Obstsalat a la Pisa!

Krypotografie ist was Feines. Man tauscht muntere Botschaften miteinander aus und freut sich diebisch, wenn das Gegenüber nur Bahnhof versteht. Nachrichtendienste verwenden nicht wenig Zeit darauf, Botschaften zu chiffrieren oder wieder zu entschlüsseln. Von hinten, von vorne. Und dann nochmal. Hollywood wäre ohne all das um einige Blockbuster ärmer. (Und die Welt trotzdem kein schlechterer Platz)

Manch Botschaft wird heutzutage viel subtiler transportiert. Bewusst offen transportiert. Abkürzungen und Initialen werden durch Zahlen ersetzt. Oder vice versa. Eine der bekanntesten Abkürzungen rund um den Fußball ist das berühmte A.C.A.B. Es steht für „All Cops are Bastards“. Oft und gerne auch als 1312 umschrieben. Dass die so Betitelten sich das wenig gern gefallen lassen und ihrerseits darauf reagieren, oft mit zur Verfügung stehender Amtsgewalt, muss nicht groß erwähnt werden.

Also mühen sich die findigen eher staatsuntragenden Kreise, im Nachfolgenden hier stelltvertretend nur Ultras genannt, ihrerseits, ihre Botschaft verschlüsselt an den Fan rüberzubringen. Und zwar ohne gleich dafür haftbar gemacht werden zu können. Gerne nutzt man dann wohlfeine Symbolbilder, die Eingeweihte schmunzelnd zu deuten wissen. Doch was sich die Herren vom Wuhlsyndikat bei unten abgebildetem als Sticker erhältlichen Obstsalat gedacht haben, lässt einen doch ein wenig ins Grübeln kommen.

FCUB ist das Bekenntnis zum Verein, zum 1.FC Wundervoll (aka 1.FC Union). So weit alles klar. Dahinter angeordnet sehen wir vier harmlose Obstsorten, die sich als äußerst freche Früchtchen erweisen sollen. Entschlüsselt ergibt sich die oben schon erwähnte Schmähung der Herren Ordnungshüter. E voila: und schon haben wir ein fein säuberliches, wohl mundendes ACAB!

Welch Einfallsreichtum. Welch genialer Gedanke. Hübsch, nicht wahr?

Dumm nur, dass das da nicht steht. Glauben sie nicht? Versuchen wir es in unserer lieben Mutterspache: Ananas wie A? Ein guter Anfang! Kokusnuss? Hm, schon irgendwie blöde. Cops enthält nun mal kein K im Wort, egal auf welchen der vier Buchstaben man auch schaut. Eine weitere Einzelfallprüfung brauchen wir nicht mehr. Es ist völlig obsolet, dass Apfel und Banane folgen. Der gewünschte Satz ist kryptologischer Unsinn.

Nun gut, wir wollen mal nicht so sein. Sicherlich wird im Englischen die gewünsche Message voll rübergebracht. Schauen wir doch mal. Und beginnen aus dramaturgischen Gründen von hinten. Banana? Perfekt. Apple? Passt auch. Coconut? Heureka! Habemus C. Das trifft sich ganz hervorragend! Und nun zum finale grande, kommen wir zum Primus dieser Reihe, kommen wir zur – Tusch – Ananas. Äh, Ananas? Ach, Ananas! Musste das denn passieren? Kannst du nicht einmal so, wie wir wollen? Denn diese schöne Südseefrucht lautet in der Sprache der Angel-Sachsen leider auf P an. P wie pineapple.

Wie schade, wie schade. So viel Einsatz. So viel Liebe zum Detail. So schöne Sticker. Aber so viel Unsinn. Ach Pisa, möchte man in seiner Verzweiflung ausrufen.

Wie meinte doch der große Heinz Erhardt? Wie nützlich ist es dann und wann, wenn man ne fremde Sprache kann.

