Nachfrage, warum er denn so agressiv sei, konnterte er mit einem „Du solltest mich mal agressiv sehen“. Wirklich, ein reizender Knabe. Und so gut erzogen.

Zumindest Schuppe, zu Berliner Zeiten in der Torstraße einst ein Kneiper meines Vertrauens, freute sich, mich zu sehen. Viel Zeit hatten wir ja nicht, rund um das Spiel des 1. FC Wundervoll an der Ostsee. Jeder hatte halt zu tun. Und meine mehr rhetorisch gemeinte Nachfrage, ob man hinterher sich noch kurz treffen wolle, wurde von einem weiteren netten Kurzhaarschnitt bevorzugendem Kerlchen mit der Feststellung, „Da habt ihr eh 1:0 verloren und du keine Lust mehr“ brüsk abgeschmettert.

Reizende Leute da im Umfeld des FC Hansa. Kein Wunder, dass sie immer wieder gern gesehene Gäste in den Stadien dieser unseren Fußballrepublik sind.

Das Geschäft meines Lebens

Den Kreditinstituten sei Dank habe ich das Geschäft meines Lebens gemacht. Glaubt ihr nicht? War aber so. Die haben doch, um mal wieder ihre Kunden zum persönlichen Vorsprechen zu nötigen, lustig Millionen von Scheckkarten kaputt gemacht, oder so. Na ja, jedenfalls bekamen jede Menge Leute einfach kein Geld obwohl ihre Konten Deckung und/oder Deckungs ähnliches Verhalten aufwiesen. Logischerweise musste es bei einer solchen Stückzahl auch Freunde von mir treffen.

Und dann kam ich!! Da hilft kein Betteln und  kein Beten, nur Bunki rettet den Planeten. Blitzartig trat die „Bank of Bunkus“ in Aktion und kreditierte einem an Liquidität mangelnden Kumpel 50 Euronen als Cash-Soforthilfe. Großzügig wie meine Freunde nun mal veranlagt sind, wusste er sich für diese selbstverständliche Gefälligkeit auch gleich zu revanchieren. Prompt übernahm er unaufgefordert (!) die Rechnung meiner Cola, die wir, um das Frieren und das Warten auf die Veranstaltung in der Yuma Bar zu verkürzen, in einer italiener-ähnlichen Neuköllner Eckkneipe zu uns nahmen.

Das waren immerhin stolze 2,20 Euro, die er da für mich hinlegte unaufgefordert. Und diejenigen unter meinen Lesern, die die alte Zinsrechnerformel Z=(k*p*t)/100 im Kopf haben, also quasi alle, denn wir sind ja aus den Zeiten vor Pisa allumfassend gebildet, haben auch sofort angesichts der stolzen 4,4% anerkennend mit dem Kopf genickt.

Mehr als der Spareckzins also. Was mein Gegenüber nach kurzer Überlegungsphase dann auch anerkannte. Und wenn man es genau nimmt, ist das noch weit mehr. Denn natürlich wurde die zu DM-Zeiten als „Lübecker“ bezeichnete Zahl ja prompt zurücküberwiesen. Ergo ergänzen wir die oben genannten Formel um fünf Werkstage und kommen auf eine sagenhaft anmutende Verzinsung von 316,8%. Ein Faktor, bei dem selbst die Herren Fugger vor Neid erblasst wären. Hey, das soll mir mal einer nachmachen.

Solchermaßen nachdenklich gestimmt, reagierte besagter Freund höchst erfreut, als ich in der Yuma Bar dem Veranstalter für einen Wegedienst eine von jenen neumodischen Biobrausegetränken spendieren wollte, bei denen man als Normaltrinkender eigentlich nur „de nada“  sagen kann. „Hey, jetzt ist dein Gewinn wieder weg“, entfuhr es ihm hocherfreut.

