Äh, Jungs, moment mal

Ey, Jungs, ist gut, ja? Ich weiß, ihr habt ne Menge Prügel eingesteckt. Von wegen Arroganz und so. Und von lieb gewonnenem und hart verteidigten, trennt man sich halt ungern, ich weiß ja.  Aber ihr hattet doch Recht. Aufstieg ist Aufstieg ist Aufstieg. Und einen anderen Anspruch hätte euch ja eh keiner wirklich abgenommen. Insofern gerechtfertigt, alles. Auch dieser Zähl runter.

Und jetzt könnt ihr euren  Countdown ruhig wieder einpacken. Ihr schreibt es ja selber drunter: Mission erfüllt.

Ne, ich mag nicht!

Der 1.FC Wundervoll vermeldet seinen Sommerfahrplan. Und zwar hier! Was sehr löblich, weil zeitig. Und nicht wie sonst häufig erst Wochen nach dem Abschluss der Spielzeit. Warum dieser nun „Sommer of Love“ betitelt wird erschließt sich mir zwar nicht.  Doch das ist für meine Gedanken gerade auch unerheblich. Mir geht es eher um daseingangs der Meldung erwähnte, altehrwürdige Zoschke-Stadion, dem die Eisernen am 19. Juni im Rahmen ihrer Sommervorbereitung ihre Aufwartung machen wollen. Denn dann gastiert die Elf von Uwe Neuhauszum Testkick  bei Lichtenberg 47 in der HOWOGE-Arena.

Himmel, hilf. HOWOGE-Arena! Meine Nackenhaare stellen sich auf. Zoschke riecht nach Tradition. Nach Fußball pur ohne Event und Schnittchen. Nach Spielfreude! Lust aufs Bällchen. Nach dem, was wir lieben. Aber HOWOGE? Ja, ich weiß, dass heutzutage die Stadion an beliebige Namenspatronen verschachert werden. Nicht alle tun sich damit so schwer wie die Eisernen (Ausspreche Lob und Anerkennung dafür an dieser Stelle). Der HSV hat da ja den unseligen Vorarbeiter gespielt mit seiner einstmaligen AOK, sorry , AOL-Arena. Und so werden uns die Trolli-Arenen, die Signal-Iduna-Parks und all die Commscherzbank-Spielstätten und Volksbank-Kampbahnen dieser Welt tagtäglich um die Ohren gehauen. Manch einer wechselt den Namen häufiger als  die Unterwäsche, so scheint’s. Mit dem Ergebnis, dass ich derzeit ehrlicherweise nicht weiß, wie sich das – sorry, no offence ment – Stadion an der Müllhalde gerade schimpft.

Warum in Drei-Teufels-Namen kann es nicht weiter Volkspark geheißen werden? Und wer in aller Welt zwingt meine schreibenden, radiosprechenden oder TV moderierenden Kollegen dazu, unreflektiert diese „New Names“ auch zu benutzen? Nein, nein, ich will das nicht. Zum einen, was habe ich davon? Schalten  die unternehmen Anzeigen bei meinem Blatt dafür, dass ich sie unentgeltlich erwähnen? Großes NEIN! habe ich einen persönlichen Vorteil davon? Nochmals nein!

Man kann es erwähnen. Muss aber nicht. Für mich bleibt das EasyCreditstadion weiterhin der Valznerweiher oder das einstige Frankenstadion. Ich rede von und schreibe vom ehemaligen Volkspark. Es ist die Arena AufSchalke und nicht die eines Bierbrauers. Man kann, so man denn will,  es ganz leicht umdribbeln und sich nicht vor den Werbekarren eines x-beliebigen Sponsors spannen lassen.