Listen

Eins muss man dem Herr Moritz Adler lassen, er hat Recht. Ich bin nicht Eintracht Frankfurt. Auch nicht für oder gegen. Womit wir schon beim Kern meines heutigen kleinen Exkurses angekommen sind. Ich kann es nicht beeinflussen, aber es ward mir zuteil: Ich bin nicht Eintracht Frankfurt. (Im übrigen auch nicht Schalke oder der HSV, was aber in diesem Fall völlig unerheblich ist) Auch wehren kann ich mich nicht wiklich dagegen. Selbst wenn ich es gewollt hätte wollen. Aber lassen wir das.

Kenner werden es schon gemerkt haben, wovon hier die Rede ist. Es geht um Listen. Genauer gesagt, um Twitter-Listen. Und wer unter meinen Lesern Twitter nicht  mag, folgt oder es überhaupt versteht, wird im folgenden meinen Worten wohl wenig Beachtung schenken müssen. Zumindest heute.

Aber das macht ja nichts. Man muss ja nicht immer und grundsätzlich für alle da sein. Glaube ich zumindest.

Zurück als zu Twitter und den Listen. Diese sind keinesfalls neu, das Für und Wider bestimmt schon anderenorts gründlichst analysiert und gefühlt schon ab urbe condita als lustiges Sortier-Tool vorhanden. Mir machen sie Spaß. Immer wieder ergötzt  mich die Kreativität, mit der andere Twitterer einen in eine selbstgebaute Schublade einordnen.

Eine im übrigen, die sie meist nur selbst verstehen. Aber auf’s Verstehen kommt es ja bei Twitter oft nicht an, eher ums absichtliche Missverstehen. Gerade letzteres ist oft der Fall, wenn man einen neuen Follwer versucht näher kennen zu lernen und diese Listen als Charakterisierungshilfe benutzt.

Ich meine, dass die gute @VictoriaHamburg mich heimlich im „real-life-beobachtet“ ist ebenso erfreulich wie unsinning. Es fällt einem nämlich ungeheuer schwer, seinen Observierungen in gebotener Gründlichkeit nachzugehen, wenn der eine in Hamburg der andere in Berlin sein Wesen treibt.

Auch nicht gerade erbaulich ist die Einordnung in die Gruppe BierbauchBarbies die mir @IreneKapitaene zuteil werden ließ. Sie  hat damit zwar sicher Recht, aber mein Zartgefühl verlangte daraufhin mindestens nach einer 300 gr. Tafel-Vollmilch-Nuss  gefolgt von dem ein oder anderen Gerstenkalschalengetränk, um über diese Schmach hinweg zu trösten. (Was das bitter-böse Vorurteil in eine sich selbst erfüllende Phrophezeiung verwandeln dürfte.) Und bitte jetzt keine sachdienlichen  Hinwiese darauf, dasss ich auch ohne dieses Hilfsmittel den Weg zum liquiden Seelentröster spielend leicht finde. Danke!

Woher die werte @ju-time Abbilder meiner selbst im Adams-Kostüm erhalten hat, erschließt sich mir auch nicht richtig. Muss ich sie mal bei Gelegenheit fragen. Vielleicht handelt es sich um eine gemeinsame Verschwörung mit Frau @frauenfuss. Der Verdacht liegt zumindest nahe. Aber vergleichen sie selbst.

Plumpe Schmeichler sind dabei auch vorhanden. Obwohl, je länger ich darüber nachdenke. Ne, der Mann hat ja doch Ahnung. Aber so was von!!

Zumindest efreulich für mich ist festzustellen, dass man meine Realität nicht ganz leugnet oder mich für einen Bot hält. Dafür zeichnen sich @mainwasser oder @mellcolm verantwortlich, die sich von meinem Dasein vielleicht sogar meiner Daseinsberechtigung hinreichend üebrzeugt haben.

Manch anderer hat dabei scheinbar meine kindliche Ader für sich entdeckt , hex-hex., tief an mir geschnuppert oder mich als Pastorenenkel an höhere Kräfte verloren gesehen.

Kurz, man kann versuchen sich ein Bild von mir zu machen, ohne mich jemals wirklich gesehen zu haben. dass dieses Bild widersprüchlich und sehr facettenreich ist, dürfte hinreichend bekannt sein.