Was mich kurz in ein Nachdenken und dann etwas länger in eine Kilometergeldberechnung stürzte. Der Weg von der Bühne zum Tresen betrug – dem Wunsche nach Einfachheit geschuldet – jetzt mal exakt 10 m. Für gewöhnlich erstattet einem der Herr Brötchengeber finanzamtkompatible 0,30 Euronen pro Kilometer. Hm, so ne Nadebio kostet auch bestimmt auch wieder zwei Teuros. Also zwei auf 10 m, 20 auf 100, und 200 € auf den Kilometer. Holy shit! So viel habe ich umgerechnet noch nie jemandem spendiert, wenn man von der Bunkine absieht. Doch der steht das als nahe Verwandte ja irgendwie auch zu.

Das breite Grinsen auf den Gesicht meines Freundes, der mich bei meiner Überschlagsrechnung observierte, blieb nicht von langer Dauer. Denn . Jottseisjetrommeltundjepfiffen, der Herr Gastgeber verzichtete großzügig auf die Einladung mit der lapidaren Bemerkung, er trinke eh auf Kosten des Hauses bei diesen Veranstaltungen. Puh, noch mal Glück gehabt!

Mir/Es graut der Morgen

Tomorrows To-Do-List:

1) Ausschlafen (wird von mir mit einer nahezu weltmeisterlich anmutenden Perfektion erledigt werden)

2) Wagen von Schnee und Eis befreien (wird ohne des durch des Frühlings holden belebenden Blick schon schwieriger, muss aber als machbar eingeschätz werden)

3) Wagen starten (und da fängt das Grauen an. Ganz bestimmt)

Denn mein treuer Weggefährte .. Sagte ich übrigens schon, dass ich ihn Henry getauft habe? Mit dem Kleiner Zusatz, der Vierte. Also müsste ich hier um präzise zu sein von Henry IV sprechen. Der Einfachheit halber bleibe ich aber bei Henry, wenn es Ihnen nichts ausmacht. Ich meine, erstens kennen Henry und ich uns nunmehr zweieinhalb Jahre. Also kann man von einer gewissen Vertrautheit sprechen. Und zweitens ist es einfacher so. Wirkt nicht so hölzern und gestelzt.

Doch zurück zu Henry. Die Sache ist nämlich die. Er ist ein Franzose. Und der vierte seiner Art in meinem Hause. Daher auch die Vier. Mist, ich schweife schon wieder ab. Was ich sagen wollte ist dies, hm, wie nenn ich das Kind nur beim Namen? Henry ist ja so sensibel. Wenn er das hier mitkriegt … Also kurz gesagt, manchmal ist er etwas schwach auf der Brust. Was ich ja hier schon mal zart andeutete.Kurz, das lbeste Fahrzeug aller Fahrzeuge französischen Fabrikates hat sich noch nie an der Leistungs- und Ausdauerfähigkeit des berühmten Duracell-Häschens orientiert, sondern ging da seiner Landsmannschaft entsprechend stets seine eigenen Wege. Und dies wie gesagt auch schon mal im Sommer, wenn ich ihn gar zu lang ignorierte und im wilden Friedrichshain darbend und nach Bewegung gierend schnöde am Wegesrande einen guten Mann sein ließ. Friedrichshain, hauchen Sie entsetzt? Etwa …? Ja,  eben jenes wilde, unbotmäßige, sich mit letzter Kraft dem sterbenden parasitären Kapitalismus widersetzende Friedrichshain, in dem Sommers wie Winters als Zeichen des Protestes lustige Feuerchen mit den bunten Wägelchen veranstaltet werden.

Wer würde da nicht Angst kriegen so er denn aus Metal gebaut und vier Räder sein eigen nennt. Zumal wochenlang und mutterseelenallein. Autos sind ja auch nur Menschen und wollen nicht sträflich vernachlässigt werden. Wenn man das macht, geschieht es einem ganz recht, das man ihrerseits brutal mit Liebesentzug gestraft wird. Was nie einfacher umgesetzt ward, als durch einfache Funktionsverweigerung schon beim Anlassen. Und das auch schon mal im Sommer …

Dem geneigten Leser wird es beim Blick aus dem Fenster auch nicht entgangen sein, dass wir gerade was haben? Richtig! Winter. Die Zeit, in der neben den Jahresendzeitflügelfiguren allerlei Engel in gelb  Hochkonjunktur haben. All die Pferdestärkchen unter den blechernen Hauben frieren herzergreifend. Dem Henry seine nun auch schon weit über 10 Tage. Ob er mir das wieder mal übel nimmt?