Das alles mit zwei, zugegebenermaßen, Ausnahmen. Die da wären die AllianzArena zu München und die O2World in Berlin. Beide  trugen schon in der Bauphase diese (Sponsoren)Namen, wurde also nicht hinterher verschachert.  Da fällt es mir doch irgendwie schwer puristisch rein von Münchner Arena zu schreiben …

Ich Böser, ich

„Sie wollen was?“ Ein pädophil veranlagter Massenmörder hätte bei einem zufälligen Outing keinen menschenverachtenderen Blick ernten können. So etwas verantwortungsloses wie mich, so die kundigen Blicke der Verkäuferin, hatte sie ihr Lebtag noch nicht erblickt. Um diese Jahreszeit? Pfui, Spinne.
Es tat mir auch in der Seele weh. Ja, ich wusste sofort um meine Verfehlung. Wie konnte ich auch nur auf den aberwitzigen Gedanken kommen, einen Schneeschieber haben zu wollen! Im Winter!! Immer das gleiche mit den jungen Leuten. Nur Grütze im Kopf! Wochenlang alles vergessen und wenn dann der Schnee unvermittelt über sie hereinbricht,sich wundern und auf nichts vorbereitet sein. Und mit so etwas musste sie sich jetzt jeden verdammten Tag herumschlagen.
Vor meinem geistigen Auge zog ein Heer von frisch auf dem Eis Gefallenen, die ich verschuldet hatte ob meiner vernachlässigten Fürsorgepflicht. Millionen litten arge Pein, quälten sich mit frisch erlittenen Brüchen. Von inneren Hirnschädel-Traumata wollte ich hier erst gar nicht anfangen. Die Leute in Friedrichshain werden künftig die Straßenseite wechseln, wenn sie meinen Weg kreuzen. Seht her, das ist er. Ja, genau der, der ausgerechnet im Winter einen Schneeschieber haben wollte!!
Ihr „Also wissen, Sie“, riss mich aus meinen Gedankenströmen. Viel fehlte nicht, und sie hätte mich der Ordnung halber umgehend bei der Polizei angezeigt.
Geschah mir recht! Mit einer hilflosen Geste der Entschuldigung trollte ich mich mit hängenden Schultern von dannen. Wie hatte ich nur ein derartig unmoralisches Unterfangen an sie herantragen können, ihre wertvolle Zeit verplempert. Dass ich eigentlich nur ein Ersatzgerät käuflich hatte erwerben wollen, weil ich die Plastikschneeschaufel meiner Ex beim nimmermüden Eiseinsatz kaputt bekommen hatte, traute ich mich nicht mehr als Entschuldigung vorzubringen. Mit ein bisschen mehr Verantwortungsgefühl hätte ich mir ja im Sommer schon einen kleinen Vorrat an Wintergeräten zulegen können …

Feuer und Flamme 2.0

Jaha, doch. Wir wussten es ja schon immer. Cybersex allein macht ja auch nicht glücklich. Daher musste Abhilfe geschaffen werden. Und Twitter ist in Wahrheit kein Kurznachrichtendienst, sondern eher eine Quicktime-Mating-Application, um eben diesen Bug möglichst elegant zu fixen. Worauf im übrigen die etwas aus der Mode gekommenen FickwunschverdachtCharts ja schon immer nachdrücklich hingewiesen haben und keiner es richtig ernst nahm oder sich dabei erwischen lassen wollte. Aber lassen wir das.

Die HACHination dieses Mediums scheint mir bis heute ungebrochen. Auch wenn es nicht immer ganz einfach ist im allabendlichen Kneipengetümmel, beim Twanz, Twittkick etc pp das obligatorische Quantum an Tweet-Ausstoß produzieren zu können und gleichzeitig um die  Angebetete ordnungsgemäß im  Nichtvirtuellen buhlen zu können. Doch die findige Industrie wusste endlich Abhilfe zu schaffen für dieses le(i)dige Problem. Jetzt kann man endlich richtig Feuer und Flamme sein und trotzdem der/die/das Begehrte(m) gegenüber seinen Wunsch branchentypisch vortragen. Die Real-LifeApp2.0, die perfekte Symbiose zweier  scheinbar unvereinbarer Realitäten ist da. Kein Twitterati von Weltruf, sollte sie sich entgehen lassen. Aber seht selbst:

Obstsalat a la Pisa!

