Last Exit, Borissov

Wat ein schöner EC-Abend. Tolle Siege von Schalke und Dortmund – zumindest gefühlt -, dazu der 6:1-Lille-Hammer des Stern des Südens. Alle auf Achtelfinalkurs. Und doch alle nicht im Gleichschritt.

Denn während dem BVB ein Remis im Amsterdam reicht, um die K.o.-Phase zu schaffen, muss Schalke gewinnen, um aus eigener Kraft in die Runde der letzten 16 einzuziehen.

Und die Bayern? Die sind der einzige Klub aus dem deutschen Trio, der sich am 5. Spieltag der Champions League nicht selber eine Runde weiter schießen kann. Bate muss patzen, sonst kommt es zu einem Endspiel in München am letzten Spieltag (vorausgesetzt, dass Valencia Lille auch noch putzt).

So kurios es klingt, ist aber so. Selbst ein Sieg in Valencia wäre für das Weiterkommen keine Garantie. Man müsste am letzten Spieltag gegen die Weißrussen zu Hause mindestens remisieren.

Falls die Heynckes-Elf aber patzt, käme nämlich der direkte Vergleich zum Einsatz, da alle drei Kontrahenten 12 Zähler aufzuweisen hätten. Und es zählen zunächst nur die Resultate untereianander. Das schöne 6:1 gegen die hoffnungslos überforderten Franzosen wäre Makulatur. Und in punkto Tordifferenz liegen die Spanier (8:4 Tore) weit vor den Münchnern (3:4) und den Jungs aus dem Osten (5:8).

 

 

Namesdropping

Große Turniere sind immer wieder auch Zeiten, in denen  nach großartig klingenden Synonymen oder Varianten gesucht wird. Manche sind ganz simpel und liegen nun mal auf der Hand. Der Titelverteidiger beispielsweise. Wahlweise auch amtierender Europameister oder Champion. Das Mutterland des Fußballs wird auch immer wieder gerne bemüht, wenn es um die “Three Lions” auf dem Hemde geht. Co-Gastgeber dagegen sind ja erst seit der Euro 2000 in Belgien und den Niederlanden in Mode.

Von der Trikotfarbe leitet sich ja auch einige Spitznamen ab. Kaum ein Kommentator, der an “La Roja” oder „La Furia Roja“ für Spanien oder  “squadra azzura” für Italien. vorbeigeht. Man parliert locker von “les Bleus” oder der „Elftal“ respektive den “Oranjes”, wenn es um Frankreich oder Holland geht. Klingt weltmännisch. Erfahren. Wissend. Gebildet halt.

Danish Dynamite scheint zwar etwas aus der Mode gekommen, ist aber auch noch allgegenwärtig. Die “Olsenbande” ist da derzeit etwas geläufiger aufgrund ihres Trainers Morten Olsen.

Natürlich macht dieses Phänomen nicht vor europäischen Grenzen halt.  Wenn die Vokabel Albiceleste erklingt, weiß jedes Kind, es geht um Messis Argentinier. Die Socceroos für die Fußball-helden aus Down Under ist fast selbsterklärend, wenn man die dortige Fauna kennt.

Berichte über Brasilien hingegen quellen über vor Wörtern wie Selecao, Zauberer vom Zuckerhut oder – eine Nummer schlichter, aber dafür umso häufiger strapaziert – Rekordweltmeister-Erwähnungen. Es kommt wie aus der Pistole geschossen. Rekordweltmei… ? Brasilien!! Na, logo. Ist doch babyeinfach!

Und wir? Niente. Nix. Nada! Selbst die Vokabel Rekordeuropameister liegt als Alternative für ‘schland quasi brach.

Fürchte aber, Häme wird ja gerne mal ausgegossen, dass wir im Falle einer Finalniederlage dann ein neues Synonym bekommen werden. Dann wären wir nämlich alleiniger Rekord-Vize-Europameister ….

Nein, nein und nochmals nein!

Es langt. Schlimm genug, dass das skandalöse Relegationsspiel zwischen Düsseldorf und Hertha BSC uns alle so lange beschäftigt hat. Doch die Auswirkungen sind gravierend, was den ganzen Fußball betrifft. Umso schlimmer aber finde ich ich jetzt die populistische Herangehensweise, die damit einhergehende Undifferenziertheit, die alles verschligende Hysterie, wie künftig der Gewalt und der Eskalation in den Zuschauerblöcken Einhalt geboten werden kann.

