Danke, es langt

Wieder mal ein Kompliment abgestaubt. Diesmal in der Kategorie „So wie du aussiehst, sollte es dir nicht schwer fallen ein Mädel zu finden.“ In den letzten Monaten gab es oft „Du bit ein toller Mann“. Oder: „Wenn ich nicht mit mienem Schatz zusammen wäre, dann …“ Das ganze auch noch von den Frauen, die sie gut kennen oder sich sogar ihre Freundin nennen.

Alles toll. Und doch so wenig hilfreich. Denn der Rest der Frauenwelt scheint eben nicht so zu denken.

Kettcar

ist also nicht von mir, trifft aber meine Stimmung gut:

alt die bitteren momente in fragmenten auf dem boden.
hier die summe unseres alltags in zwei gepackten koffern.
diese 2-zimmer altbau. dieses kleine idyll.
was ich noch sagen wollte, ach, ich sag schon zuviel.
das alles hier, das was noch ging, ging von allein.
das alles hier dreht sich um waschen, anziehen,
losgehen und begrüßen.

lass mich wissen, was anders wird, wohin es führt,
wie viel es bedeutet, was hier passiert,
wie lange es dauert bis die milch sauer ist,
wie viel man behält und wie viel man vermisst.

Die Milch ist mir schon lange sauer. Und mehr als aufstehen, anziehen, irgednwie funktionieren im Alltag und vermissen ist auch nicht drin. Und alles andere wird behindert durch die blöde Knöchelverletzung und die wenige Tage später zutage getretene Kapselentzündung in der Schulter. Damit ist an Sport nicht zu denken (mindestens weitere 14 Tage nicht), und der lenkt doch so schön ab. In meine Stammkneipe Margarete habe ich jetzt schon den Spitznamen Marvin weg. Klasse …

Konflikt weitet sich aus

Und nun? Jetzt hat meine/unsere gute Freundin K. ein Problem. Wen einladen zu ihrem 30. Wiegenfeste? Sie will es sich mit keinem von uns verderben. Ist ja ihr gutes Recht.

Mir fallen dazu nur DtH ein:

Irgendwann kommt für jeden mal der Tag,
an dem man sich entscheiden muss,
auf welcher Seite man im Leben ist,
auch wenn es noch so sehr weh tut.

Warum?

Sie hat geweint. Nein, nicht bei mir. Die Blöße gibt sie sich nicht. Sondern bei unserer gemeinsamen Freundin. Sagte, sie sei so unglücklich.

Was will sie? Mitleid? Oder dass sich die Situation ändert? Dann soll sie mal ihre Verhaltensweisen überprüfen, ob sie nicht auch Fehler gemacht haben könnte. Vielleicht kommt sie dann drauf.

Ich habe ihr genug Signale gesendet. Irgendwann kann man nicht mehr.

Wanderwitz

Es gibt da einen politischen Witz aus der Zeit des Dritten Reiches. Ein Engländer stellt fest, dass die Deutschen drei Eigenschaften besitzen: sie seien intelligent, aufrichtig und nationalsozialistisch. Nur leider, so sein Bedauern, träfen immer nur zwei dieser drei Eigenschaften gleichzeitg zu.

Abgewandelt trifft der imho auch auf Frauen zu. Nur, dass man dann vier Eigenschaften nennen muss.

Frauen sind gut aussehend, intelligent, ehrlich und interessieren sich für Fußball.

Wenn sie aufrichtig ist, gut aussehend und intelligent, dann interessiert sie sich nicht für Fußball.

Wenn sie sich für Fußball interessiert, ehrlich ist und intelligent, dann sieht sie nicht gut aus.

Wenn sie gut aussieht, ehrlich ist und sich für Fußball interesiert, hat sie – vorsichtig ausgedrückt – die Weisheit nicht gerade mit Löfeln gefressen.

Wenn sie hübsch ist, clever und auch Fußball mag, dann ist sie leider nicht ehrlich …

Letzteres Exemplar war die Frau, die ich liebe. Tja, Künstlerpech …

Manche Dinge erledigen sich von selbst

Ich hätte mir das Grübeln sparen können. Denn auf einmal musste ich keine Entscheidung treffen. Böse umgeknickt beim Fußball, musste dann zur Arbeit. Und da ich keine Chance hatte, den Knöchel zu kühlen wurde er natürlich hammermegamäßig dick. War ich froh, als ich endlich zu Hause war, das Eispack drauf legen konnte. Party fiel also aus, Vielleicht auch besser so.

