I have a dream

Mein Traum ist aber profaner als der ursprüngliche Urheber dieses schönen Satzes in der Titelzeile. Erst gestern Abend in Regensburg wurde ich durch die wie die Domspatzen schimpfenden Tribünengäste im Jahnstadion wieder daran erinnert. Dem mundartlichen Idiom der Einheimischen geschuldet verstand ich zwar nicht, was in ihrem gerechten Zorn sie artikulierten, dass sie ihrem Unmut aber freien Lauf ließen, war dann doch selbst mir, dem die preußische Zunge eher Geläufig ist, durchaus erkennbar.

Kannte ich doch auch von einer Sportstätte an der Spree. Des öfteren hatte mich da manch spitzzüngiger Kommentar erheitert, wenn die auf dem Rasen ihrem Fußwerk nachgehenden Protagonisten im Rahmen ihrer nicht vorhandenen Möglichkeiten bewertet wurden.
Mein großer journalistischer Traum wäre es, einmal ein Punktspiel von Tennis Borussia – ältere Berliner unter uns erinnern sich gewiss an diesen einstigen Quasi-Champions-League-Teilnhemer – journalistisch zu beschreiben.

Und zwar nicht mittels des boulevardesk-chronistischen A flankt auf B, B auf C, der macht ihn rein, der Rest ist Jubel (oder sonstige Empathie). Sondern nur anhand der Kommentare, die die altehrwürdigen, rüstigen Rentner auf der Tribüne des nicht minder altehrwürdigen Mommsenstadions von sich geben. Am besten sollte ich mich dazu mit dem Rücken zum Spielfeld setzen.

11Freunde-Chef kontra die Ultras

ui, ui, ui, da bin ich aber mal gespannt. Die 11Freunde nehmen sich in ihrer nächsten Ausgabe (erscheint am 27. November) der sogenannten Ultra-Kultur an. Nach meiner Vorablektüre des Aufmachers sieht es so aus, als ob Philipp Köster das ganze mehr als eine Art Unkultur betrachtet. Wird sicherlich heftige Diskussionen hervorrufen. Schaun mehr mal …

Nachtrag vom 1. Dezember 2008: Und da haben wir ja die zu erwartende Diskussion

Es kotzt mich an

nun steht es drin. In der Bild. Gnadenlos wie immer. Ich hatte gehofft, dass sie ein bisschen Ehre besitzen und es nicht vor einem Spieltag veröffentlichen. Aber, nein, ist nicht so. Mist, Mist, Mist.

Kommt davon, wenn man professionelle Spieler in ihrem Liebeswahn vor Öffentlichkeitswerdung schützen möchte. Geht einfach nicht. Leider.

So schnell kann’s gehen

Da wurde mir neulich erst von einer netten jungen Dame erklärt, was ein Podcast ist, und schon nehm ich an einem selbigen teil. Geschwindigkeit scheint eben Hexerei. Na dann schaun mer mal. Vielleicht sind es ja nur die vielen Bieres, die wir in uns reinschütten dürfen. Was angesichts dieser Situation aber auch völlig nachvollziehbar ist.

Ich & Boris

Ich und der Bobele, wir haben eine besondere Beziehung. Eine, die mich mein Leben lang begleitet hat. Von der er aber nichts weiß. Wahrscheinlich nie wissen wird. Was aber auch nicht schlimm ist …

Was er nicht weiß, mir aber seinerzeit sehr viel bedeutet hat, war sein allererster Sieg im Tennis-Mekka zu Wimbledon. 1985 war das. Ist also schon ein Weilchen her. Und doch in meiner Erinnerung so präsent, als ob es gestern gewesen wäre. Damals war ich nämlich in einem kleinen englischen Internat im Südosten der Insel. Genauer gesagt in Taunton Sohool, in Somerset. Nicht zwingend freiwillig. Aber ich war nun mal da. Und wie in allen englischen Internaten (natürlich sagten wir Tauntonians nicht Boarding School, für uns war die Schule halt „public“. Womit nicht staatlich gemeint war. Offen halt für jeden, der genug Kohle hatte, um sich eine gute Erziehung zu leisten. Und nein, wir Jungspunde dachten so überhaupt nicht snobistisch. So ganz gar nicht. Und wehe jetzt behauptet jemand das Gegenteil. Der wird mit Nichtachtung nicht unter zwei Wochen bestraft.) waren die Sitten rau. Und auch nicht zwingend deutschfreundlich.

