Reizender Empfang

„Sieh zu, dass du Land gewinnst.“ Hach, was war die dick eingemummte Gestalt an der Heckklappe des Lieferwagens eine Ausgeburt an Freundlichkeit. Muss noch erwähnt werden, dass er sich bei seinen Worten mächtig in die Brust warf? Meine sanfte Erwiederung, dass ich zu Schuppe wolle, um diesem „Guten Tag“ zu sagen, wurde mit einem scharfen „Besser ist das“ quittiert, ehe er mir den Rücken zuwandte. Meine dezente Nachfrage, warum er denn so agressiv sei, konnterte er mit einem „Du solltest mich mal agressiv sehen“. Wirklich, ein reizender Knabe. Und so gut erzogen.

Zumindest Schuppe, zu Berliner Zeiten in der Torstraße einst ein Kneiper meines Vertrauens, freute sich, mich zu sehen. Viel Zeit hatten wir ja nicht, rund um das Spiel des 1. FC Wundervoll an der Ostsee. Jeder hatte halt zu tun. Und meine mehr rhetorisch gemeinte Nachfrage, ob man hinterher sich noch kurz treffen wolle, wurde von einem weiteren netten Kurzhaarschnitt bevorzugendem Kerlchen mit der Feststellung, „Da habt ihr eh 1:0 verloren und du keine Lust mehr“ brüsk abgeschmettert.

Reizende Leute da im Umfeld des FC Hansa. Kein Wunder, dass sie immer wieder gern gesehene Gäste in den Stadien dieser unseren Fußballrepublik sind.

Des Wartens müde

Da sitzt man. Und zittert. Kaut an den Fingernägeln. Schaut auf die Uhr, schaut in die Rund. Äh, sorry, falscher Kontext, schaut natürlich auf diverse Live-Ticker, surft in zahlreichen Fanforen. Und hofft. Bittet. Bettelt. Fleht. Dass Paderborn sich noch eine Blöße gibt. Bei jedem akustischen Tonsignal der Live-Ticker schreckt man auf, eilt jegliche Konversation einstellend flinken Fußes zum heimischen PC und ärgert sich zunächst über irgendwelche belanglosen Treffer in Aue, Stuttgart oder Hintertupfingen. Und später dann doch über den Führungstreffer des SCP. Man flucht. Brüllt „Mist“. Als ob damit alles wieder in Frage gestellt würde, als ob eine Katastrophe nahen könnte.

Dabei ist der 1.FC Union so gut wie aufgestiegen. Vier Punkte aus fünf Spielen, dazu ist die Truppe von Trainer Uwe Neuhaus viel zu abgezockt, als sie das noch vergeigen könnte. Der Vorsprung ist so komfortabel, dass die Konkurrenz maximal näher rücken könnte, mehr aber wohl nicht. Und selbst für das Mehr müssten die Köpenicker schon viermal in Folge richtig patzen.

Echte Fans sind aber „homo emoticusse“, des rationalen Denkens eher selten fähig!!

Und so treibt die Unrast des Herzens den Eisernen um. Viel, viel zu lange braust die Schwalbe schon über den Eriesee.. Und nun, so kurz vor Torschluss, vergeht die Zeit so langsam. Quält. Spielt mit einem wie die Katze mit der noch lebenden Maus. Schleudert einem das kalte Hohnlächeln ins Gesicht. „Wie weit noch Steuermann?“

Unioner sind des Wartens müde. Man möchte endlich feiern, jubeln, lachen, singen. Einziehen ins gelobte Land, dass da heißt 2. Liga. Auf dass die Nacht zum Tage werde. Echte Aufstiege, also nicht so eine Rückkehraktion nach einem einjährigen Betriebunfall Namens Oberliga, gibt es halt nicht jedes Jahr mal so eben um die Ecke. Das ist nicht wie kurz Zigaretten holen gehen …

Nun heißt es scheinbar weiter warten. Frühestens nächsten Sonnabend gegen Regensburg kann der Deckel drauf gemacht werden. Noch eine Woche bis Buffalo!*

*Nun gut stimmt nicht ganz. Wenn Haching am morgigen Sonntag gegen Wuppertal verliert, kann Union mit einem Sieg in Sandhausen doch noch den Aufstieg feiern.