Ärgerlicher waren da schon die knapp vier Stunden die ich dann am Sonntag im UKB zugebracht habe. Gebrochen ist zum Glück nichts. Aber Auftreten konnte ich auch nicht. Gut, dass ich noch die Krücken von meiner Meniskus-OP Anfang Juni hatte. Sonst wäre ich hilflos gewesen. Diesmal nicht, auch wenn der vierte Stock nicht gerade berauschend ist … Im Juni war S. wenigistens noch da, hat mir geholfen. Nun ja, diesmal muss ich es alleine schaffen …

Späte Ladung

Um Viertel vor Elf klingelte mein Handy. Eigentlich genau zwei Minuten nachdem sie aufgelegt hatte. St. war dran. Ausgerechnet St. Sie war mal ihre Freundin gewesen. Aber eine, die nicht gut für sie war. Und auch nicht für unser Leben. Unzuverlässig, egoistisch. Zu jeder Tages- und Nachtzeit hatte sie angerufen, ihr Herz über die Männerwelt ausgeschüttet. Und davon hatte St. eine Menge und oft zu erzählen, weil sie entgegen ihren eigenen Wünschen ziemlich unstet durchs Leben wandelte, sich wie die Bienen mal hier mal dort niederließ.

Bei ihrem Auszug war St. noch da, half nach Kräften mit. Ohne St. hätte sie damals bestimmt die Kraft nicht aufgebracht. Das ironische daran: wenig später hat sie ohne mein Zutun erkannt, dass St. nicht gut für sie ist, sie ausnutzt. Das Tischtuch zwischen den beiden ist jetzt zerschnitten. Gut für sie. Besser eine späte Erkenntnis als keine.

Wie dem auch sei, ausgerechnet St. lud mich für den nächsten Abend zu ihrer Geburtstagsfete ein. Nicht ganz freiwillig, sondern auf Intervention unser gemeinsamen Freundin K.. Ich wollte da nicht hin. Wegen St. Und doch versuchten mich K. und ihr Freund M. zu überzeugen, ich solle mal wieder unter Leute kommen. Ja sicher richtig, aber doch nicht bei St.! Was also tun? Doch hingehen? Und mir ausgerechnet von St. helfen lassen, die für viele betrübliche Stunden in meiner Beziehung mitverantwortlich gewesen war? Ablehnen? Hätte sie mir übelgenommen. Egal wie kurzfristig ihre Einladung gekommen war. Nun ja. Ich hatte ja Zeit bis zum nächsten Abend, konnte mir das noch ein paar mal durch den Kopf gehen lassen.

Plötzlich war sie da

Plötzlich war sie da. Unangemeldet. Der Schiri hatte gerade angepiffen, als sie auf der Pressetribüne erschien. Seit fünf Tagen hatte sie keinen Laut von sich gegeben. Keine Mail, keine SMS, kein Anruf. Und nun stand sie da, als wäre nie etwas passiert. Als wüsste sie nicht genau, dass ihre Anwesenheit mich in meiner Arbeit stören würde. Weil all mein Denken wieder nur bei ihr sein würde. Tauche ich auf ihren beruflichen Terminen auf? Und dazu noch ohne Vorwarnung!

Hatte der Sonntag, als sie mir anchgelaufen war, nicht genug gezeigt? Erst saßen wir in einem Cafe, habe ein paar Gläser getrunken. Und dann leider Gottes doch geredet. Quintessenz: bedingungslose Liebe gäbe es nicht mehr! (Aber ist es nicht gerade ein Zeichen von Liebe, keine Bedingungen zustellen? Sondern einfach zu geben?) Und es sei für sie ein verdammt gutes Gefühl, nicht mehr kontrolliert zu werden. Mit anderen Worten, endlich könne sie tun und lassen, was ihr gefällt, sich in allen erdenklichen Richtungen austoben. Nun ja, wenn es dass ist, was sie will, warum genießt sie es dann nicht und wühlt in der Vergangenheit? Warum mit reden wollen, statt mich mit meinem Schmerz allein lassen?

