Du, die Wanne ist voll (Szenen meines Lebens XIV, nicht zwingend in chronologischer Reihenfolge)

Mens sana in corpore sano. Nie ward mir das besser bewusst als in diesen Tagen, da mich ein fürchterlicher Rücken plagt. Körper und Geist sind untrennbar miteinander verbunden. Denn neben dem körperlichen Schmerz kommt da noch der geistige Frust hinzu. Nun gut, an beidem bin ich nicht ganz unschuldig. Der Versuch meinen Barbaren zu leveln, weil das dumme Biest Diablo ihn mir immer kurz vor dem finalen Hieb in die ewige Jagdgründe schickt, ist das eine. Mit besserer Taktik sollte ich endlich in den fünften Akt des Computerspiels einsteigen können. Viel schlimmer aber war meine hausgemachte Dummheit, das altgeliebte Computerspiel am Couchtisch betrieben zu haben. Sie wissen schon, eine Muskulatur entspannende Haltung geht anders.

Nun gut. da muss ich jetzt durch. Doppelt. Und natürlich sucht man Abhilfe. Zumindest für den physikalischen Teil, denn das Hirn wird sich erst entspannen,  wenn ich den Teufel erledigt habe und den sehr ehrenwerten Mr. Baal verfolgen darf. Aber zurück zum Nass und meinem Rücken. Ein heißes Bad gehört da zu den Sachen, die gemeinhin als empfehlenswert für Verspannungen gelten. Was mich in die Abgründe der Nostalgie driften ließ.

Denn ich gehöre eher zu den Menschen, die nicht dem heißen Wannengenuss frönen. Ich bin ein Warmduscher. Ist praktischer. Schneller. Spart Wasser. Ist also umweltbewusster und Geldbeutel schonend. Und überhaupt.

Sicher, auch ich stiegt derweilen in das mit heißem Nass gefüllte Porzellanbecken. Meist dann, wenn es mit entsprechenden Düften und netter weiblicher Begleitung gefüllt war. So mit Kerzenlicht, Schaum und prickelndem Schaumgetränk französischer Herstellung. Aber das dient mehr der Belustigung als der Entspannung  und liegt nun auch schon eine Weile zurück. Zumindest das letzte Mal.

Und doch habe ich ob meiner Jugend richtig schöne Erinnerungen an große, dampfausstoßende Gefäße, in denen ich mich räkeln durfte. Es war ein samstäglich Ritual zu den Zeiten, als der Fußball noch nicht auf allen Kanälen lief. Als noch kein Pay-TV am Horizont und Privatfernsehen versuchte, das Bildungswesen zu konterkarieren. Mein ehrenwerter alter Herr und ich stiefelten regelmäßig am sechsten Tag der Woche in den Nassraum. Nur wir zwei. Dafür aber bewaffnet mit einem Kofferradio! Denn es galt der Bundesliga-Konferenz auf NDR 2 zu folgen. Die war mitnichten mit dem Anpfiff zur Stelle. Erst in der zweiten Halbzeit, also da, wo die Spiele spannender wurden, dröhnten die sonoren Stimmen der Kommentatoren durch unsere heilige Hallen, trugen uns auf unsichtbaren Wellen von einem Spielort zum anderen, ließen uns jueblen udn aufstöhnen. Je nach Gusto.

Es war eine Zeit, in der ich als Jungfan der damals drittöstlichsten und heute zweitöstlichsten Bundesligamannschaft arg zu leiden hatte. Davon schrub ich ja schon an andere Stelle. Aber, wie gesagt, es war ein Ritual. Da lagen wir nun im kühler werdenden Nass, lauschten ergriffen den Torschreien. Stets hin- und hergerissen in dem Verlangen, Heißes nachzufüllen oder uns aus der Wanne zu quälen. Denn bis zum Anpfiff der guten alten Sportschau, die seinerzeit nur die Highlights einiger weniger Spiele präsentierte und noch nicht eine allumfassende Berichterstattung für ihr Publikum vorhielt, galt es noch andere Dinge zu erledigen. Mit Schirm, Charme und Melone harrte unser im Dritten. Auch Time Tunnel. Wobei ich mich nicht mehr Recht erinnere, ob das nicht eher nach der Sportschau lief denn parallel. Zumindest lief es, bis das große Fernsehprogramm des Abends begann, stets eingeläutet durch Mr. Tagesschau Karl-Heinz Köpcke.

