Ein Y hat seinen Wert

Meine Herren der Schöpfung, machen wir uns nichts mehr vor. Es ist an der Zeit, es auch einmal auszusprechen. Obwohl wir (und da wird wohl keiner ernsthaft widersprechen wollen, der auch nur ein klein bisschen Verstand sein Eigen nennt) die göttlichsten Wesen unter der Sonne sind, kommen wir nicht ohnehin uns doch etwas – wenn auch höchst widerwillig – eingestehen zu müssen. Es bedarf einfach einer weiblicher Note in unsere näheren Umgebung. Ja, wenn man nun einmal dabei ist, diese grausame Wahrheit aussprechen, Note allein langt nicht. Dem könnte ja mit gelegentlichen Besuchen abgeholfen werden. Wir brauchen mehr. Das hat nicht mal was damit zu tun, dass wir Männer oft Sklaven unserer Genetik sind, dass uns uralte Instinkte dazu zwingen, höchst widerwillig dem Freizeitsport der Kopulation zu frönen, sondern, man muss es auch aussprechen können, wir Männer brauchen die holde Weiblichkeit auch als Gesprächspartner. Und sei es nur, dass sie nüchtern anmerkt, dass die Zimmerdecke mal wieder gestrichen werden könnte. Kurz: Sie vervollständigt uns einfach. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Nachdem ich nach langer, reiflicher Überlegung unter Aufstellung von Pro- und Contra-Listen, unter Zuhilfenahme des Webs, von Büchern und einschlägigen Fernsehsendungen („Sportschau“, „ran“ etc)  zu dieser Feststellung gekommen bin (und sie hiermit meiner Mit-Männer-Welt nicht länger vorenthalten möchte), handelte ich auch umgehend. Ich möchte Ihnen hiermit meine neue Mitbewohnerin vorstellen: Sie heißt Coryna. Und stammt aus dem Hause derer zu Carpus. Pflegeleicht soll sie auch noch sein, wurde mir zu meiner nicht enden wollenden Freude gleich bei unserer ersten Begegnung mitgeteilt. Auch, oder gerade, wenn man nicht so häufig zu Hause sei. Was will Mann mehr!!

Und wenn sich jetzt einer hier über die Schreibweise mokiert. Coryna mit Y sei so ein bisschen komisch, dem möchte ich entgegenhalten, dass ich mir selten ein X für ein U vormachen lasse. Und es manchmal ganz entscheidende Unterschiede sind, ob man ein x-beliebiges i vor sich hat oder ein schönes Y sein Eigen nennt. Ich mag ja das Y. Aus Gründen. Und bin dabei in bester Gesellschaft, schließlich hat ja auch schon der Herr Reinhard Lakomy den Wert dieses Letters ausgiebig besungen. (Falls Väter unter meinen Lesern anwesend sind, besonders welche mit reiner Westsozialisation, nehme ich mir als „Wanderer zwischen den Welten“ die Freiheit raus, ein Prädikat:  „Absolut  empfehlenswert“ auszusprechen. Bei kleineren Kindern fängt man am besten mit dem Traumzauberbaum an).

Doch halt, wo war ich? Ach, ja bei der lieben Coryna.Ich merke schon, Sie sind des langen Vorspiels überdrüssig und brennen nun drauf, das holde Wesen kennen zu lernen. Nun gut, ich will Sie Ihnen nun auch nicht länger vorenthalten. Blättern sie einfach um.

Meine Coryna. Mit vollständigem Namen Corynocarpus. Ein Karakabaum. Und ich hoffe, dass wir besser miteinander auskommen werden, als ich und die Yucca-Palme die mir einst geschenkt ward, die sich dann aber Blatt für Blatt von mir verabschiedete, und nur ein klagend Stumpf zurück blieb.

Warum?

Ohnehin schon eine böse Frage. Diesmals traf sie mich unvermittelt. Ich im Auto, auf dem Rücksitz drei Miniweibsen – alle so sieben oder acht Jahre jung – unterhielten sich auf einmal darüber, wie schlimm es sei, für all die Scheidungsweisen in ihrer Klasse. Und vorneweg die Bunkine. XYZ hätte es doch gar nicht so schwer. Schließlich lebe der Vater ihrer besten Freundin in der Schweiz. Und ihr Papa erst – seit Jahren in Berlin (also nur knapp 15 km entfernt :.). Und als ich versuchte darauf hinzuweisen, dass wir uns fast jede Woche sehen, dass ihre Mama und ich uns gut verstehen würden, gab es eine knallharte Frage von ihrer besten Freundin: Warum seit ihr dann nicht mehr zusammen?

Was sagst du da?