Da saß ich nun als einziger Germane im House Fairwater. Umgeben von der adoleszenten künftigen Elite des U.K. John Cleese und Fawlty Towers mit ihrer beliebten Folge über die Germans prägten dort den einschlägigen Humor. Sieg-Heil-Rufe als Anfeuerungsmittel bei einem Inter-House-Vergleich, wenn ich mich laufenderweis für Fairwater in einem Cross-County-Wettbewerb abmühte galten als absolut probates Mittel. Unabhängig davon, dass ich das wenig zu schätzen wusste.

Mein einziger echter Trost seinerzeit war eine Beilage der Times. Die hatten im Vorfeld der All England Championship dort eine Story über die jungen Wilden gemacht, die vielleicht einmal Wimbledon gewinnen würden. Stefan Edberg war dort aufgeführt. Mats Wilander, obwohl etwas älter. Und eben Boris Becker, der gerade zuvor in Queens sein erstes Grand-Prix-Turnier überhaupt für sich entschieden hatte. Das Miniposter sehen und in unsrem Drei-Mann-Zimmer aufzuhängen war eins.

Endlich ein Stück Deutschland in der Fremde, auf dass ich stolz sein konnte. Womit ich nicht gerechnet hatte, war ein der Assistent Housemaster. Der ehemalige walisische U23-Rugby-Nationalspieler war von derart imposanter Statur – und als Lehrkörper zudem weisungsbefugt – dass sein kurzes Herunterreißen des Becker-Plakats, keinen echten Widerspruchsgeist in mir aufkommen ließ. Seine lapidare Bemerkung, erst wenn der – er sagte DER – Wimbledon gewonnen hätte, dürfte er in einem englischen Haus an einer Wand hängen.

To put a long story to an short end – Boris gewann! Als jüngster ungesetzter Spierl aller zeiten. Und schrieb später noch mehr Geschichte. Sport-Geschichte. Und noch einiges mehr. Ich schrieb ja auch im Sport. Etwas stäter zwar, so ab 1993. Aber nie über ihn. Doch nie werde ich den Moment vergessen, als er den Matchball gegen Kevin Curren verwandelte. Der Pokal war noch nicht überreicht, als ich schon an die Bürotür des Deputy-House-Masters klopfte. Lauter pochend war nur mein Herzschlag, als ich das Poster zurückforderte. Und mein Gesicht muss Bände gesprochen haben, eine schier Beckersche Willenskraft ausgestrahlt haben, als es mir mit den Worten „Jetzt darf er an der Wand hängen“ zurückgegeben ward.