Doch eins muss ich dabei leider betonen.  Es mag etwaigen Berlinbesuchern eine gewisste Enttäuschung bereiten, wenn sie dieser Liste vertrauend von mir Hilfe bei dem Besuch gewisser einschlägiger Etablissements oder das Gefühl für Schnee erwarten. Tut mir leid, nicht meine Baustelle. Aber ich verspreche hoch und heilig, das künftig zu ändern. Ich habe ja nun dank dieser Liste einen Ruf zu verteidigen …

Eye(s) without a knife

Ich hab’s jetzt schriftlich. Nein, wenn ich ehrlich bin, nicht einmal das. Denn eine Kopie wurde mir nicht ausgehändigt. Also müssen Sie es mir einfach mal so glauben. Machen wir’s kurz: Ich bin nicht gerade das, was man guten Umgang nennt. Ich bin – atmen Sie bitte kurz durch – ein Krimineller. Wahrscheinlich sogar ein Schwerstkrimineller! Von mir bis zu den Schulen des Terrors im nahen Osten ist es nur noch ein winzigkleiner Schritt. Doch, doch!

Glauben Sie nicht? Ging mir bis vor kurzem eigentlich auch so. Schließlich zahl ich brav meine Steuern, entrichte meinen GEZ-Obulus. Im Schoß von Mutter Kirche bin ich auch immer noch drin. Und kümmmere mich zudem immer wieder vorbildlich um die darbenden Umsätze notleidender Wirte. Kurz, nichts, was ich mir vorzuwerfen hätte.

Nichts. Außer Ehrlichkeit! Und genau die wurde mir bei einem Ausflug mit der Bunkine zum Verhängnis!

Manch einer hat ja schon mitbekommen, dass ich in den Herbstferien meinen Vaterpflichten fröhnte und das Töchterlein zu einem Trip nach London lud. Und eine der dortigen Attraktionen ist ein berühmtes Riesenrad, das London Eye! Ansehen allein ist nicht. Natürlich wollte das beste Kind von allen auch da rein. Aber so was von! „Du kennst mich doch“, war die einzige Antwort auf die Frage, ob das denn sein müsse.

Wat mutt, dat mutt, heißt es ja. Was allerdings nicht gemusst hätte, war die Personen- und Taschenkontrolle vorher. Rucksack auf, Hand reingeschoben, umgerührt, fertig. Rucksack zurück. Die Laxheit war schon beeindruckend. Und mehr zu mir selber als unbedingt zu der Aufsichtsperson sprach ich die folgenschweren Worte: „Was suchen sie eigentlich?“

„Messer und Waffen“, lautete die lapidare Antwort. Ehe ich es mich versah, sprach ich auch schon aus, dass ich einen seit Jahren treuen Reisebegleiter in dem eigentlich schon durchsuchten Objekt hätte. Mein schönes Taschenmesser, dass sich auf Reisen als unentbehrlicher Helfer entpuppt hatte. Sei es zum Äpfel schneiden für den Nachwuchs. Manch widerspenstige Verpackung gab unter seinem nimmermüden Einsatz den Widerstand auf. Es hatte Holz, Plastik, Obst, Brote und Käse bearbeitet. Weit gereist war das gute Stück auch. In West Virginia hatte es treue Dienste geleistet, in der Toskana war es ein Vorbild an unermüdlichen Einsatz. Sogar über WM-Erfahrung in Südafrika verfügte das gute Stück. Kurz, kaum ein Kontinent, den ich in all meinen Lebensjahrzehnten betreten hatte, war ihm fremd geblieben. Dass sich nun ausgerechnet im Herzen Zivil-Europas unsere Wege trennen sollten, hatte keinem von uns geschwant!

Nun gut, es entbehrt nicht einer gewissen Logik, dass man Stichwaffen nicht in den geschlossenen Gondeln, die Raumkapseln nicht unähnlich sehen, duldet. Wie soll man sonst irgendwelchen potenziellen Amokläufen vorbeugen? Frohen Mutes händigte ich also den getreuen Diener dem verdutzt ob seiner Nachlässigkeit dreinschauenden Bediensteten aus, um es dann nach absolviertem „Flug“ – so die Eigenbeizeichnung für eine Fahrt mit dem London Eye – wieder abzuholen. Ist ja kein Ding.