Krypotografie ist was Feines. Man tauscht muntere Botschaften miteinander aus und freut sich diebisch, wenn das Gegenüber nur Bahnhof versteht. Nachrichtendienste verwenden nicht wenig Zeit darauf, Botschaften zu chiffrieren oder wieder zu entschlüsseln. Von hinten, von vorne. Und dann nochmal. Hollywood wäre ohne all das um einige Blockbuster ärmer. (Und die Welt trotzdem kein schlechterer Platz)

Manch Botschaft wird heutzutage viel subtiler transportiert. Bewusst offen transportiert. Abkürzungen und Initialen werden durch Zahlen ersetzt. Oder vice versa. Eine der bekanntesten Abkürzungen rund um den Fußball ist das berühmte A.C.A.B. Es steht für „All Cops are Bastards“. Oft und gerne auch als 1312 umschrieben. Dass die so Betitelten sich das wenig gern gefallen lassen und ihrerseits darauf reagieren, oft mit zur Verfügung stehender Amtsgewalt, muss nicht groß erwähnt werden.

Also mühen sich die findigen eher staatsuntragenden Kreise, im Nachfolgenden hier stelltvertretend nur Ultras genannt, ihrerseits, ihre Botschaft verschlüsselt an den Fan rüberzubringen. Und zwar ohne gleich dafür haftbar gemacht werden zu können. Gerne nutzt man dann wohlfeine Symbolbilder, die Eingeweihte schmunzelnd zu deuten wissen. Doch was sich die Herren vom Wuhlsyndikat bei unten abgebildetem als Sticker erhältlichen Obstsalat gedacht haben, lässt einen doch ein wenig ins Grübeln kommen.

FCUB ist das Bekenntnis zum Verein, zum 1.FC Wundervoll (aka 1.FC Union). So weit alles klar. Dahinter angeordnet sehen wir vier harmlose Obstsorten, die sich als äußerst freche Früchtchen erweisen sollen. Entschlüsselt ergibt sich die oben schon erwähnte Schmähung der Herren Ordnungshüter. E voila: und schon haben wir ein fein säuberliches, wohl mundendes ACAB!

Welch Einfallsreichtum. Welch genialer Gedanke. Hübsch, nicht wahr?

Dumm nur, dass das da nicht steht. Glauben sie nicht? Versuchen wir es in unserer lieben Mutterspache: Ananas wie A? Ein guter Anfang! Kokusnuss? Hm, schon irgendwie blöde. Cops enthält nun mal kein K im Wort, egal auf welchen der vier Buchstaben man auch schaut. Eine weitere Einzelfallprüfung brauchen wir nicht mehr. Es ist völlig obsolet, dass Apfel und Banane folgen. Der gewünschte Satz ist kryptologischer Unsinn.

Nun gut, wir wollen mal nicht so sein. Sicherlich wird im Englischen die gewünsche Message voll rübergebracht. Schauen wir doch mal. Und beginnen aus dramaturgischen Gründen von hinten. Banana? Perfekt. Apple? Passt auch. Coconut? Heureka! Habemus C. Das trifft sich ganz hervorragend! Und nun zum finale grande, kommen wir zum Primus dieser Reihe, kommen wir zur – Tusch – Ananas. Äh, Ananas? Ach, Ananas! Musste das denn passieren? Kannst du nicht einmal so, wie wir wollen? Denn diese schöne Südseefrucht lautet in der Sprache der Angel-Sachsen leider auf P an. P wie pineapple.

Wie schade, wie schade. So viel Einsatz. So viel Liebe zum Detail. So schöne Sticker. Aber so viel Unsinn. Ach Pisa, möchte man in seiner Verzweiflung ausrufen.

Wie meinte doch der große Heinz Erhardt? Wie nützlich ist es dann und wann, wenn man ne fremde Sprache kann.