IMit einsetzender Adoleszenz ging das Ritual zunehmend verloren. Ich trieb mich pfeifenderweis auf Fußballplätzen herum. Samstag die C- Junioren oder irgendwelche Damen, die angeblich das Leistungsniveau der Regionallia inne  hatten Später dann höherklassig. Und als ich dann noch später gar den geliebten Status des Homo studiosus erklommen hatte, waren mir die Wannen in meinen ersten Behausungen verloren gegangen. Und damit wohl endgültig die Vorliebe zum Baden …

Bunkis (B)Allerlei III

Dortmund gegen Bayern. Am drittletzten Spieltag der Saison. Morgen, irgendwann  kurz nach der Prime Time. Ein Zeitpunkt, der für ein spannendes Finale nicht schlecht gewählt sein dürfte. Die Ligamacher hatten also einen Plan. Meister und Vizemeister so kurz vor Schluss, das roch nach einem möglichen Finale, der im puristischen Ligabetrieb ja eigentlich gar nicht vorgesehen ist.  Nach einem (Vor-)Entscheidungsspiel um den Titel. Keine schlechte Idee, also.

Dumm nur für die Herren der DFL, dass die beiden Hauptprotagonisten so gar nicht mitspielen wollen. Die einen waren zu sehr auf Europa fokussiert. Und die anderen? Nun ja, gefräßig wie sonst keiner. Wer konnte denn ahnen, dass diese perfiden Bajuwaren den ehrenwerten Herrn Klopp so schnell Lügen strafen würden mit seiner Ewigkeits-These, dass sie Punkte hamstern würden, als gebe es kein Morgen mehr.

Ja, es gibt noch ein Duell dieser beiden Übermannschaften in diesem Jahr. Aus Vermarktungsgründen wurde es aber kurzfristig nach London verlegt. Ist ja heutzutage en vouge solche Kicks gern in anderer Herren Länder – Vorzugsweise Asien – zu transferieren. Und so mutiert der eigentliche Ligagipfel, das Hochlicht der Spielzeit 12/13 zwischen amtierendem Champion und dem Vize zu einem Stino-Punktspiel zwischen dem neuem Meister und dem aktuellen Vize. Es juckt keinen mehr, ob die Münchner das vierte Auswärtsgegentor der Saison fressen oder ob die stolze Serie von 14 (Rückrunden-)Siegen in Folge reißt. Alles nur noch  technisches Geplänkel,  das Vorspiel vo dem Hauptact. Schade eigentlich!!

Ich will mehr

Ja doch, die Meisterschaft wird nicht mehr in Gefahr geraten. Dazu ist der Vorsprung zu groß. Selbst wenn Dortmund (Sorry für alle LeverkusenFfans, die habe ich mangels Konstanz  nicht wirklich als Bayern-Jäger auf dem Schirm) alle seine noch ausstehenden 15 Spiele gewinnen sollte, wird das nicht langen angesichts der 12 Zähler Rückstand. Die Heynckes-Schützlinge müssten quasi jedes dritte Spiel verlieren, damit der Wettbewerb sich dann über die Tordifferenz entscheiden könnte. Und mal ehrlich, glaubt da jemand daran? Okay, Pleiten in Dortmund und eventuell bei Bayern kalkulieren wir einmal ein. Dann vielleicht noch eine Unvorhergesehene. Wären dann wohl immer noch mindestens drei Zähler Vorsprung. Titel Nr. 23, here you are!