Doch, der getreue Leser ahnt es vielleicht schon, fehlte ich kolossal mit dieser Annahme, dass das vermeintliche Poblem dadurch aus der Welt geschaffen sei. Erst wurden wir aus der Schlange komplimentiert, dann mit einem abfälligen Blick gestraft, der jedem Misanthropen zu Ehre gereicht hätte. Woher ich das hätte? Ob mir klar sei, das ich hier gegen geltendes Gesetz verstoßen hätte, wurde mit frostiger Stimme gefagt. Im UK sei das Tragen von Messern in der Öffentlichkeit nicht erlaubt. Im Gegenteil, hochgradig verboten. Und eigentlich müsste er mich jetzt bei der Polizei melden. Er würde das Messer jetzt endgültig einziehen und ich müsste eine Einverständniserklärung darüber unterschreiben. Im Wiederholungsfalle würde mir sonstwas bis noch weit mehr drohen. Das näher zu spezifizieren, gedachte er weniger.

Spätestens an dieser Stelle machte sich bei der Bunkine, die aufgrund ihrer jungen Lebens und noch kürzeren Lehrjahre der englischen Zunge nicht so mächtig war, um dem Gespräch zu folgen, ein Gefühl des Unbehagens breit. Was sich wenig später steigerte. Und sich schon rein äußerlich durch den Fluss einer salzigen Flüssigkeit über ihr zartes Gesicht zeigte.

Diesen Tränenfluss zu stoppen, weil sie sich schuldig fühlte an der Misere, bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der zunehmend frostiger werdenden Konversation mit dem Sicherheits-Menschen, erwies sich als etwas kompliziert. Zumal dieser auch nicht groß Willens war, mir auf Nachfragen zu einigen, mir nicht zwingend geläufigen Vokabeln juristischer Natur auf dem Protokoll-Bogen Erklärungen abzuliefern. Das könnte ich jederzeit und gerne auf dem nächstgelegenen Revier machen, so ich denn wolle.

Wollte ich? Mit meiner Kleinen an der Seite, der schon die Lust auf den geplanten Eye-Flug abhanden zu kommen dohte? Meine Diskussionslust unterdrückend unterzeichnete ich. Und auch die Frage, wie lange diese Daten im UK gespeichert werden würden, erwies sich selbstverständlich als müßig. Außer einem Achselzucken und dem ihm scheinbar lieb gewordenen Verweis auf die nächstgelegene Wache erntete ich nur Hohn und Spott. Ich als Journalist – meinen Job hatte er dann noch erfragt, obwohl der für das Formblatt nicht weiter erforderlich gewesen war – müsse so etwas doch wissen. Ne ja, ist klar. Wahrscheinlich hätte ich auch das Sterbedatum der Queen Mum memoriert haben müssen. Resistance is futile.

Kurz und gut. Es trennten sich unsere Wege. Der vom Sicherheitstypen. Und der von meinem geliebten Taschenmesser. Billy Idol lässt irgendwie grüßen. Es ging ins Eye. Without a knife. Und der Gewissheit, dass ich im UK von jetzt ab bis zum Ende meiner Tage als hochgradig verdächtig und schwerst kriminell angesehen werde.

Falls Sie also künftig meine Gesellschaft meiden wollen, Sie haben mein vollstes Verständnis.

Fersengeld

Das verflixte zweite Jahr, ich hattes anderen Ortens schon mal erwähnt. Und aus gegebenem Anlass hier ein kleines (bitte nicht zu sehr ernst zu nehmendes) Gedicht. Inspiration fand ich in kurzweiligen Redaktionsstunden  bei @alorenza

Der Fußballgot in seinem Zorn
Schickt Union jetzt nach Paderborn.
Und weil’s da keinem recht gefällt
Zahlt man dort reichlich Fersengeld

Die Kronprinzen hinter den glorreichen Sieben

Hannover! Ich war mir so sicher! Ganz klar Hannover! Und das aus dem Kopf heraus. 96, Arminia und – tätä – der OSV! Alle dabei. Doch bevor ich mir zu viel selbst auf die Schulter Klopfen konnte vor Begeisterung, hatten mich die Fakten bei fussballdaten.de eines besseren belehrt. Es waren mitnichten nur die Leinstädter!

