Sie ist mir nachgelaufen …

Sie ist mir nachgelaufen. Eineinhalb Tramstation lang. „Bleib doch mal stehen“, flehte ihre Stimme aus dem Handy. Als ich mich umdrehte, sah ich sie an der Kreuzung hinter mir. Die Ampel war rot.

Dabei hatte ich ihr doch zu verstehen gegeben, dass ich sie nicht sehen wollte. Wirklich nicht konnte. Ihre Mail in der sie um ein Treffen am selbigen Abend bat, war auch so sachlich gewesen, so unpersönlich, als ob man ganz beiläufig einen alten Bekannten nach Jahren mal wieder rein zufällig getroffen hat.

Freiräume für sich selber fordern, ach was rede ich, die totale Freiheit verlangen, sie sich immer hinten rum heimlich zu nehmen, aber jetzt mir den nötigen Abstand nicht gönnen wollen. Den Abstand, den ich einfach brauche, um meiner Gefühle Herr zu werden.

Trotz meiner E-Mail-Absage hatte sie dann angerufen. Seit Wochen erstmals auf dem Handy und nicht hinten rum auf meinem Festnetz. Also dort, wo kein Anrufbeantworter dran ist, sondern ich nur die ISDN-Nummer erkennen kann. Jetzt der Anruf auf meinem Handy: Wo ich denn sei. Sie würde hinkommen. Ich wollte nicht. Und sagte es ihr noch mal. Und deutlich. Weil ich keinen Sinn darin sah. Wir würden doch wieder nur in alte Verhaltensmuster fallen. Daher mein eiliger Aufbruch. Und während ich die Alle runter eilte, dem Alex entgegen, kam sie mit der Tram hoch. Mich sehen, an der nächsten Haltestelle raus springen und mir nachrennen und gleichzeitig anrufen war eins: „Bleib doch mal stehen!“ Und da stand sie nun …

Eine Anstrengung

Sie hat mir mal entgegengeschmettert: Ich habe dich vier Jahre nicht betrogen. Ob das stimmt, lassen wir mal dahingestellt. Selbst wenn sie recht haben mag. Aber so wie sie sich gab, konnte man eh nicht mehr unterscheiden, wo Wahrheit und Dichtung anfingen.

Schlimmer war, es klang wie eine Leistung. Wie eine Anstrengung. Eine außergewöhnliche sogar. Das versteh ich nicht. Ist es nicht normal, dass, wenn man liebt, andere da keinen Platz haben?

Okay, die meisten Angebote gab es immmer, wenn ich glücklich liiert war. Aber denen bin ich dann mit Absicht ausgewichen.

Wie auch immer es passiert, das du in tiefer Trauer ein rotes Blinklicht auf dem Kopf hast, dass jeder wahrnimmt. Nur du nicht selber. Und das Blinklicht sagt: Finger von dem Typen. Mach einen Bogen um ihn!

Dabei würdest du nichts mehr gebrauchen können, als ein bisschen Ablenkung und Zuneigung. Aber die gibt es dann halt nicht.

Flammen in der Nacht

Kerzen zucken im Raum umher

Schatten hinauf an den Wänden

Und mitten drin ein weites Meer

Gedanken, die nie enden.

Niemals gesucht und doch gefunden

Ein Moment den man halten mag

Doch grausam er so schnell entschwunden

Die Freud? Ging unter mit dem Tag

So wisse meine dunkle Rose

Dass niemals ich dir zürnen kann

Selbst wenn du schweigst, du Sprachenlose

Mir bleibt Erinnerung als dann

Mit ihr durchgleite ich die Nacht

Versuch den Strudeln zu entfliehn

Die wogengleich mit aller Macht

Versuchen mich hinabzuziehen

Drum lebe wohl und blühe weiter

In deinem Garten selbst erkoren

Doch brennt die Flamme als Begleiter

Auch wenn der Weg erscheint verloren

Wenn ich wenigstens wütend wäre. Allein, es überwiegt die große Enttäuschung. Und der Ärger über mich selbst, dass ich mir fast vier Jahre etwas selbst vorgemacht habe.

Wie doof kann man eigentlich sein?