Und doch stellt einen dieser Rückrundenauftakt nicht wirklich zufrieden. Ja doch, zwei Spiele, zwei Siege. Aber es fehlt die Leichtigkeit des Seins, die scheinbare Schwerelosigkeit, mit der die SchwatzGelben durch die Liga spazieren. Die kriegen ja gar nicht mit, wenn sie in Rückstand geraten, sondern ziehen ihren Stiefel durch. Und am Ende ist dann alles wieder schick. Die hauen mal so eben Bremen auf deren Geläuf mit 5:0 weg, dann schicken sie den Club mit drei Dingern heim. Die hören nach zwei Buden nicht auf, die sind gierig nach mehr. Die Rennen, Laufen, Machen und Tun. Die streben nur nach der Vizemeisterschaft und nehmen entspannt mit, was da noch kommen mag.

Und seien wir mal ehrlich, ohne die terrodeskehafte Einlage (so ab 0:40) von Molinaro, der sich danach am liebsten einen Gleichnamigen im Plural gegönnt hätte auf den Schreck, hätte das der erste Stolperstein sein können. Das ist zu wenig. Das macht keinen Spaß. das ist Fußballarbeit pur, die man von biederen Durchschnittsteams erwarten würde, nicht aber von so einem Ensemble von Ausnahmekönnern.

Es naht der Februar. Und mit großen Schritten ein Wettbewerb gegen einTeam, von dem wohl nur die Alten an der Isar noch wissen, wie man es bezwingt. Für die Jüngeren unter euch: Es klingt wie ein Lied aus grauer Vorzeit, aber ja, der FC Rumreich zu München hat die Borussia aus Lüdenscheid Nord schon Mal geschlagen. Etwas, was in den letzten sechs Liga- oder Pokalspielen nicht gelungen ist. Schmerzhaft misslungen ist, muss man bei fünf Pleiten anmerken. Und auch das Remis aus der Vorrunde, schmeckte mir nach vierfacher Meisterschaftspein und vor allem der Pokalfinalschmach nicht wirklich.

Malen wir den Teufel also einmal an die Wand. Was passiert, wenn am 27. Februar Die Kloppo-Jünger den nächsten Coup gegen Bayern landen? Das würde so viel Wasser auf ihre Mühlen bedeuten, dass auch die Meisterschaft noch mal spannend wird. Denn eins scheint sicher: Klopp hat denen bestimmt verboten Tabelle zu lesen. Also wissen die gar nicht, wie weit sie den Münchnern hinterherhinken, werden also ihren Stiefel weiter runter spielen, sich an sich selbst berauschen, um dann am Ende …

Schlechte Zeiten, Kamerad?

Ja, doch. Borussia Dortmund war die alles überragende Mannschaft der Spielzeit 2011/12. Ein würdiger Meister, ein verdienter Titelträger mit der Rekordausbeute von 81 Zählern. Ist oft genug gesagt und lang genug gewürdigt worden. Doch was sich zeitgleich in den Köpfen meiner Zeitgenossen festgesetzt zu haben scheint, ist die Mär, dass die Bayern eine schlechte Saison gespielt haben.

Ich hatte es an anderer Stelle schon mal kurz skizziert, und möchte jetzt noch einmal nachdrücklich damit aufräumen. Die Spielzeit 2011/12 war eigentlich eine gute. Ja, richtig gelesen. Trotz des dreifachen Vizetraumas. Es war eine gute und dennoch enttäuschende Saison. Glauben Sie nicht? Dann leihen Sie mir mal ihr Ohr.

Zu den Fakten: 73 Zähler und 77:22 Tore – also wie der BVB eine Differenz von +55 – hätten in 49 Jahren Bundesliga-Geschichte bis auf eine Ausnahme immer den zweiten Platz beschert und damit die in der Moderne so wichtige direkte Qualifikation für die Champions League.