Wovon hier die Rede ist? Na von Fußball-Zweitligisten. Besser gesagt von Städten, die seit 1974 mehr als einen Zweitligaklub hervorgebracht haben. Und angeregt dazu hat mich @saumselig, der drüben bei Textilvergehen mal so ganz salopp Berlin ob seiner sieben Zweitliga-Vereine die Hauptstadt der Zweitklassigkeit „schimpft“.

Doch wer oder was, so frug ich mich, nahm hinter den „glorreichen Sieben“ aus Berlin die Vizemeisterschaft ein? Die Antwort oben ist zwar nicht falsch, aber eben nicht vollständig. Denn nicht nur die niedersächsische Landeshauptstadt hatte schon drei Vertreter ins Bundesliga-Unterhaus entsandt, sondern eben auch Köln mit – na logisch – dem langjährigen Ewigen Zweitliga-Tabellenführer Fortuna  (mittlerweile von Alemannia Aachen abgelöst), dem Eff-Zeh und Viktoria!

Auch noch in der Spitzengruppe finden wir, man höre und staune, Ingolstadt! Der ESV und der MTV kickten einst in Liga zwo, nun der Nachfolgefusionsverein der beiden Fußball-Abeilungen, der FC Ingolstadt 04!

Weitere Städte, aus denen jeweils zwei Klubs es in den Unterbau der deutschen Eliteliga schafften:

Hamburg (FC St. Pauli und HSV Barmbek-Uhlenhorst)
Freiburg (der eigentliche Traditionsklub FC und der Lokalrivale SC!)
Bochum (VfL und Wattenscheid 09)
Frankfurt (FSV und Eintracht)
Essen (Rot-Weiß und Schwarz-Weiß)
Würzburg (FV ’04 und Kickers)
Paderborn (TuS Schloß-Neuhaus und SC Paderborn 07)
Gütersloh (DJK und FC)
Stuttgart (VfB und Kickers)
Remscheid (BV Lüttringhausen und sein späterer Nachfolger BVL Remscheid)

Streiten könnte man sich allerdings noch, ob der TSV Havelse als Hannover’sch gelten darf. Dann wäre die Leinestadt doch der Kronprinz hinter unserer geliebten Spreemetropole. Ich plädiere aber eher für Nein. Denn Unterhaching ist ja auch nicht wirklich München.

Vergiftetes Kompliment

„Ihre Interviews vor und nach den Spielen wären auch für die Politik geeignet.“ Soll unser-nicht-aller Bundespräsident, Christian W. aus Niedersachsen gesagt haben. Sah es als Lob an. Und meinte die Herren Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, die neben ihm auf dem Podium im DFB-Pressezentrum des Velmore Grade saßen.

Für die Politik geeignet? Wie bitte? Wie war das mit dem Stellenwert und dem Ansehen von Berufspolitkern, von entscheidungsunwilligen, Pfründe liebenden Parlamentariern, die nur an ihre nächste Wiederwahl denken und darüber das Regieren vergessen?

Weiß der herzensgute Mann in seiner standesgemäßen Selbstverliebttheit eigentlich, was er damit wirklich ausdrückt?

So kann man das natürlich auch sehen

Der allseits verehrte und von den Herren und Damen von www.textilvergehen.de über alle Maßen geliebte Volker Strübing bringt ein kleines Licht in den dunklen Halbfinalkeller. Und vergisst dabei auch nicht, die derzeit Hochkunjunktur habenden Bohrlochwitze mit einfließen zu lassen. Danke!

Bitte nicht – oder es langt

Alles! Nur nicht Port Elizabeth. Wobei der geneigte Leser mir bestimmt jetzt vorhalten wird, dass bei der Wahl zwischen Johannesburg und PE die Bezeichnung „alles“ doch ein wenig übertrieben sein mag. Es würden ja weitere Alternativen fehlen. Hier geht es nur noch um entweder-oder! Alles wäre also eher der Gipfel denn eine unliebsame, mühsam in Kauf genommene Variante. Was ja stimmt. Ich weiß doch! Aber derzeit fühlt es sich bei mir so an: Alles, nur nicht PE!