Listen

Eins muss man dem Herr Moritz Adler lassen, er hat Recht. Ich bin nicht Eintracht Frankfurt. Auch nicht für oder gegen. Womit wir schon beim Kern meines heutigen kleinen Exkurses angekommen sind. Ich kann es nicht beeinflussen, aber es ward mir zuteil: Ich bin nicht Eintracht Frankfurt. (Im übrigen auch nicht Schalke oder der HSV, was aber in diesem Fall völlig unerheblich ist) Auch wehren kann ich mich nicht wiklich dagegen. Selbst wenn ich es gewollt hätte wollen. Aber lassen wir das.

Kenner werden es schon gemerkt haben, wovon hier die Rede ist. Es geht um Listen. Genauer gesagt, um Twitter-Listen. Und wer unter meinen Lesern Twitter nicht  mag, folgt oder es überhaupt versteht, wird im folgenden meinen Worten wohl wenig Beachtung schenken müssen. Zumindest heute.

Aber das macht ja nichts. Man muss ja nicht immer und grundsätzlich für alle da sein. Glaube ich zumindest.

Zurück als zu Twitter und den Listen. Diese sind keinesfalls neu, das Für und Wider bestimmt schon anderenorts gründlichst analysiert und gefühlt schon ab urbe condita als lustiges Sortier-Tool vorhanden. Mir machen sie Spaß. Immer wieder ergötzt  mich die Kreativität, mit der andere Twitterer einen in eine selbstgebaute Schublade einordnen.

Eine im übrigen, die sie meist nur selbst verstehen. Aber auf’s Verstehen kommt es ja bei Twitter oft nicht an, eher ums absichtliche Missverstehen. Gerade letzteres ist oft der Fall, wenn man einen neuen Follwer versucht näher kennen zu lernen und diese Listen als Charakterisierungshilfe benutzt.

Ich meine, dass die gute @VictoriaHamburg mich heimlich im „real-life-beobachtet“ ist ebenso erfreulich wie unsinning. Es fällt einem nämlich ungeheuer schwer, seinen Observierungen in gebotener Gründlichkeit nachzugehen, wenn der eine in Hamburg der andere in Berlin sein Wesen treibt.

Auch nicht gerade erbaulich ist die Einordnung in die Gruppe BierbauchBarbies die mir @IreneKapitaene zuteil werden ließ. Sie  hat damit zwar sicher Recht, aber mein Zartgefühl verlangte daraufhin mindestens nach einer 300 gr. Tafel-Vollmilch-Nuss  gefolgt von dem ein oder anderen Gerstenkalschalengetränk, um über diese Schmach hinweg zu trösten. (Was das bitter-böse Vorurteil in eine sich selbst erfüllende Phrophezeiung verwandeln dürfte.) Und bitte jetzt keine sachdienlichen  Hinwiese darauf, dasss ich auch ohne dieses Hilfsmittel den Weg zum liquiden Seelentröster spielend leicht finde. Danke!

Woher die werte @ju-time Abbilder meiner selbst im Adams-Kostüm erhalten hat, erschließt sich mir auch nicht richtig. Muss ich sie mal bei Gelegenheit fragen. Vielleicht handelt es sich um eine gemeinsame Verschwörung mit Frau @frauenfuss. Der Verdacht liegt zumindest nahe. Aber vergleichen sie selbst.

Plumpe Schmeichler sind dabei auch vorhanden. Obwohl, je länger ich darüber nachdenke. Ne, der Mann hat ja doch Ahnung. Aber so was von!!

Zumindest efreulich für mich ist festzustellen, dass man meine Realität nicht ganz leugnet oder mich für einen Bot hält. Dafür zeichnen sich @mainwasser oder @mellcolm verantwortlich, die sich von meinem Dasein vielleicht sogar meiner Daseinsberechtigung hinreichend üebrzeugt haben.

Manch anderer hat dabei scheinbar meine kindliche Ader für sich entdeckt , hex-hex., tief an mir geschnuppert oder mich als Pastorenenkel an höhere Kräfte verloren gesehen.