Dann nahm sie mich doch mit zu ihr. Doch nur um an meiner Schulter zu kuscheln. Und sorry, bei aller Liebe, als normal veranlagter Mann,der seit den rund zwei Monaten seiner Trennung Enthaltsamkeit geübt hatte (oder üben musste ;-)), konte das im wahrsten Sinne des Wortes nicht befriedigen. Wie soll Mann da auf andere Gedanken kommen, wenn ein warmer, weicher, vetraut riechender, stark vermisster süßer Frauenkörper sich an einen schmiegt? Und dann noch die Frau, für die meine Gefühle unvermindert vorhanden sind. Was sie weiß! Also ging ich. Was noch etwas dauerte. Denn rund 15 Minuten standen wir im Flur, redeten in Englisch aufeinander ein. Und als gar nichts mehr ging, kamen all ihre alten Vorwürfe. Weil sie nicht sehen, wollte (Konnte?), dass ich versucht hatte einiges zu ändern. Aber so etwas ist nun mal ein Prozeß und geht nicht von heute auf morgen …

Nun brach sie wieder in meine Welt ein. Eien, die sie zwar im Lauf der Jahr kennengelernt und gelegentlich besucht hatte. Aber die nicht die Ihre war. Zumindest nicht beruflich. Und schon gar nicht private! Eine Welt, die mehr als nur mein Job ist. Da stand sie nun unvermittelt beim Anpfiff. Neue Frisur, neue Jacke (die, die wir vor unserer Trennung gemeinsam angekuckt und dann doch nicht gekauft hatten). Doch kein Wort von ihr an mich direkt. Außer ein, zwei Kommentaren zum Spiel. Auch danach war sie irgendwo von der Bildfläche und im VIP-Raum verschwunden. Als ich schon längst gegangen war, kam ein dann ihr Anruf, wo ich denn sei. Ob ich nicht noch in den VIP-Raum käme? Klasse!

Sie ist mir nachgelaufen …

Sie ist mir nachgelaufen. Eineinhalb Tramstation lang. „Bleib doch mal stehen“, flehte ihre Stimme aus dem Handy. Als ich mich umdrehte, sah ich sie an der Kreuzung hinter mir. Die Ampel war rot.

Dabei hatte ich ihr doch zu verstehen gegeben, dass ich sie nicht sehen wollte. Wirklich nicht konnte. Ihre Mail in der sie um ein Treffen am selbigen Abend bat, war auch so sachlich gewesen, so unpersönlich, als ob man ganz beiläufig einen alten Bekannten nach Jahren mal wieder rein zufällig getroffen hat.

Freiräume für sich selber fordern, ach was rede ich, die totale Freiheit verlangen, sie sich immer hinten rum heimlich zu nehmen, aber jetzt mir den nötigen Abstand nicht gönnen wollen. Den Abstand, den ich einfach brauche, um meiner Gefühle Herr zu werden.

Trotz meiner E-Mail-Absage hatte sie dann angerufen. Seit Wochen erstmals auf dem Handy und nicht hinten rum auf meinem Festnetz. Also dort, wo kein Anrufbeantworter dran ist, sondern ich nur die ISDN-Nummer erkennen kann. Jetzt der Anruf auf meinem Handy: Wo ich denn sei. Sie würde hinkommen. Ich wollte nicht. Und sagte es ihr noch mal. Und deutlich. Weil ich keinen Sinn darin sah. Wir würden doch wieder nur in alte Verhaltensmuster fallen. Daher mein eiliger Aufbruch. Und während ich die Alle runter eilte, dem Alex entgegen, kam sie mit der Tram hoch. Mich sehen, an der nächsten Haltestelle raus springen und mir nachrennen und gleichzeitig anrufen war eins: „Bleib doch mal stehen!“ Und da stand sie nun …

Irgend was bleibt immer

Was macht eigentlich, wenn man alle Rätsel des Tages geraten, alle Sudokus dieser Welt gelöst hat? Die Steuererklärung? Wäsche waschen, aufhanängen und wieder abnehmen. Und dann selbst bei so einer mechanischen Verrichtung stellt man fest: irgendwas bleibt immer. Wie ihr „Socken-Memeory“. Das passende zueinanderfinden zweier einzelnen Strümpfe, damit sie das bilden, was wir nicht mehr sind.

Immer mehr wächst die Wut und Enttäuschung über mich selber. Das ich all die Zeichen nicht sehen wollte, die Augen davor verschlossen habe und immer weiter rein investiert habe in etwas, was längst tot war. Das all die Gespräche über Zukunft leere Rituale waren, wenn ihr Handeln eine immer andere Sprache sprach.

Nun ja, selber schuld.

Einsamkeit ist langsamer, qualvoller Tod.

Irgend was bleibt immer