Die eine Ausnahme bildet übrigens der derzeit ärgste Bayern-Verfolger Schalke 04, dessen 76 Punkte in der Spielzeit 71/72 nur zu Platz 2 hinter Bomber Gerd Müller, Kaiser Franz & Co. reichte.

Und bevor jetzt jemand kommt mit Vize, dass ist zwar für manche Vereine was für den Briefkopf, für die Bayern aber nix. Das stimmt. Schauen wir doch einfach mal eine Kategorie höher. Und voila! in 46 vergleichbaren Spielzeiten – 63/64 und 64/65 fallen raus mit nur 16 Bundesligisten und die Vereinigungssaison 91/92 mit 20 Teams auch – wäre der Stern des Südens mit seiner Vorjahrsausbeute 32 Mal Meister geworden. In Worten: Zweiunddreißig!

Kuriosum am Rande: Das hätte auch 1992 zum Titel gereicht, bei vier weniger absolvierten Spielen als der VfB Stuttgart. Wenn auch nur aufgrund der Tordifferenz.

Noch Zeit für einen Exkurs? Die Drei-Punkte-Regelung – und die muss man ja vor 1995 als Umrechnungsfaktor heranziehen – hätte übrigens 1983 nicht dem HSV den Titel beschert, sondern dem punktgleichen Nordrivalen Werder Bremen. Der SV hätte mit 75 Zählern triumphiert, die Rothosen wären mit 72 Punkten abgeschlagen als Vize eingekommen.

Na, schon gemerkt? Auch da hätten die 73 Zähler den Münchnern was beschert? Eben!

Interessant zu beobachten ist dabi übrigens, dass im neuen Jahrtausend die 73 Zähler viel seltener einem zur Schale verholfen hätten als in den Dekaden zuvor. In den 60ern hätte es immer gereicht. In den 70ern und 80ern drei Mal nicht. In en 90ern wäre der Sprung ganz oben aufs Treppchen nur einmal verpasst worden. In diesem Jahrtausend aber schon sieben Mal. Bin mir selber noch nicht ganz schlüssig, was das für die Bundesliga an sich heißt. Denn International reüssierte diese in den letzten Jahren ja kaum. Mit Ausnahme der Bayern und deren zwei Finalteilnahmen 2010 und 2012.

Schlüssig erscheint mir aber, dass Robbery, Neuer & Co. in diesem Jahr in der Liga nicht einfach nur gewinnen wollen, sondern echte Duftmarken setzen. Zu sehr nagen die peinlichen Pleiten gegen den BVB, die Pokalfinaldemütigung, am Selbstbewusstsein der Bajuwaren.das gilt es auszuradieren.

Duftmarke Nr.1  ist mit dem Startrekord von acht Siegen in Folge schon gesetzt worden. Sieben Zähler Vorsprung auf Rang zwei gab es seit der Einführung der Drei-Punkte-Regelung 1995 auch noch nie nach 10 Spieltagen. Eine Tordifferenz von +26 ebenfalls noch nie in einer Spielzeit zu diesem Zeitpunkt. Die nächsten Rekorde sind auch schon in Sichtweite. Sechs Spiel auswärts ohne Gegentor könnten schon im Derby beim Club (17. November fallen. Man darf echt gespannt sein, was und wie viel die Bayern holen.

 

Passt doch …

Auferstanden aus Ruinen
Und der Zukunft zugewandt,
Laß uns dir zum Guten dienen,
Hertha, einig Otto-Land.
Alte Not gilt es zu zwingen,
Und wir zwingen sie vereint,
Denn es muß uns doch gelingen,
Daß die Sonne schön wie nie
Über der alten Dame scheint

Vizeminga

Foto: Gunnar Jans

Bayern auf Augenhöhe mit Bayer? Endet die Saison als dreifacher Runners up? Als Tripple-Vize? Oder, wie Kollege @westernworld es so schön vorschlug, als Vizeminga? Wäre schon irgendwie bitter. Spott würde Land auf, Land ab sich Kübelweise auf das Aushängeschild des deutschen Fußballs ergießen. Es täte so weh. Weil ein Scheitern kurz vor dem Zieleinlauf einfach unendlich schmerzvoll ist.