Festzuhalten bleibt zuvorderst, dass die Befürworter der Illumination in den Stadien derzeit schlechte Karten haben. Und das leider endlich mal akzeptieren müssen. Nicht nur wegen dieses Vorkommnisses. Und wenn man jemals wieder und sei es nur in Richtung kontrollierter Abbrennzonen gehen soll, ist es derzeit wichtiger, die Füße still zu halten, Übeltäter aus den eigenen Reihen bei seinem Klub – denn es geht ja um Liebe zu seinem Verein, nicht zu seiner Gruppierung, oder? – anzuzeigen und alle Kraft einem anderen Kampfplatz zuzuwenden. Dem Erhalt der Stehplätze!! Und damit auch dem Erhalt von bezahlbaren Einrittskarten.

Ob es nun die Sportbild ist oder die große Gazette mit den vier Buchstaben, fast alle sehen in einer Versitzplatzung ein Allheilmittel, um die Situation in den Griff zu kriegen. Jetzt schlägt erwartungsgemäß auch noch der Innenminister CSU in diese Kerbe. Und liegen damit imho kolossal falsch.

Wo fanden den all die Platzstürme statt? Bei Hertha in der Abstiegssaison 09/10! Beim KSC vor wenigen Wochen. Nun bei der Fortuna. Dies nur als ein paar Beispiele, die mir spontan einfallen. Die Liste ließe sich sicherlich spielend fortsetzen. Alles – huch – mehr oder weniger Sitzplatzstadien!

Wenn dieser komischer Parteipolitiker aus dem Freistaat sich durchsetzt, ist das das Ende der Fußballkultur, die das Millerntor und die Alte Försterei oder auch das Dortmunder Westfalenstadion mit seiner Wand so liebens- und erlebenswert machen.

Versitzplatzung? Will hier jemand wirklich englische Verhältnisse? Also Eintrittskarten nur noch für Besserverdienende?

Gut, dass es wenigstens ein paar Fußballer oder Fußballfunktionäre gibt, die ein wenig mehr Durchblick besitzen.

Vizeminga

Foto: Gunnar Jans

Bayern auf Augenhöhe mit Bayer? Endet die Saison als dreifacher Runners up? Als Tripple-Vize? Oder, wie Kollege @westernworld es so schön vorschlug, als Vizeminga? Wäre schon irgendwie bitter. Spott würde Land auf, Land ab sich Kübelweise auf das Aushängeschild des deutschen Fußballs ergießen. Es täte so weh. Weil ein Scheitern kurz vor dem Zieleinlauf einfach unendlich schmerzvoll ist.

Und es wäre trotzdem eine Leistung.

Denn schauern wir doch einfach mal genauer hin, was die Bajuwaren heuer wirklich erreicht haben. Im DFB-Pokal stehen sie im Endspiel. Sie sind also eine Runde weiter als im Vorjahr, als man im Halbfinale zu Hause (!) an Schalke scheiterte.

Das Cup-Finale, für gewöhnlich eigentlich nur ein Zubrot zur Saison, steht unter besonderen Vorzeichen. Drei Mal in einer Spielzeit  gegen den gleichen Gegner zu verlieren, Saison übergreifend wäre es dann sogar die fünfte Pleite gegen den BVB in Folge(!), wäre ein herber Schlag für das Münchner Selbstverständnis. Es ist also diesmal mehr als nur ein Zubrot, mehr als ein Trostpflaster.  Eine Woche vor dem Endspiel gegen Chelsea in der Champions League will zudem keiner, dass sich ein Negativerlebnis in den Köpfen der Spieler festsetzt.

Der Einzug ins Final “dahoam” in der Königsklasse ist auch eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr. Seinerzeit war ja schon unrühmlich  im Achtelfinale gegen Inter Mailand Schluss, als man nach einem wundervollen 1:0 im San Siro zu Hause  und einer neuerlichen 2:1-Führung im Rücken 30 Minuten dilettierte und den Lombarden zwei Minuten vor dem Ende den Siegtreffer zum 3:2 erlaubte. Von wegen revnchen für das verloren Endspiel von 2010! Diesmal setzte sich die “Mia san Mia”-Fraktion zunächst in der schwersten Vorrundengruppe mit ManCity, Neapel und Villareal souverän durch und triumphierte später im Halbfinale  gegen einen der ganz Großen des Weltfußballs. Das war schon mehr, als man vor der Saison erwarten konnte.