Oh Henry, mir graut vor dem Morgen, dass ich wieder auf Altmeister Goethes Spuren wandeln muss. Gilt wirklich nomen est omen? Heinrich! Schaun mer mal …

Alles langweilig, oder was?

Trainingsauftakt beim 1.FC Wundervoll. Für gemeinhin eine Angelegenheit von allgemeinem Interesse. An guten Tagen  kommen da auch mal vierstellige Truppenteile zusammen. Beispielsweise beim Debüt von Uwe Neuhaus.


Foto: Koch

Mag es auch unfair sein Sommers mit Winters zu vergleichen, gestern wähnte sich die illustre Boulevardjournalisten-Runde (inklusive meiner Wenigkeit)  im falschen Film. Dass die Mannschaft gestern mit Tross, Proband & Co. die Zahl der Kibitze überstieg, kann ja schon mal vorkommen. In der Regionalliga-Saison 07/08 wollten sich immerhin rund 40 Eiserne das Spektakel ihrer Lieblinge nicht entgehen lassen.

Doch das der Journlistenschar die Köpfe der Anhängerschaft zahlenmäßig auch hinter sich lässt, verwundert dann schon. Ganze 1,5 Fans (ein Großer und sein Kleiner) waren gestern an der nasskalten Alten Försterei dabei. Und auch da ist das reine Fandasein nicht richtig gezählt, war doch einer der beiden ein munterer Mitbetreiber eines sehr ehrenwerten Unionfan-Blogs. Mit anderen Worten, publizistisches Interesse in moderner Form war vorhanden!

Warum diese Minuskulisse? Die Ruhe vor dem Sturm? Alles nur der Festtagszeit und dem kuriosen Termin zwischen den Feiertagen geschuldet? Also den Tagen, in denen ohnehin alles den Göttern der Völlerei untergeordnet wird? Und sei es aus biologischen Gründen.

Kann eigentlich nicht so sein. Union steht ja für einen Auffsteiger blendend da. Das muss doch locken. Sollte etwa? Wird der 1.FC Wundervoll gar, man traut es sich kaum auszusprechen, … ein kleines bisschen langweilig? Mittelfeld gleich graue Maus? Ist man in Köpenick nur noch das Spektakel gewöhnt? Wie das Weihnachtssingen etwa, was ja auch bei kaum weniger günstigen Temperaturen 8000 Sangesbrüder und -schwestern an die Alte Försterei lockte.

Ist Trainer Uwe Neuhaus, ohnehin nicht als bekennender Freund der Unterhaltungsbranche bekannt, bestimmt ganz recht. In Ruhe arbeiten, möglichst unter Ausschluss der Öffentlichkeit, so sein Credo. Panem et circensis? Nicht des akribischen Arbeiters Ding. Entscheidend ist für ihn allein auf dem Platz. Und nicht daneben. Das ist nur störend Beiwerk. „Eigentlich wollte ich heute dreieinhalb Stunden trainieren lassen, damit die Journalisten die Lust verlieren, Fragen zu stellen“, verpackte er seine Ansichten in einen  vermeintlichen Scherz.

Ha, ha. Gut gelacht. war ja auch nett da bei leichtem Nieselregen, immer noch gefrorenen Böden und zahlreichen Wasserpfützen, die die Wege säumten. Da möchte man schon mal zum Augenblicke sagen, verweile doch, du bist so schön.

Oder liegt es vielleicht auch daran, dass man die Herren Gebhardt, Biran, Benyamina & Co. zwar als formidable Fußwerker kennt. Doch die Menschen dahinter einem leicht fremd sind? Dass der manchmal ans manische grenzende Kontrollversuch, von der Schwesterzeitung hier nur am Rande gestreift, teils auch kontraproduktiv sein kann?

Wahrscheinlich von allem etwas. Es kommt halt auf die Mischung an. Profi-Fußball ist halt auch mehr als ein 1:0 auf dem Platz. Es ist ein Geschäft auf der Basis von Emotionen und Zwischenmenschlichem. Eins, das eben nicht nur aus Spieltagen und nackten Resultaten besteht.