Und mir hilft es derzeit auch wenig, dass mein Chef mir rät, ich solle irgendetwas machen, was ich mit ihr nie hätte machen können. Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Sprachkurs schön und gut. Es gebricht auch mal an der Kohle (Keine Angst, ich verhungere trotzdem nicht).

Ich bin nicht der Typ, der gerne alleine irgendwo hingeht oder -fährt.

Nachts in der City

Eigentlich stimmt schon der Titel nicht. Es ist zwar nachts, aber ich bin nicht in der City. Nur zu Hause. Da, wo mir die Decke auf den Kopf fällt. Mir fehlt noch die nötige Bettschwere. Muss man halt ein wenig nachhelfen. Mache das aber schon eine Weile. Nicht, dass das noch bedenklich wird.

Songfetzen kreisen in meinem Kopf. „Nichts hier ist für immer, auch wenn es so scheint, plötzlich wachst du auf und bist allein“. „Und willst weinen, dann liebe eine Frau. Doch liebe keine, doch liebe keine aus dem Tagebau. Die haben harte Hände und ein hartes Herz. Die suchen ein Vergnügen und finden nur den Schmerz“.

Alles vielleicht nicht korrekt wieder gegeben. Aber so kreiselt es durch meine Birne.

Bin heute hier über das Blog einer 23-jährigen gestolpert, die sich nach ihrem Beziehungs-Aus in psychatrisch-psychologische Behandlung (Wo ist da der Unterschied?) begeben hat und jetzt in ihrer neuen Wohnung vor sich hin leidet. Wollte ihr zunächst antworten, habe es aber dann gelassen. Erinnerte mich zu sehr an die Dinge, die mein Leben besser gesagt Sie verändert haben.

Drei Jahre alt, aber immer noch aktuell

Das fiel mir heute beim durchforsten meines Computers wieder ins Auge. Bislang kannten es nur zwei Personen in der Welt. Und die eine wusste es nicht mal zu würdigen. Küstlerpech.

Es ist das Neue was betört,
So reizvoll, dass das Alte stört
Zu wissen wie mein Schnarchen klingt,
die Worte meiner, die man zwingt,
Nur mühsam runter, obgleich sie wahr
Nur hören mag nicht. Sonnenklar!

Und selber einem fehlt die Kraft
Zu forschen nach der Leidenschaft
Die einstmals brannte ungeheuer
Doch nun so fern, vielleicht zu teuer.

Drum renne weiter in die Nacht
Die Dunkle, die nur Leiden schafft
Du siehst nur wohl verdienten Zorn
Der Kampf ums Glück beginnt von vorn
Zurückgesetzt, verlacht, vermieden,
all das dich quält nicht nur hernieden

Drum geht die Stolze einfach vor
Eröffnet sich ein jedes Tor
Was gar verspricht etwas zu halten
Und lässt dabei von allem Alten

Doch Kraft alleine nicht nur dir
Gar fehlt manchmal auch mir
Und sie zu geben ist nicht leicht
Wenn immer sie so leicht entfleucht
Drum trink den Becher ich zur Neige
Versuch zu leben gar nicht feige

Ich war allein, ich hatt’s geschafft
Es hat mich nicht hinweggerafft
Dort find ich notfalls wieder hin
Auch wenn ich and’res hat im Sinn

Jahrmarkt der Eitelkeiten

Und da sind wir wieder zurück im großen Jahrmarkt der Eitelkeiten, in der Stadt der „Millionen von Singles“. Der Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Mit all ihren Versuchungen und Einflüsterungen.

Und endlich habe ich all die Freiheiten das zu tun, was eigentlich nie machen wollte. Rausgehen, Spaß haben, Leute kennen lernen. Nach Hause kommen wann man will. Und sich keine Vorwürfe anhören müssen, dass man vielleicht geschnarcht hat, weil man das eine oder andere Bierchen zu viel hatte. Man ist das alles anstrengend.

Immer das gleiche Spiel. Immer wieder von vorne anfangen. Immer wieder etwas neu aufbauen müssen. Also genau das, was ich nicht will. Von wegen Hermann Hesse und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

Und doch muss es ja irgendwie sein. Leider. Ganz alleine, ne, das geht nun wirklich nicht. Jedenfalls nicht auf Dauer.

Wenn man die Summe all dessen ist, was man im Leben erfahren oder gemacht hat, dann wäre ich lieber jemand anderes.