Kurz, man kann versuchen sich ein Bild von mir zu machen, ohne mich jemals wirklich gesehen zu haben. dass dieses Bild widersprüchlich und sehr facettenreich ist, dürfte hinreichend bekannt sein.

Doch eins muss ich dabei leider betonen.  Es mag etwaigen Berlinbesuchern eine gewisste Enttäuschung bereiten, wenn sie dieser Liste vertrauend von mir Hilfe bei dem Besuch gewisser einschlägiger Etablissements oder das Gefühl für Schnee erwarten. Tut mir leid, nicht meine Baustelle. Aber ich verspreche hoch und heilig, das künftig zu ändern. Ich habe ja nun dank dieser Liste einen Ruf zu verteidigen …

Eye(s) without a knife

Ich hab’s jetzt schriftlich. Nein, wenn ich ehrlich bin, nicht einmal das. Denn eine Kopie wurde mir nicht ausgehändigt. Also müssen Sie es mir einfach mal so glauben. Machen wir’s kurz: Ich bin nicht gerade das, was man guten Umgang nennt. Ich bin – atmen Sie bitte kurz durch – ein Krimineller. Wahrscheinlich sogar ein Schwerstkrimineller! Von mir bis zu den Schulen des Terrors im nahen Osten ist es nur noch ein winzigkleiner Schritt. Doch, doch!

Glauben Sie nicht? Ging mir bis vor kurzem eigentlich auch so. Schließlich zahl ich brav meine Steuern, entrichte meinen GEZ-Obulus. Im Schoß von Mutter Kirche bin ich auch immer noch drin. Und kümmmere mich zudem immer wieder vorbildlich um die darbenden Umsätze notleidender Wirte. Kurz, nichts, was ich mir vorzuwerfen hätte.

Nichts. Außer Ehrlichkeit! Und genau die wurde mir bei einem Ausflug mit der Bunkine zum Verhängnis!

Manch einer hat ja schon mitbekommen, dass ich in den Herbstferien meinen Vaterpflichten fröhnte und das Töchterlein zu einem Trip nach London lud. Und eine der dortigen Attraktionen ist ein berühmtes Riesenrad, das London Eye! Ansehen allein ist nicht. Natürlich wollte das beste Kind von allen auch da rein. Aber so was von! „Du kennst mich doch“, war die einzige Antwort auf die Frage, ob das denn sein müsse.

Wat mutt, dat mutt, heißt es ja. Was allerdings nicht gemusst hätte, war die Personen- und Taschenkontrolle vorher. Rucksack auf, Hand reingeschoben, umgerührt, fertig. Rucksack zurück. Die Laxheit war schon beeindruckend. Und mehr zu mir selber als unbedingt zu der Aufsichtsperson sprach ich die folgenschweren Worte: „Was suchen sie eigentlich?“

„Messer und Waffen“, lautete die lapidare Antwort. Ehe ich es mich versah, sprach ich auch schon aus, dass ich einen seit Jahren treuen Reisebegleiter in dem eigentlich schon durchsuchten Objekt hätte. Mein schönes Taschenmesser, dass sich auf Reisen als unentbehrlicher Helfer entpuppt hatte. Sei es zum Äpfel schneiden für den Nachwuchs. Manch widerspenstige Verpackung gab unter seinem nimmermüden Einsatz den Widerstand auf. Es hatte Holz, Plastik, Obst, Brote und Käse bearbeitet. Weit gereist war das gute Stück auch. In West Virginia hatte es treue Dienste geleistet, in der Toskana war es ein Vorbild an unermüdlichen Einsatz. Sogar über WM-Erfahrung in Südafrika verfügte das gute Stück. Kurz, kaum ein Kontinent, den ich in all meinen Lebensjahrzehnten betreten hatte, war ihm fremd geblieben. Dass sich nun ausgerechnet im Herzen Zivil-Europas unsere Wege trennen sollten, hatte keinem von uns geschwant!