Blue rulz

L: Hamburg. Eine stino Bäckerei. Denn wenn man schon mal da ist in der norddeutschen Tiefebene, ist eins für mich Pflicht. „Ein Franzbrötchen, bitte“, so die in freudiger Erwartung vorgetragene Bitte. Womit ich nicht gerechnet hatte, war das Stakato der Verkäuferin. In einem ICE-Ähnlichen Tempo trug sie aufzählenderweis etwas vor, an dessen Ende ich so etwas wie „was für eins“ zu vernehmen glaube. Nicht ganz sicher, was denn nun von mir erwartet wurde, stammelte ich ein „Ein ganz normales“.

Hach,da war ich aber an die Richtige geraten. „Normal ist nicht“, schoss es mir entegegen, unmittelbar gefolgt von einer erneuten Aufzählung der Varianten. Hatte ich das Tempo schon erwähnt? Und ganz ehrlich, muss man den alles so verkomplizieren? Ein Franzbrötchen ist ein Franzbrötchen ist ein Franzbröchen. Dachte ich eigentlich. Aber mit mir zugereistem Touristen kann man es ja machen. Musste der Morgen denn so schwierig beginnen?

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Auf hoher See und vor Gericht sei man in Gottes Hand. Und vor dem Gesetz sind ja angeblich all gleich. Was ja nicht stimmt. Aber hier keine Rollle spielt. Wo wir aber gleich sind, ist das Wetter. General Winter hält alle in seinem Bann. Und so standen sie alle fein säuberlich aufgereiht entlang des Rastplatzes. Benz neben VW, Peugeot neben den Toyotas dieser Welt. Wie in einer Perlenkette. Die Motorhauben hoch geklappt wie gierige Schlünder und die Götter des Frostes flugs mit dem frisch erworbenen einheitsblauem Antigefrierschutzzeug für die Scheibenwaschanlage milde gestimmt. Gleicher geht nicht. Deutschland einig Nachfüllland.

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Kopfsteinpflaster ist der Stöckelschuhe und des Radfahrers natürlicher Feind. Erst recht, wenn es so richtig schön verschneit ist. Darum werde ich es nie verstehen, wie man „hoch zu Ross“ dabei auch noch telefonieren muss. Ein Kollege von mir ist auch ohne Nutzung des Handys bei solchen Witterungsbdingung gestürzt. An den Folgen des Kreuzbandrisses laboriert er noch heute. Schien der jungen Dame, die sich zweiradmäßig gen Innenstadt bewegte, nicht zu kümmern. Manche Gespräche müssen furchtbar wichtig sein, dass sie unaufschiebar scheinen. Da kann man schon mal Leib und Leben riskieren.

Return to sender

Als ich den Briefkasten öffnete, blickte er mich fröhlich an. Leuchtend. Gelb. Unübersehbar. Da war es ja das gute Stück. Aber verdammt noch mal, wieso machst du es dir jetzt bei mir gemütlich im Hauseingang? Wo hast du dich rumgetrieben, du Schlingel? Du solltest doch schon seit Tagen draußen im Speckgürtel in Empfang genommen werden. Die Bunkine hatte doch schon sehnlichst auf ihre Essensmarken gewartet.

Die Sache mit Töchterleins gelegentlicher Schulspeisung ist nämlich die. Irgendwas geht immer schief. Mal werden ihr die Marken nicht ausgehändigt, weil bei der Bestellung eine Frist minimal überschritten wurde und telefonisches Interagieren schlichtweg daran scheitert, dass die Herren Schulgastronomen vielleicht leidlich gut kochen mögen, wohl aber nicht wisen, wie sie denn ihre Fernsprecher zu bedienen haben. Ist ja auch schwer, so einen Hörer mal in die Hand zu nhemen, wenn er denn fröhlich schellt. Kunde könnte ja mit Umsatz drohen. Oder schlimmerem.