Und es wäre trotzdem eine Leistung.

Denn schauern wir doch einfach mal genauer hin, was die Bajuwaren heuer wirklich erreicht haben. Im DFB-Pokal stehen sie im Endspiel. Sie sind also eine Runde weiter als im Vorjahr, als man im Halbfinale zu Hause (!) an Schalke scheiterte.

Das Cup-Finale, für gewöhnlich eigentlich nur ein Zubrot zur Saison, steht unter besonderen Vorzeichen. Drei Mal in einer Spielzeit  gegen den gleichen Gegner zu verlieren, Saison übergreifend wäre es dann sogar die fünfte Pleite gegen den BVB in Folge(!), wäre ein herber Schlag für das Münchner Selbstverständnis. Es ist also diesmal mehr als nur ein Zubrot, mehr als ein Trostpflaster.  Eine Woche vor dem Endspiel gegen Chelsea in der Champions League will zudem keiner, dass sich ein Negativerlebnis in den Köpfen der Spieler festsetzt.

Der Einzug ins Final „dahoam“ in der Königsklasse ist auch eine Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr. Seinerzeit war ja schon unrühmlich  im Achtelfinale gegen Inter Mailand Schluss, als man nach einem wundervollen 1:0 im San Siro zu Hause  und einer neuerlichen 2:1-Führung im Rücken 30 Minuten dilettierte und den Lombarden zwei Minuten vor dem Ende den Siegtreffer zum 3:2 erlaubte. Von wegen revnchen für das verloren Endspiel von 2010! Diesmal setzte sich die „Mia san Mia“-Fraktion zunächst in der schwersten Vorrundengruppe mit ManCity, Neapel und Villareal souverän durch und triumphierte später im Halbfinale  gegen einen der ganz Großen des Weltfußballs. Das war schon mehr, als man vor der Saison erwarten konnte.

Doch kommen wir zum Kerngeschäft. Kommen wir zur Bundesliga. das die überragenden Dortmunder den Titel würdig verteidigt haben und sich auch noch anschicken, das All-Time-High der Münchner von 79 Punkten aus den Spielzeiten 71/72 und 72/73 mal eben so im Vorbeigehen zu pulverisieren. Sie haben den Titel verdient keine Frage! Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Den Vorwurf, den sich die Heynckes-Elf gefallen lassen muss, ist der der Überheblichkeit zum Rückrundenbeginn, als man sich auf den Lorbeeren der Herbstmeisterschaft ausruhend und nach einem überaus spaßbetonten Trainingslager schon im sicheren Hafen glaubte.

Was also sind die bisher erreichten 70 Zähler wert? Zunächst einmal sicherten sie die Vizemeisterschaft ab. Anders als in der Vorsaison musste man nicht bis zum 33. Spieltag darum zittern, überhaupt an der Quali für die Königsklasse teilnehmen zu dürfen! Auch hier geht der Daumen also zunächst nach oben.

70 Punkte. Das sind fünf mehr als im Vorjahr. Die Spielzeiten 63/64, 64/65 und die Vereinigungssaison 91/92, als die Bundesliga mit 16 Teams respektive 20 Mannschaften am Start waren, müssen wir jetzt bei der Betrachtung außen vor lassen. In also 46 vergleichbaren Jahren Bundesliga-Geschichte hätte das 18 Mal zum Titel gereicht. Acht weitere Male wäre die Meisterschaft dann sogar nur über das Torverhältnis entschieden worden.