Nun gut, es entbehrt nicht einer gewissen Logik, dass man Stichwaffen nicht in den geschlossenen Gondeln, die Raumkapseln nicht unähnlich sehen, duldet. Wie soll man sonst irgendwelchen potenziellen Amokläufen vorbeugen? Frohen Mutes händigte ich also den getreuen Diener dem verdutzt ob seiner Nachlässigkeit dreinschauenden Bediensteten aus, um es dann nach absolviertem „Flug“ – so die Eigenbeizeichnung für eine Fahrt mit dem London Eye – wieder abzuholen. Ist ja kein Ding.

Doch, der getreue Leser ahnt es vielleicht schon, fehlte ich kolossal mit dieser Annahme, dass das vermeintliche Poblem dadurch aus der Welt geschaffen sei. Erst wurden wir aus der Schlange komplimentiert, dann mit einem abfälligen Blick gestraft, der jedem Misanthropen zu Ehre gereicht hätte. Woher ich das hätte? Ob mir klar sei, das ich hier gegen geltendes Gesetz verstoßen hätte, wurde mit frostiger Stimme gefagt. Im UK sei das Tragen von Messern in der Öffentlichkeit nicht erlaubt. Im Gegenteil, hochgradig verboten. Und eigentlich müsste er mich jetzt bei der Polizei melden. Er würde das Messer jetzt endgültig einziehen und ich müsste eine Einverständniserklärung darüber unterschreiben. Im Wiederholungsfalle würde mir sonstwas bis noch weit mehr drohen. Das näher zu spezifizieren, gedachte er weniger.

Spätestens an dieser Stelle machte sich bei der Bunkine, die aufgrund ihrer jungen Lebens und noch kürzeren Lehrjahre der englischen Zunge nicht so mächtig war, um dem Gespräch zu folgen, ein Gefühl des Unbehagens breit. Was sich wenig später steigerte. Und sich schon rein äußerlich durch den Fluss einer salzigen Flüssigkeit über ihr zartes Gesicht zeigte.

Diesen Tränenfluss zu stoppen, weil sie sich schuldig fühlte an der Misere, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der zunehmend frostiger werdenden Konversation mit dem Sicherheits-Menschen, erwies sich als etwas kompliziert. Zumal dieser auch nicht groß Willens war, mir auf Nachfragen zu einigen, mir nicht zwingend geläufigen Vokabeln juristischer Natur auf dem Protokoll-Bogen Erklärungen abzuliefern. Das könnte ich jederzeit und gerne auf dem nächstgelegenen Revier machen, so ich denn wolle.

Wollte ich? Mit meiner Kleinen an der Seite, der schon die Lust auf den geplanten Eye-Flug abhanden zu kommen dohte? Meine Diskussionslust unterdrückend unterzeichnete ich. Und auch die Frage, wie lange diese Daten im UK gespeichert werden würden, erwies sich selbstverständlich als müßig. Außer einem Achselzucken und dem ihm scheinbar lieb gewordenen Verweis auf die nächstgelegene Wache erntete ich nur Hohn und Spott. Ich als Journalist – meinen Job hatte er dann noch erfragt, obwohl der für das Formblatt nicht weiter erforderlich gewesen war – müsse so etwas doch wissen. Ne ja, ist klar. Wahrscheinlich hätte ich auch das Sterbedatum der Queen Mum memoriert haben müssen. Resistance is futile.

Kurz und gut. Es trennten sich unsere Wege. Der vom Sicherheitstypen. Und der von meinem geliebten Taschenmesser. Billy Idol lässt irgendwie grüßen. Es ging ins Eye. Without a knife. Und der Gewissheit, dass ich im UK von jetzt ab bis zum Ende meiner Tage als hochgradig verdächtig und schwerst kriminell angesehen werde.

Falls Sie also künftig meine Gesellschaft meiden wollen, Sie haben mein vollstes Verständnis.

