Vorsprung durch Technik?

Sonntag, eine Fahrt nach Hamburg. Union kickte beim HSV II. 14 Uhr war Anstoß. Einfache Strecke von Berlin aus. Abfahrt Punkt 9.45 Uhr. Rauf auf die A 24, dann wie beim eisgekühlten Bommelunder einfach immer geradeaus. Bis zur Hansestadt halt. Dort flugs die Horner Rampe raus, anschließend nur easy going zum Was-weiß-ich-denn-wie-dieses-Stadion-gerade-mal-wieder heißt. So weit der Plan.
Ein guter Plan. Doch leider hatte es ja schon der gute Bert Brecht beschriehen: ja mach nur einen Plan und sie ein großes Licht und mach auch einen zweiten Plan, geh’n tun sie beide nicht. Denn was in der Theorie so einfach scheiterte an der normativen Kraft des Faktischen. Vollsperrung der A 24 vor der Abfahrt Horn in beide Richtungen wegen Brückenarbeiten. Megastau schon vor Jenfeld. 3-2-1, ne nicht ebay. Sondern Spurverengung und Ableitung über Abfahrt Jenfeld. Eine Schnecke hatte recht gute Aussichten einen dabei zu überholen, so sie denn dazu gewillt gewesen wäre.
Das Problem : Hilfe-wo-bin-ich? konnte noch einfach gelöst werden. Navi angeschmissen. Dieses Wunderding moderner Technik, das einen mit einer liebsäuselnden Frauenstimmen wie Geisterhand sicher von dort nach da führt. Dank dem stattlichen Exemplar von Beifahrer neben mit, der technikverliebt ohnehin schon während der Stauzeit uns absolut beruhigt hatte, weil sein automatisches Verkehrs-Leitsystem die Zeit bis zur Ankunft hochrechnete. Und von Minute zu Minute uns klar machte, den Anstoß werden wir wohl nicht mehr erleben.
Um auf Nummer sicher zu gehen, schmiss er neben dem Navi in seinem Handy auch noch das Bordeigene an. Doppelt gemoppelt hält besser. Klappte auch formidabel. Die Informationen ratterten nur so hervor. Im Ton freundlich, in der Sache aber bestimmt wiedersprachen sich jetzt beide Damenstimmen ob der einzuschlagenden Routen, der Entfernung und der vorausberechneten Ankunftszeit. Die ein wollte nach rechts, die andere nach Links. Mal wies die eine weniger Kilometer zum Ziel auf, mal die andere. Fehlte nur noch, dass die beiden sich einen echten Zickenkrieg geliefert hätten … Und wehe man wagte seine rudimentären, aber durchaus vorhandenen Ortskenntnisse einzusetzen und intuitiv einen eigen Weg einzuschlagen. Dann waren beide Damen vollends beleidigt Eine Aufforderung zu Umkehr war das mindeste, was sie einem zur Wiedergutmachung abverlangten.
Und mittenmang in der Hansestadt auf einmal neben uns der Wagen des Union-Präsidenten. Voll besetzt. Und sportlich unterwegs zu dem gleichen Ziele wie wir. Den verloren wir allerdings in Bälde aus den Augen, weil er offenbar weder der einen noch der anderen Damen folgen wollte, sondern sich für Variante C entscheiden hatte, die meine beiden Mimosen so gar nicht präferrierten. Wie müssen die sich geärgerte habe, als dann der Präsi das Ziel (wie es sich für einen modernen Industrieboss gehört just in time) auch noch zwei Minuten vor uns erreichte? Ob der ein männliches Navi besaß?

Hätte meine beiden Damen gerne mal dazu befragt. Aber die schwiegen ja jetzt am Ziel angezickt rum.

Plötzlich war sie da

Plötzlich war sie da. Unangemeldet. Der Schiri hatte gerade angepiffen, als sie auf der Pressetribüne erschien. Seit fünf Tagen hatte sie keinen Laut von sich gegeben. Keine Mail, keine SMS, kein Anruf. Und nun stand sie da, als wäre nie etwas passiert. Als wüsste sie nicht genau, dass ihre Anwesenheit mich in meiner Arbeit stören würde. Weil all mein Denken wieder nur bei ihr sein würde. Tauche ich auf ihren beruflichen Terminen auf? Und dazu noch ohne Vorwarnung!