Doch kommen wir zum Kerngeschäft. Kommen wir zur Bundesliga. das die überragenden Dortmunder den Titel würdig verteidigt haben und sich auch noch anschicken, das All-Time-High der Münchner von 79 Punkten aus den Spielzeiten 71/72 und 72/73 mal eben so im Vorbeigehen zu pulverisieren. Sie haben den Titel verdient keine Frage! Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Den Vorwurf, den sich die Heynckes-Elf gefallen lassen muss, ist der der Überheblichkeit zum Rückrundenbeginn, als man sich auf den Lorbeeren der Herbstmeisterschaft ausruhend und nach einem überaus spaßbetonten Trainingslager schon im sicheren Hafen glaubte.

Was also sind die bisher erreichten 70 Zähler wert? Zunächst einmal sicherten sie die Vizemeisterschaft ab. Anders als in der Vorsaison musste man nicht bis zum 33. Spieltag darum zittern, überhaupt an der Quali für die Königsklasse teilnehmen zu dürfen! Auch hier geht der Daumen also zunächst nach oben.

70 Punkte. Das sind fünf mehr als im Vorjahr. Die Spielzeiten 63/64, 64/65 und die Vereinigungssaison 91/92, als die Bundesliga mit 16 Teams respektive 20 Mannschaften am Start waren, müssen wir jetzt bei der Betrachtung außen vor lassen. In also 46 vergleichbaren Jahren Bundesliga-Geschichte hätte das 18 Mal zum Titel gereicht. Acht weitere Male wäre die Meisterschaft dann sogar nur über das Torverhältnis entschieden worden.

Will heißen: Ein Punkt in Köln und die Punktausbeute hätte dem FCB in 26 regulären Spielzeiten die Schale beschert. Sollten Lahm, Schweini & Co. am 34. Spieltag in Köln gewinnen, worauf der geneigte Hertha-Freund ja hofft,  hätte das in 32 von 46 Fällen gereicht, um ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Nicht schlecht, oder?  Nur – s.o. – die überragenden Dortmunder standen dem halt entgegen.

Mit anderen Worten. Auch wenn jetzt alles bitter enden sollte, darf/muss/kann man zufrieden sein!

Wollen Sie wissen, was mich dieses Geschreibsel am Ende interessiert, wenn Dortmund und Chelsea die Cups in den Nachthimmel stemmen sollten? Ja, richtig geraten: Nicht die Bohne!

 

Eisbär zeig die Kralle

Äh, hallo, die Herren Eisbären. Tschuldigung, dass ich in der ganzen Jubel-Arie etwas störe. Ich hätt’ da nämlich mal ne kleine Bitte. Habt ihr Samstags schon was vor. So gegen 15.30 Uhr? Nicht? Prima. Einfach mal kurz auf Schalke vorbeischauen und die Königsblauen weghauen. Ja, ich weiß, nicht ganz euere Spielwiese. Aber irgendeiner muss den Job ja machen. Also tut der Hauptstadt den Gefallen. Ein bisschen Bewegung an der frischen Luft würde euch nach all den Titelfeiereien doch auch gut tun. Und mal ganz ehrlich, schlechter als die alte Dame würdet ihr den Job auch nicht erledigen.

Raul

Raul, Raul, warum vergraulst du dich? Die Antwort ist einfach. Er hat als Fußballer alles erreicht. Meister wird er hier nicht mehr. Aus Gründen. Und er möchte noch mal abkassieren. In einer Liga, weniger anstregend als die in Deutschland oder Spanien. Nachvollziehbar. Finde ich. Wenn auch schade für die kommende Saison. Typen wie er bereichern nun einmal die Bundesliga.

Weniger nachvollziehbar finde ich aber den Hype, der jetzt um ihn entbrennt. In einem Atemzug mit den Spielern des Schalker Kreisels genannt zu werden.

Zugegeben. Er war ein Top-Sportsmann, hat La Liga nicht für die Bundesliga getauscht, um abzukassieren, sondern Leistung geboten. Zwei Jahre lang.

Also nur 24 Monate. Und eben deshalb erscheint es mir etwas komisch, warum seine 7 jetzt auf absehbare Zeit nicht mehr vergeben wird. Sollten solcherlei Ehrungen nicht wirklich historischen Spielern vorbehalten sein?

Zwiespalt der Gefühle

Ich bin hin- und hergerissen. Was soll ich von Herthas 1:4 gegen die Wölfe halten? Eigentlich bin ich ja ein großer Anhänger von Stadtderby reloaded aka Stadtmeisterschaft2.0. Doch die Häme, mit der das eiserne Lager den Niedergang der alten Dame begleitet, stößt mich ab. Sicher, Fußball ist kein Mädchenpensionat. Gesunde Schadenfreude gehört beim Spiel der Emotionen mit Sicherheit dazu. Und natürlich habe ich auch Witze gerissen. Doch, imho, ist es derzeit eher angebracht, sich eisern zurück zu halten. Schon vergessen, wie es uns zwischen 2003 und 2005 erging?