Lassen wir es mal hingestellt, dass Jogis Jungbrigade –  nach 13:2 Toren, nach grandiosen Leistungen gegen die alternden „Three Lions“ und eine erschreckend blasse „Albiceleste (die war mehr  kreidbleich als himmelblau-hochjauchzend.) –  es einfach verdient hat ins Endspiel einzuziehen. Unwichtig, dass keine Mannschaft im Turnierverlauf so herzerfrischenden One-Touch-Football zelebriert hat..

Mich treiben ganz persönliche Motive. Ich mag hier unten nicht mehr reisen. Es langt.

Spiel Nr. 1 in Durban gegen die „Kicker von Oz“ bedeuteten seinerzeit einen echten 24-Stunden-Trip für uns. Aufstehen um 4 Uhr morgens, hin zum Flieger (spätere seien angeblich nicht möglich gewesen) und Abends nach dem kick wieder zurück. Punkt 4 Uhr des nächstens Tages lag man dann in den Federn. (Den Euphemismus möge man mir verzeihen, denn die Südafrikaner kennen eher keine Daunenbetten).

Spiel Nr. 2 in Port Elizabeth gefiel durch ähnliche Abflugzeiten. Einzig die Rückkehr verkürzte sich durch das Nachmittagsspiel ein klein wenig. Oder hätte sich verkürzen sollen, wenn nicht hübsche, fast zwei Stunden lange  Wartezeiten einem es ermöglicht hätten, den netten Aufenthalt am Gate ein klein wenig zu Gunsten hübscher Rollbahnstudien auszudehnen. Ergebnis: Nicht ganz vier Uhr!!

Spiel Nr 3: Johannesburg. Hach! Kurze Wege, kurzfristige Heimkehr. Aber Abendspiel. Also auch nicht vor 1.30 Uhr im Bett.

Spiel Nr:4 : Zu dicht für den Flieger, fast zu weit fürs Auto! Was tun? Doch die Karre genommen. Abflug morgens um 7 Uhr. Zum Augleich fuhr der einstmals stolze Wagen aus bayerischer Fertigung  auf der Rücktour nur auf drei Töpfen. Ankunft in Centurion: Siehe recht weit oben. Das 4:1 erfreute, änderte aber nichts an den Reisestrapazen. Ölsardinen waren nix gegen uns als Trio auf der Hinterbank. Und das über 450 km. Und dabei handelte es sich kinesfalls um gute, ale deutschen Autobahn-Kilometer …

Reise Nr. 5 führte ins wunderschöne Kapstadt. Wieder wart ein frühmorgendlicher, eher noch nächtlich zu nennender Flug fällig. Diesmal am MD – 1 (Matchday minus one) wie es so schön bürokratisch im FIFA-deutsch heißt. Eine Übernachtung im V&A Waterfront war mit inbegriffen. Und der Flieger zurück hob mit 23.37 Uhr recht pünktlich ab. Nach zwei Stunden Flugzeit brache es dann unser Fahrer fertig, nicht den längeren, dafür aber schnelleren Weg über die Autobahn zu wählen, sondern mittenmang durchs nächtliche Pretoria hieß die Devise.  Ergebnis: Home, sweet home so gegen 3 Uhr.

Reise Nr 6. steht nun bevor. Erneut ruft Durban am MD-1. Da dort keine Rückkehr am Abend des Kicks möglich ist, heißt das – neben zwei Übernachtungen  fern des HQ – Rückkehr einen Tag später. Ja doch, wieder in aller Hergottsfrühe. Von der Zimmersuche will ich hier gar nicht reden. Die wurde gaaaaaanz unwesentlich erschwert, weil wir als Autoren-Kollektiv zu viert unterwegs waren. Zimmer frei?  Nix da. Alles ausgebucht im Umkreis von 25 km! Und das, was einem nach langer Recherche unter die Flinte kam, hatte Preise, bei denen jeder Apotheker hochgradig beleidigt gewesen wäre, wenn seine Zunft damit in Zusammenhang gebracht worden wäre.