Diesmal war es aber meine Schuld. Als ich die Bunkine letztens von der Schule abholte, wedelte sie fröhlich mit einem DIN-A4-Bogen herum, auf dem sechs winzige Essensmarken eingedruckt waren. Ein zweiter Bogen in ihrer Obhut nebst zusätzlichen Arbeitsblättern verstopften die andere Patschehand. Müssten wir noch kurz bei ihrer erkrankten Freundin vorbeibringen, ehe es heimwärts gehen kann. Gesagt, getan. Ranzen geschultert, Sporttasche übergeworfen, ihre Essensmarken in der Innentasche meiner Jacke ein liebevolles, neues Zuhause gegeben. Und ab. Ahnen Sie es bereits?

Natürlich vergaß ich bei abendlicher Heimreise ins traute Berlin die Marken aus meiner Jacke zu fingern. Aus den Augen, aus dem Sinn. Blöd, aber korrigierbar. Es war ja Donnerstag. Und erst am Dienstag würde sie ihre Essensbons benötigen. Zeit genug, um sie postalisch noch an ihre Besitzerin zu bringen. Ne Briefmarke hatte ich auch noch zur Hand. Einwurf am Freitag um 17.30 Uhr, der Kasten versprach auch noch am gleichen Abend eine Leerung. Alles schick, also.

Alles? Nicht ganz. Es kam der Samstag. Kein gelber Umschlag zu sehen. Es kam der Montag. Kein Umschlag weit und breit. Es kam der Dienstag. Immer noch nichts. Es Mittwochte, gut um es abzukürzen, es kam überhaupt nichts. Zumindest nicht da an, wo wir es alle hinhaben wollten. Bis eben!

Da war er nun, der Schlingel. Versehen mit einem kleinen, abziehbaren Aufkleber und dem netten Stempel „Empfänger/Firma unter der angegebenen Anschrift nicht zu ermitteln.“ Hä? Wie bitte? Kurzes innerliches Aufbrausen meinerseits gepaart mit einem strengen Kontrollblick. Name? Stimmte! Straße? Alles im grünen Bereich. Ort und Postleitzahl auch. Wtf? Die Hausnummer! Die verflixte Hausnummer. Instinktiv hatte ich die alte Nummer aufgeschrieben, unter der wir vor acht Jahren ein gemeinsames Dach gehabt hatten. 12 stand da, 12 statt 14! Dick und fett. Klar doch, dass das gute Teil nicht ankam.

Doch diese ersten Gedanken, blieben nicht die letzten. Moment mal, schoss es mir durch die grauen Zellen. Dieser Wohnpark ist verdammt überschaubar, um nicht zu sagen klein. Ganze 14 Häuser maximal. Eher weniger. Und gleich unter zwei Adressen war eben der nicht gerade häufig vorkommende Nachname der Bunkine zu finden. Einmal bei sich, einmal bei den Großeltern. Und beide residieren seit geraumer Zeit schon dort.

Also ganz ehrlich, es war mein Fehler. Aber ist es wirklich zu viel verlangt, mal sein Gehirn einzuschalten? Die Postboten dort sind seit geraumer Zeit in ihrem Job zu Hause. Da kann man auch anders. Wenn man denn nur will …

Wenn einem St. Pauli auf den Geist geht

Ach, Mönsch. St. Pauli, alte Spaßbremse. Musste das sein? Von wegen Herz und so. Also gastfreundlich war das nun nicht, den 1. FC Wundervoll so mir-nix-dir-nix einfach mal zu vermöbeln.

Was sagst du? Selber schuld? Nur weil ich die Einlaufmelodie  nicht für voll genommen habe? Moment mal, ich hör noch mal genau hin.

Ja gut, Höllenglocken. Weiß ich doch. Aber musst du das dann gleich so wörtlich nehmen? Höllenqualen statt Freudenhäuser? Ein Törchen hätte doch völlig ausgereicht, wenn du einem unbedingt die Laune vermiesen wolltest. Ich meine, wir kamen als Freunde. Manche sogar als Blutsbrüder. Ich finde du nimmst dich einfach zu wichtig. So geht man mit Freunden nicht um. Ne, ne, ’ne Punkteteilung, das wär’s doch gewesen. Also ehrlich mal.