Und die Wahrscheinlichkeit, dass Hertha sich rettet, sinkt mit jedem Spieltag. Ich weiß. Auch wenn ich an anderer Stelle die Blau-Weißen noch nicht abschrieben habe. Rein statistisch gesehen haben sich seit Einführung der Drei-Punkte-Reglung 40% der Ligavorletzten noch retten können. Also sechs von 15 Teams sprangen dem Tod noch einmal von der Schippe. Im Vorjahr gelang sogar dem Schlusslicht das Kunststück. Es ist also noch nicht vorbei. Egal, wie elend es sich anfühlen mag.

Und Otto, der Fünf-vor-Zwölfte, tut mir fast leid. Dabei mag ich ihn nicht besonders. Was soll er denn jetzt anders sagen, als dass er  nicht aufsteckt? Wenn er das täte, möchte ich das Medienecho sehen, dass auf ihn einprasselt. Jetzt, wo er es nicht macht, gehen jedem die Durchhalteparolen auf den Keks.  Wie man es macht, es ist verkehrt…

Wenn ich die Situation der Charlottenburger heuer mit der vor zwei Jahren vergleiche, habe ich rein subjektiv gesehen das Gefühl, dass das Rehhagel-Team besser drauf ist. Denn es spielt – anders als die Hertha unter Wolfgang Funkel – auf Sieg. Und schon der nächste könnte sie auf den Relegationsrang spülen. Und dann wäre sogar noch mehr drin.

Funkels ewige Durchhalteparolen  (“Man muss nicht jedes Spiel gewinnen”) ermüdeten, weil Hertha die ganze Zeit von hinten heraus auf Teufel komm’ raus eine Aufholjagd starten musste, und jeder flehentlich auf den Startschuss wartete. Er wirkte wie ein großer Zauderer, der die Realität nicht wahr haben wollte. Otto ist von anderem Kaliber.

Wie gesagt, ich bin hin- und hergerissen.

Alte Meister

Foto: Matze Koch

Wie jetze? Der Otto mag nicht mehr? Also Klassiker zitieren? Schade eigentlich. Wo doch allein schon seine Verpflichtung hochgradig nach Goethes Faust roch („Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“ – „Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn.“). Aber lassen wir das. Er will halt nicht mehr. Wird bei seinem Sendungsbewusstsein, aber eher kaum der bei der Gauck-Wahl fälschlich angewandten Heine-Adaption (“Denke ich an Bayern in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht”) geschuldet sein. Denn der gute Heinrich H. wurde nicht von den Feinden um seine wohlverdiente Ruhe gebracht. Er sprach nicht von Frankreich, England oder Russland, sondern von seinem Vaterland, welches in munterer Kleinstaaterei vor sich hindilitierte. Aber lassen wir das, Otto hat das bestimmt gewusst. Und zu sagen, frank und frei, dass ihn Hertha NullSechs um den Schlaf gebracht habe, hätte ja nur wieder die Kritikaster auf den Plan gerufen. Von wegen “Flinte ins Korn werfen” und so.

Halten wir fest. Er will nicht mehr. Und kommen wir zurück zu “schade”. Wenn er nicht will, dann müssen wir halt. Und da er ja mal wieder gewonnen hat, man trotz des Tabellenplatzes nicht mehr despektierlich von König Otto, dem Vorletzten hämen kann man getrost beide Varianten anwenden, ohne übermäßig der Schadenfreude geziehen zu werden. Los geht’s.

Steuermann Rehhagel

Otto Rehhagel!
“Wer ist Otto Rehhagel?”
“Otto Rehhagel war unser Steuermann,
aushielt er, bis die Hertha das Ufer gewann,
er hat uns gerettet, er trägt die Kron’,
er  hielt uns oben, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.”

Und weiter im Text:

Der Ring des Ottokrates

Er stand auf seines Daches Zinnen,
Er schaute mit vergnügten Sinnen
Auf all seine Ottonen hin.
“Dies alles ist mir untertänig,”
Begann er gar, der Otto-König,
“Gestehe, dass ich glücklich bin.”