Wenn Sie jetzt noch bitte freundlicherweise in Betracht ziehen mögen, dass ich einen ganzen Tag fern des HQ und der Kollegen auf der Jagd nach den Aussis veracht hatte, zwei Tage mittendrin auf den Spuren der Engländer in Rustenburg verbrachte und auch einen Tag vergeblich zu den Argentiniern wollte, weil mein Fahrer drei Stunden zu spät von einem Termin kam und dann den Weg nicht wusste (wohl aber wie man am sichersten in den Feierabendstau von Pretoria kommt), dann werden Sie vielleicht verstehen.

Es langt! Alles, nur nicht PE. Denn das Spiel um Platz drei wäre nochmal mit einer zweitägigen Flugreise zu veranschlagen. Die Rückkehr am Finaltag brächte gar zu viel Kurzweil. Flughafen, HQ, Koffer packen, hin zum Endspiel nach Soccer City, um frühenstens 1 Uhr nachts wieder zurück. Und am nächsten morgen stünde dann der Flieger sda zurück in die Heimat, zurück nach Berlin.

Bitte nicht. Jungs, macht am Mittwoch gegen Spanien keinen Scheiß! Ich will hernach nur noch in die Soccer City!

Futsch

Am Toreingang zum All Seasons machte ich mir noch keine großen Gedanken. Okay, irgendwo, wird er schon sein. Irgendwo in den Tiefen des Raumes, äh der beiden voll gestopften Taschen. Wenige Minuten drauf und ein echtes Suchkommando später steht fest: Futsch! Er ist futsch! Der Schlüssel zu unserem Guesthouse. Der zur elektrischen Schließanlage. Und der Haustür. Und schon setzt das große Entsetzen ein. Das kann teuer werden …

Sollte das womöglich die späte Rache dafür sein, dass ich mich über einen Kollegen lustig gemacht hatte??

Mist. Mist. Und nochmals Mist! Das hat man nun von diesem übereilten Quartierwechsel. „Du musst zu den Engländern“, hatte es nur kurz am Frühstückstisch geheißen. Die saßen kanpp zweieinhalb Autostunden von uns entfernt. Also kurz zwei Taschen gegriffen, Laptop, Handys, Kamera etc pp. reingeworfen, den Kollegen nicht groß adieu gesagt, und ab dafür.

So weit, so gut. Wo man nächtigen wüde, würde man sehen. Sah ich dann auch. Nach einigem Suchen. Den Rustenburg war überbucht. Und so fand ichn etwas aus purem Zufall. Dafür aber für rund ein Drittel des Preises, den ein vorab buchender Kollegen von Welt zu berappen hatte.

Egal. War eigentlich nicht wichtig. Wichtiger war da schon eher, dass die Unterkunft sauber, die Landlady überaus freundlich und die beflissenen Geister dienstwillig waren. Zu willig, wie sich später rausstellen sollte.

Wie immer begann ich in einem Kurzzeitquartier nicht groß auszupacken. Alles, was ich nicht vor Ort benötigte, hatte ich fein säuberlich an zwei strategisch übersichlichen Punkten in meinem Zimmer verteilt. In einem Sessel. Und auf der Ablage des Schminktisches, der mir mittendrin als Schreibtisch zu dienen gedachte. Übersichtlich also. Und alles leicht wieder zu finden.

Hatte ich mir so gedacht, in meinem jugendlichem Leichtsinn. Als ich nach der Pressekonferenz in mein Domizil zurück kehrte, ward der Raum jungfräulich. Kein Rucksack mehr zu sehen, keine Jacken. Nüscht. Doch keine Panik. Ein kurzer Blick in den Schrank und alles hatte wieder seine Richtigkeit. Bzw schien zu haben. Womit ich nicht gerechnet hatte, dass Kleinutensilien von den Hauselfen anderenorts, in einer Schublade unterhalb der Schminkkommode deponiert worden waren.

Und nun, sie ahnen es bereits, was kommen muss. So kam es auch. Bei meiner Abfahrt blickte ich mich zur Sicherheit überall um. Im Bad, im Schrank. Sogar in der – weil Winter – unbenutzten Außendusche. Alles schick. Alles beisammen. Und ab gen Heimat. Was natürlich unterblieb, der Blick in die einzelnen Schubladen. Warum auch? Ich hatte sie ja nie angefasst!