Fersengeld

Das verflixte zweite Jahr, ich hattes anderen Ortens schon mal erwähnt. Und aus gegebenem Anlass hier ein kleines (bitte nicht zu sehr ernst zu nehmendes) Gedicht. Inspiration fand ich in kurzweiligen Redaktionsstunden  bei @alorenza

Der Fußballgot in seinem Zorn
Schickt Union jetzt nach Paderborn.
Und weil’s da keinem recht gefällt
Zahlt man dort reichlich Fersengeld

Die Kronprinzen hinter den glorreichen Sieben

Hannover! Ich war mir so sicher! Ganz klar Hannover! Und das aus dem Kopf heraus. 96, Arminia und – tätä – der OSV! Alle dabei. Doch bevor ich mir zu viel selbst auf die Schulter Klopfen konnte vor Begeisterung, hatten mich die Fakten bei fussballdaten.de eines besseren belehrt. Es waren mitnichten nur die Leinstädter!

Wovon hier die Rede ist? Na von Fußball-Zweitligisten. Besser gesagt von Städten, die seit 1974 mehr als einen Zweitligaklub hervorgebracht haben. Und angeregt dazu hat mich @saumselig, der drüben bei Textilvergehen mal so ganz salopp Berlin ob seiner sieben Zweitliga-Vereine die Hauptstadt der Zweitklassigkeit „schimpft“.

Doch wer oder was, so frug ich mich, nahm hinter den „glorreichen Sieben“ aus Berlin die Vizemeisterschaft ein? Die Antwort oben ist zwar nicht falsch, aber eben nicht vollständig. Denn nicht nur die niedersächsische Landeshauptstadt hatte schon drei Vertreter ins Bundesliga-Unterhaus entsandt, sondern eben auch Köln mit – na logisch – dem langjährigen Ewigen Zweitliga-Tabellenführer Fortuna  (mittlerweile von Alemannia Aachen abgelöst), dem Eff-Zeh und Viktoria!

Auch noch in der Spitzengruppe finden wir, man höre und staune, Ingolstadt! Der ESV und der MTV kickten einst in Liga zwo, nun der Nachfolgefusionsverein der beiden Fußball-Abeilungen, der FC Ingolstadt 04!

Weitere Städte, aus denen jeweils zwei Klubs es in den Unterbau der deutschen Eliteliga schafften:

Hamburg (FC St. Pauli und HSV Barmbek-Uhlenhorst)
Freiburg (der eigentliche Traditionsklub FC und der Lokalrivale SC!)
Bochum (VfL und Wattenscheid 09)
Frankfurt (FSV und Eintracht)
Essen (Rot-Weiß und Schwarz-Weiß)
Würzburg (FV ’04 und Kickers)
Paderborn (TuS Schloß-Neuhaus und SC Paderborn 07)
Gütersloh (DJK und FC)
Stuttgart (VfB und Kickers)
Remscheid (BV Lüttringhausen und sein späterer Nachfolger BVL Remscheid)

Streiten könnte man sich allerdings noch, ob der TSV Havelse als Hannover’sch gelten darf. Dann wäre die Leinestadt doch der Kronprinz hinter unserer geliebten Spreemetropole. Ich plädiere aber eher für Nein. Denn Unterhaching ist ja auch nicht wirklich München.

Vergiftetes Kompliment

„Ihre Interviews vor und nach den Spielen wären auch für die Politik geeignet.“ Soll unser-nicht-aller Bundespräsident, Christian W. aus Niedersachsen gesagt haben. Sah es als Lob an. Und meinte die Herren Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, die neben ihm auf dem Podium im DFB-Pressezentrum des Velmore Grade saßen.

Für die Politik geeignet? Wie bitte? Wie war das mit dem Stellenwert und dem Ansehen von Berufspolitkern, von entscheidungsunwilligen, Pfründe liebenden Parlamentariern, die nur an ihre nächste Wiederwahl denken und darüber das Regieren vergessen?

Weiß der herzensgute Mann in seiner standesgemäßen Selbstverliebttheit eigentlich, was er damit wirklich ausdrückt?