Hatte der Sonntag, als sie mir anchgelaufen war, nicht genug gezeigt? Erst saßen wir in einem Cafe, habe ein paar Gläser getrunken. Und dann leider Gottes doch geredet. Quintessenz: bedingungslose Liebe gäbe es nicht mehr! (Aber ist es nicht gerade ein Zeichen von Liebe, keine Bedingungen zustellen? Sondern einfach zu geben?) Und es sei für sie ein verdammt gutes Gefühl, nicht mehr kontrolliert zu werden. Mit anderen Worten, endlich könne sie tun und lassen, was ihr gefällt, sich in allen erdenklichen Richtungen austoben. Nun ja, wenn es dass ist, was sie will, warum genießt sie es dann nicht und wühlt in der Vergangenheit? Warum mit reden wollen, statt mich mit meinem Schmerz allein lassen?

Dann nahm sie mich doch mit zu ihr. Doch nur um an meiner Schulter zu kuscheln. Und sorry, bei aller Liebe, als normal veranlagter Mann,der seit den rund zwei Monaten seiner Trennung Enthaltsamkeit geübt hatte (oder üben musste ;-)), konte das im wahrsten Sinne des Wortes nicht befriedigen. Wie soll Mann da auf andere Gedanken kommen, wenn ein warmer, weicher, vetraut riechender, stark vermisster süßer Frauenkörper sich an einen schmiegt? Und dann noch die Frau, für die meine Gefühle unvermindert vorhanden sind. Was sie weiß! Also ging ich. Was noch etwas dauerte. Denn rund 15 Minuten standen wir im Flur, redeten in Englisch aufeinander ein. Und als gar nichts mehr ging, kamen all ihre alten Vorwürfe. Weil sie nicht sehen, wollte (Konnte?), dass ich versucht hatte einiges zu ändern. Aber so etwas ist nun mal ein Prozeß und geht nicht von heute auf morgen …

Nun brach sie wieder in meine Welt ein. Eien, die sie zwar im Lauf der Jahr kennengelernt und gelegentlich besucht hatte. Aber die nicht die Ihre war. Zumindest nicht beruflich. Und schon gar nicht private! Eine Welt, die mehr als nur mein Job ist. Da stand sie nun unvermittelt beim Anpfiff. Neue Frisur, neue Jacke (die, die wir vor unserer Trennung gemeinsam angekuckt und dann doch nicht gekauft hatten). Doch kein Wort von ihr an mich direkt. Außer ein, zwei Kommentaren zum Spiel. Auch danach war sie irgendwo von der Bildfläche und im VIP-Raum verschwunden. Als ich schon längst gegangen war, kam ein dann ihr Anruf, wo ich denn sei. Ob ich nicht noch in den VIP-Raum käme? Klasse!

Was tut man nicht alles aus langer Weile

Ich musste dem Monster entfliehen, dass immer hinter meiner Tür sitzt und gierig lauert. Mich sofort anspringt in der Sekunde, wo ich den Schlüssel im Schloss umdrehe und das betrete, was mal ein Zuhause war. Dunkle Bullaugen schauen mich dann an. Da nützt es auch nichts, dass ich die Vorhänge vorziehe.

Also raus. Wieder mal raus. Diesmal zu einem viertklassigen Fußballspiel am anderen Ende der Stadt, dass über 90 Minuten ein knallhartes Plädoyer für die Abschaffung der Oberliga im Allgemeinen und der NOFV-Staffel Nordost im Besonderen war. Grottenkick ist noch untertrieben. Allein die Fehlpässe wirkten einstudiert. Aber es lenkte ab. Zumindest für die Dauer dieser knapp zwei Stunden.

Doch auch so etwas hat nun mal ein Ende. Und auf der Rückfahrt mit mir selbst gewannen all meine Gedanken wieder die Oberhand.

Einzig die Gruppe von Amerikanern neben mir, sorgte für kurze Abwechslung. Ein kleiner Junge wurde aus Spaß von einer jungen Frau aus Kalifornien zwischen ihren durchaus hübsch anzusehenden Beinen festgekemmt: „You are trapped“, scherzte sie mit ihm. Ich hatte nur eien kurze Frage: „Isn’t it a bit early for a boy that size to be trapped between a womans legs? That will be his fate for ever after …“ Brachte einen verschämten Lacher. Aber keine weitere Unterhaltung. Sind halt doch ein klein bisschen prüde usnere amerikanischen Freunde.

Blieb wieder nur die Margarete. Habe dann um 2 Uhr mit Stühle reingestellt. Und in meiner Wohnung kam das Monster für ein paar Stunden nicht mehr an mich ran. Süßer Schlaf.