Und diesem ganz winzigkleien Exkurs zurück zu dieser Woche. Daran dachte ich nicht, als ich 23 Jahre später in Stuttgart-Degerloch unweit des GAZi-Stadions in einem kleinen Trinkhallen-Kiosk Zuflucht vor dem dem norddeutschen Dauerregen artverwandten Wassermassen Zuflucht suchte. Drinnen wurde bereits fleißig gebechert. Zu einer Zeit, die den Namen Frühschoppen nicht mehr so ganz verdient hatte, aber auch nicht ganz so weit weg davon war, wie die Bundesregierung von einem ausgeglichenen Haushalt. Die Inhaberin war eine Frau in den Vierzigern mit einer Hautfarbe wie Milchschokolade, umhängt von einem dunklen KSC- und einem Kickers-Schaal. Hannah, wurde sie gerufen. Und war, was in Etablissements dieser Art durchaus hilfreich ist, nicht auf den Mund gefallen war. Man plaudert. Über Fußball. Die Kickers. Dass ich aus Berlin gekommen sei, nur wegen des Spiels. Und irgendwie erinnerte mich Hannahs Gesicht an jemanden, ohne dass ich wirklich sagen konnte wen. Bis sie mir ein Foto präsentierte. Dort war eine junge, hübsche Frau abgebildet umgeben von ihren zwei Söhnen. Der eine dunkel gelockt. Der andere blond. Der ältere hieß Noah, der jüngere Elias. „Das sind meine Neffen“, sagte Hannah. Und ich blickte nur staunend vom Bild hin zu ihr und zurück. oder umgekehrt. Mehrfach. Und in der Tat, was hier im Kiosk vor stand war die ältere Ausgabe – genauer gesagt zwei Jahre ältere Ausgabe – von Barbara Feltus-Becker. Die selben Linien, das gleiche Gesicht. Gelebter zwar. Gezeichnet halt vom mühsamen 12-Stunden-Job jeden Tag im Kiosk. Und etwas fülliger. Aber die Verwandschaft war nicht zu übersehen. Auch wenn sie bei Wikipedia nicht aufgeführt wird.

Mitten in Stuttgart plauderte ich also mit der Ex-Schwägerin von meinem einstigen Zufluchtspunkt in England. Und klar doch, ich habe es überprüft. Zumindest das Goldene Blatt und die B.Z. haben schon mal eine Geschichte über sie verfasst. Mal sehen, was sie beim nächsten Mal zu erzählen hat, wenn ich im Februar mit Union Berlin wieder hinfliege.

Erfolge feiern

Es gibt da so Vokabeln im Fußball, da fallen einem sofort passende Begrifflichkeiten ein. Stinkefinger ist für mich so einer, der untrennbar mit Stefan Effenberg verbunden ist. Suppenkasper geht nicht ohne Uli Stein.

Auch das Wort Erfolgsfan wird dieser Tage wieder gerne benutzt. Meist im Zusammenhang mit TSG-SAP Hoffenheim. Die spielen derzeit eine so feien Ball, dass man darüber mit der Zunge schnnalzen muss.

Ein leichtes Grinsen trieb mir aber eine SMS einer hier nicht namentlich zu nennenden jungen Dame mit einem sehr lesenswerten Blog ins Gesicht, die meine textlich mitgeteilte Begeisterung über den ausufernden Ballzauber der Badener kühl konterte: „Erfolgsfan kannste gerade auch bei Union sein „. Das ich das noch mal bei den Eisernen erleben durfte, hätte ich mir so auch nicht zu träumen gewagt

Champions League unlive

Es gibt Tage, da ist es einem nicht vergönnet, seiner Fußball-Leidenschaft zu frönen. Nicht dass mich das Abschneiden der Grün-Weißen aus dem fünften Bezirk von Niedersachsen sonderlich berühren würde. Aber Champions Lague ist nun mal Champions League ist nun mal Champions League.

Gestern ging nicht. Hatte meine Kleene bei mir zum Übernachten. Alos flimmert fröhlich „Happy Feet“ über den Flatscreen. Papa muss leider mal draußen bleiben beim großen Spiel sozusagen.

Dank des wunderbaren Hinweises einer einzelnen jungen Dame, die aus Unionsicht ein sehr lesenswertes Blog betreibt, kam ich dann zum Spielmacher und seinem Lieblingsspielzeug.

Hui, da ging die Post ab. Mehr als auf dem Spielfeld. Und ich konnte nebenbei meinen Vaterpflichten nachkommen und doch ein klein wenig Königsklassenatmosphäre erahnen und sogar genießen. War nett. (Im Sinne von Gut, nicht im Sinne von kleine Schwester).