Künstlerpech …

Ein Tor, der nicht dafür ist

Ach was ein Jammern und Wehklagen. Ein Lamentieren und Gezeter. Vier bis fünf Mal kam  Capellos Fabio von selbst darauf zu sprechen, ohne auch nur eine weitere Erklärung für die biedere Balltreterei seiner Eleven zu finden. Dieses ach so hundsgemeine, das Spiel verfälschende,  nicht gegebene Wembley-Tor. „Wir haben hier fünf Schiedsrichter …“ ließ sich der Herr C. aus „Bella Italia“ hinreißen. Den Rest können sie sich denken und erspare ich mir nach der „Battle of Bloemfontein“, die hier unten mit der wunderschön doppeldeutigen Überschrift „Out of this World“ in der Beilage der Times (u.v.a.) verschlagzeilt wurde.

Für diejenigen unter uns, die es derzeit schaffen, sich dem ganz normalen WM-Wahnsinn zu entziehen und/oder auch mit dem Begriff  „Wembley-Tor“ partout nichts anfangen können, sei zur geflissentlicher Lektüre dieser Beitrag hier anempfohlen

Schon klar, dass jetzt allen Ortens von Experten (und denen die sich dafür halten), der sofortige Einsatz des Videobeweises, des Chips im Jabulani (Intel inside), und mindestens der Einsatz von Amnesty International, wenn nicht gar einer multinationalen, Friedens stiftenden Einsatztruppe gefordert wird.

In all dem hysterischen Geschrei geht derzeit völlig unter, dass einmal mehr eine andere Unsitte Einzug in das Spiel der Spiele gehalten hat. All dies Grapschen, Reißen, Zerren am Outfit! Das Halten, Zupfen und Zergeln. Kurz diese ungeahndeten Textilvergehen sind meist in schönster Regelmäßigkeit in Superzeitlupe zu bewundern.

Hier wäre nun der Hebel so einfach und kostengünstig anzusetzen. Keinerlei modernes, teueres Hilfsmittel müsste zum Einsatz gebracht werden. Die ach so oft beschworene Einheit der Fußballfamilie durch alle Ligen von ganz oben bis in die Kreisligen C, die Gleichheit der Regeln für alle, wäre  gewährleistet. Auch der Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes nicht verletzt. Kein elektronisches Auge wäre vonnöten. Die Lösung wäre so simpel!

Ich fordere hiermit ultimativ die Anschaffung von Trikots aus Materialien wie Krepppapier! Oder aber zumindest eine zeitgemäße Perforation, wie sie uns im Alltag beispielsweise beim Toilettenpapier ständig begegnet.

Es wäre endlich Schluss mit diesen, den noblen Geist des Spiels verletzenden Übergriffen. Ein Videobeweis schlicht nicht mehr erforderlich. Die Unparteiischen könnten mit dem bloßen Auge die Vergehen erkennen und mittels Schnellgericht ahnden. Die Beweislast läge ihnen zu Füßen oder hing in Fetzen am malträtierten Kickerkörper herum.

Positiver Nebeneffekt: Die Herren Ballspieler müssten sich ja erfolgtem Vergehen sofort wieder neu einkleiden. Was der notleidenden Textilindustrie ungeahnte Umsatzsteigerungen bescheren würde. Zudem könnte die stets zum reinen Wohle der Fußball treibenden, unermüdlich nach neuen Einnahmequellen suchende  FIFA all die zusätzlichen Spielunterbrechungen mit hübschen Werbeblöcken füllen. Womit allen eigentlich allen gedient wäre, oder?

P.S. Bevor ich es vergesse. Meine liebenswerten Kollegen beim Berliner Kurier haben bei ihren unermüdlichen Recherchen im „www“ (Worldcup Wide Web) natürlich den untrüglichen Beweis gefunden, dass Herr C.  aus I. schlicht irrt. Kuckst du hier: Kein Tor!

P.P.S. Mein illustrer Dank gilt dem Herrn @ ZwWdF, bei dem ich viaTwitter obiges Bild gefunden habe.