Und komme mir jetzt bloß nicht mit dem Spruch, ich hätte es wissen müssen. Ja, sicher ertönte Blurs Song No 2 genau in dem Moment in meinem Autoradio, als ich zwei Tage vorher für meinen Brötchengeber auf dem Weg zur Spieltagspressekonferenz des 1.FC Wundervoll gewesen bin und mich ein alter Freund und St.Pauli-Fan anrief. Ja, ich weiß, dass das euer Tor-Jingel ist. Ach, ne Warnung sollte das sein? Womöglich ebenso wie die Tatsache, dass ich ausgerechnet diesen Kumpel von mir auch noch Tags darauf in der Schwesterzeitung zitiert wieder fand.

Jetzt hör mir mal uff. Nur weil die Unsrigen zwischen den Strafräumen umherirrten, als suchten sie den Notausgang, muss man uns doch nicht gleich sechs einschenken. Was sagst du? Es waren nur drei? Ja, aber gefühlt waren es sechs. Mindestens. Wenn ich allein an die Fehlpässe denke. Die wirkten doch einstudiert. Da konnte einen nicht mal richtig trösten, dass Kenan Sahin nicht wie gewohnt umherschwalbte. Ne, dass Astra blieb einem im Halse stecken angesichts dieser Vorstellung.

Sicher, unsere Jungs hätte man nicht unbedingt in so einem Gefährt mit so einer Aufschrift nach Hamburg schicken müssen.

Das musste ja zu Missverständnissen führen. Sind ja alle jung. Und was auf Klassenfahrten so alles abgeht! Also wenn ich da an meine Schulzeit zurückdenke … Dass der Kiez immer nur mit Verlustierungen und nicht zwingend mit harter Maloche gleichgesetzt wird, war ja auch den Fußballgöttern bekannt. Na gut, Schwamm drüber. Ist nun mal passiert.

Aber wo wir mal grad so nett plaudern. So richtig Traditionsbewusstsein ist bei euch wohl auch nicht verbreitet, was? Uns 1919 Karten nach Berlin zu schicken. Neun weniger hätten es auch getan und ihr wärt alle mal wieder für eure Guerilla-Marketing-Aktionen bewundert worden. Was ich damit meine? Na kuck dir doch mal euer Logo genauer an. Verstehste jetzt? Steht doch dick und fett drauf!! Also ein bisschen schwer von Kapee biste heute schon. Ganzen Tag schon. Aber das hatte ich dir altem Spielverderber ja schon weiter oben mitgeteilt.

Und wenn ich schon mal am Meckern bin. Dass ihr Weltpokalsiegerbesieger euer schönes Kleinod, also die wunderbare manuelle Anzeigetafel, jetzt schnöde in den Katakomben der neuen Südtribüne versteckt, geht ja nun mal gar nicht. Nur weil ich in die Mixed-Zone rein darf, kann ich sie hier noch mal allen Interessierten vorführen. Die wurde echt vermisst. Also ich sag dir eins, bei uns in der Alten Försterei habe wir das besser gelöst.

Aber eins muss man euch dann doch lassen. In punkto soziales Engagement macht euch keiner was vor. Jetzt wo alle Welt angesichts von Bildungsnotstand und Pisa-Studien nach mehr Finanzmitteln für die Schulen und Unis schreit, macht ihr Nägel mit Köpfen. Einfach mal die alte Haupttribüne abgerissen und schon kann das darbende Wirtschaftsgymnasium dahinter seine schnöden Klassenzimmer als VINF-Logen, also als Very-Important-Normal-Fan-Logen, vermieten und seine chronisch unterfinanzierten Lehrmittel und Lehrkörper aufbessern. Das nenn ich doch mal ne gute Tat.

Aber alles in allem: echt kein schöner Ausflug. Und wenn ihr so weiter macht, können wir nächstes Jahr nicht mal zu Besuch vorbeikommen. Dafür haben wir dann die pucklige Alte Tante aus dem Westen zu Gast. Also schön ist das nicht. Und du, du bist mit dran schuld. Also zum Teil. Irgendwie. Ach, was weiß denn ich.

Irgendwie habe ich jetzt das dumpfe Gefühl, ich bin hier noch was schuldig. Ach klar, die Überschrift. Hier ist sie.