Und führte mich mal wieder zu einer alten These von mir. Diese Blogs und vor allem die Livebloggerei spart nicht an Häme, spitzen Bemerkungen und kübelt gerne so das eine oder andere über die weit entfernten Protagonisten aus. Und nicht selten setzt dann auch das beliebte Reporter-Bashing ein: Warum fragt der so blöd? Kann er nicht richtig ran gehen an die Materie, statt so weichgespült daher zu kommen.

Nein. Kann er nicht. Was ich als Sportredakteur selber kenne. Wir haben es unmittelbar mit den Menschen zu tun. Wir begegnen ihnen immer wieder. Sind darauf angewiesen, dass diese hochdotierten Mimosen und Egomanen weiter Umgang mit einem pflegen. Wir können nicht aus der sicheren Deckung einer Brustwehr wie dem heimischen PC, munter drauflos fabulieren. Die Protagonisten würden niemals mehr ein Wort mit uns sprechen. Es wäre der sprichwörtliche Ast, den man sich selber absägt. Und davon mal ganz abgesehen, wer ist schon im ersten Moment des Kritisierens wirklich empfänglich für unliebsame Worte? Ich zumindest nicht. Ich brauche dazu immer Zeit. Die haben die klassischen Medien nun mal nicht.

Bitte nicht falsch verstehen, die Blogs sind geil. Großartig. Amüsieren. Ich will sie nicht missen. Lese sie gerne. Partizipiere sogar zum Teil mit ihnen wie heute Abend. Aber sie pflegen ihren Informationsstand immer aus zweiter Hand. Sind fernab des Geschehens. Sie können klassische Medien nicht ersetzen. Aber hervorragend ergänzen. So wie Titanic keine Tageszeitung ersetzt.

Lattek auf Votavas Spuren

Nun kommen sie wieder die Experten. „Dreierkette, Viererkette, Halskette“, schwätzte Udo Lattek im DSF nach dem peinlichen 2:5 gegen Bremen daher. Für ein gewolltes Bonmot nicht mal gut, weil unrhythmisch. Das hatte der GREUMaZ* bei Union, Mirko Votava, seinerzeit schon mal besser drauf. Dsprach dann immer von Perlenkette. Was bei der Reihung phonetisch durch die zusätzliche Silbe einfach besser klingt, aber auch damals schon nicht wirklich davon ablenken konnte, dass Votava als Trainer bei den Eisernen völlig überfordert war. Aber er war ja, wie er in einem zornigen Gespräch gegenüber Fans bekundete, der Europameister, nicht Kreismeister. Und ganz, ganz sicher ist es auch nur üble Nachrede, dass MIKRO Votava Abend bei der Video-Vorführung eines Europapokalpieles von Atletico Madrid vor seinem kickenden Personal aufsprang und immer wieder auf einen Schnauzbart tragenden Spieler am Bildschirm hinwies. „Da, das bin ich.“

*Größter Reserve Europameister aller Zeiten

Frühsport abgewehrt

„Sie erwarten doch nicht von mir, dass ich so eine Leistung noch kommentiere?“ Sagte der Trainer. Nach einem 13:0. Zwanzig Tore habe er haben wollen. Pro Halbzeit, versteht sich. Von Treffern in der Pause sah er großzügig ab. Aber das wohl auch nur, weil die musikalische Beschallung durch einen Song der Kolibris einem groben Verstoß gegen die Menschenrechte gleichkam.

Alles klar. Also wieder mal Straftraining. „Morgen, 7.30 Uhr?“ Ein Kopfnicken folgte. Alles wie neulich also.

Halt nicht ganz. Der geschätze Kollege K. bat um eine andere Uhrzeit. „Da kann ich nicht, da muss ich meine Tochter noch zur Schule bringen. Geht es nicht auch um 8 Uhr?“ Der Trainer stimmte zu. „Okay, dann sehen wir uns um 8 Uhr. Aber bitte pünktlich sein.“

Der Mann hat Humor, das muss man ihm lassen.

Anderenortens wurde der Kick übrigens doch trefflichst kommentiert.