Den hier hätten wir auch noch, passend für einen Mann der von sich sagt, dass seine Pläne immer richtig sind:

Erl-König Otto

Wer reitet so spät im LIga-Wind?
Es ist der Otto nebst Hertha-Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Abstieg nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

Und falls es am Ende nicht langt, hier noch “zwei kleine Nachrufe”

Der Pottonter

Sein Blick ist angesichts der Tabelle
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob’s noch tausend Spiele gäbe
und hinter tausend Spielen keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

und:

Der Handschuh

In seinem Stadiongarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Otto,
Und um ihn die Großen der Krone,
Und droben auf hohem Balkone
Die VIPs beim Risotto.

Und wie er winkt mit dem Finger,
Auf tut sich der weite Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Ein blau-weißer Kicker tritt,
Und sieht sich stumm
Rings um,
Mit langem Gähnen,
Und schüttelt die Mähnen,
Und streckt die Glieder,
Und legt sich nieder.

Und der Gegner in schnellem Lauf
Fegt durch den furchtbarn Zwinger
Mit festem Schritte,
Und aus der blau-weißen Mitte
Nimmt er die Punkte mit keckem Finger.

Und mit Erstaunen und mit Grauen
Muss die alte Dame den Abstieg schauen,

Nur Otto hält oben sein Gesicht:
»Den Dank, Dame, begehr ich nicht«,
Und verlässt sie zur selben Stunde.

 

 

 

 

 

Szenen meines Lebens X

Alles neu, macht der Mai. Auch wenn wir jetzt schon den Juni haben. Aber früher fingen die Eisernen nun mal  nicht an, dem Spielgerät übenderweis nachzujagen. Also ward ihre schmucke Kollektion auch nicht früher zu bewundern. Doch ich staunte nicht schlecht, als ich nicht nur trendige, neue  Klamottten von Neu-Ausrüster Uhlsport entdecken durfte, sondern eine  – von zugegebenermaßen zwei – BSR-look-a-like-Weste. Eine davon trägt meinen Spitznamen.

Nicht, dass der “Bunki der Woche” wirklich neu war bei Union. Und eigentlich auch keine Auszeichnung. Doch zuvor war er halt pinkfarben. Und wie es dazu kam, ist von den Kollegen von www.textilvergehen.de hinreichend erklärt. Und weil bei Union alles Neuhaus ist, und nichts so bleibt, wie es mal war, macht der sich dieser Tage doch glatt Gedanken, den “Bunki der Woche” abzuschaffen und durch etwas Neues zu ersetzen. Stimmt mich irgendwie ein bisschen traurig.

Sommermädels

Ja, doch Sommermädchen, äh Sommermärchen. Auf ein Neues. Und alles schöner und besser. Vor allem hübscher.  Ist ja Frauenfußball. WM. Im eigenen Land. Alles hypt also rum. Beispielsweise ein lokaler Radiosender, der sich heute erdreistete,  sich über die Boulevardblätter dieser Stadt zu mokieren. Warum denn bitte schon die Bundesliga-Spielpläne überall schon zu lesen seien, aber kein einziger WM-Spielplan. Welch Einsatz für die Damen. Wie altruistisch. Und hat überhaupt so gar nichts damit zu tun, dass besagter Sender eine offziziell bei der FIFA lizenzierte Übertragungsanstalt für die Damen-WM ist. Nein, natürlich überhaupt nicht. Das wäre ja im höchsten Maße parteiisch …

Sommermärchen also. Mit Verlaub, gähn! Es wird nicht wie 2006. Es wird nett. Schön. Vielleicht sogar spannnd oder erfolgreich. Aber es wird kein ganzes Land in den Bann ziehen. Da können die gebührenfinazierten noch so sehr rumplakatieren. Und dabei ein klassiches Eigentor schießen. Denn wenn unsere Damen eins hassen und wiederholt öffentlich ablehnten, dann mit dem Profifußball der Herren verglichen  zu werden. Das seien laut Selbstauskunft der Damen zwei unterschiedliche Sportarten!

Doch was machen ARD und ZDF? “Dritte Plätze sind was für Männer” spielen sie auf die WM 2006 und 2010 an, als Jürgens Klinsmänner und Jogis wackere Löwen jeweisl mit Bronze dekoriert vom Weltturnier zurückkamen. Noch schlimmer ist wohl das Plakatv  “Jungs, wir rächen euch”. An wem oder was denn, bitteschön?  Italien für 2006? Gar Spanien wegen der Euro 2008 oder das Aus im Halbfinale in Südafrika?  Kleiner Schönheitsfehler. Die stolzen Iberer mögen zwar Nr. 1 im Weltfußball der Herren sein. Bei den Damen aber sind sie – wie auch die Kickerinnen von der Apenninhalbinsel – nicht mal qualifiziert …