Will heißen: Ein Punkt in Köln und die Punktausbeute hätte dem FCB in 26 regulären Spielzeiten die Schale beschert. Sollten Lahm, Schweini & Co. am 34. Spieltag in Köln gewinnen, worauf der geneigte Hertha-Freund ja hofft,  hätte das in 32 von 46 Fällen gereicht, um ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Nicht schlecht, oder?  Nur – s.o. – die überragenden Dortmunder standen dem halt entgegen.

Mit anderen Worten. Auch wenn jetzt alles bitter enden sollte, darf/muss/kann man zufrieden sein!

Wollen Sie wissen, was mich dieses Geschreibsel am Ende interessiert, wenn Dortmund und Chelsea die Cups in den Nachthimmel stemmen sollten? Ja, richtig geraten: Nicht die Bohne!

 

Vize zum Ersten, zum Zweiten und am Ende auch noch Dritten?

Jetzt muss ich also doch Abbitte leisten. Ich Kleingeist, ich. Sie haben es geschafft. In der Hölle zu Madrid. Und nun ist Platz auf der Bühne für das ganz große Drama. Was hatte ich vor Wochen gewitzelt (s.o.), dass der FC Bayern nienmals, nie und nicht wie weiland Vizekusen enden würde. Drei Mal Runner-up zu sein, ist ja schon tragisch an sich. Aber es gibt eben nur einen Klub, der sich daran auch noch die Rechte gesichert hat. Nun gut, jetzt haben sie ihre Chance auf das Pouble.  Das gemeine daran. Ich fürchte, dass Kloppo und die Seinen ihnen es nicht gönnen werden. Dabei wäre es aus phonetischen Gründen schon wichtig, dass die Roten wenigstens einen Titel holen. Denn mal ehrlich, Vize-Bayern klingt in den Ohren nur halb so schön wie Vizekusen.

Eisbär zeig die Kralle

Äh, hallo, die Herren Eisbären. Tschuldigung, dass ich in der ganzen Jubel-Arie etwas störe. Ich hätt‘ da nämlich mal ne kleine Bitte. Habt ihr Samstags schon was vor. So gegen 15.30 Uhr? Nicht? Prima. Einfach mal kurz auf Schalke vorbeischauen und die Königsblauen weghauen. Ja, ich weiß, nicht ganz euere Spielwiese. Aber irgendeiner muss den Job ja machen. Also tut der Hauptstadt den Gefallen. Ein bisschen Bewegung an der frischen Luft würde euch nach all den Titelfeiereien doch auch gut tun. Und mal ganz ehrlich, schlechter als die alte Dame würdet ihr den Job auch nicht erledigen.

Raul

Raul, Raul, warum vergraulst du dich? Die Antwort ist einfach. Er hat als Fußballer alles erreicht. Meister wird er hier nicht mehr. Aus Gründen. Und er möchte noch mal abkassieren. In einer Liga, weniger anstregend als die in Deutschland oder Spanien. Nachvollziehbar. Finde ich. Wenn auch schade für die kommende Saison. Typen wie er bereichern nun einmal die Bundesliga.

Weniger nachvollziehbar finde ich aber den Hype, der jetzt um ihn entbrennt. In einem Atemzug mit den Spielern des Schalker Kreisels genannt zu werden.

Zugegeben. Er war ein Top-Sportsmann, hat La Liga nicht für die Bundesliga getauscht, um abzukassieren, sondern Leistung geboten. Zwei Jahre lang.

Also nur 24 Monate. Und eben deshalb erscheint es mir etwas komisch, warum seine 7 jetzt auf absehbare Zeit nicht mehr vergeben wird. Sollten solcherlei Ehrungen nicht wirklich historischen Spielern vorbehalten sein?

Alte Meister

Foto: Matze Koch

Wie jetze? Der Otto mag nicht mehr? Also Klassiker zitieren? Schade eigentlich. Wo doch allein schon seine Verpflichtung hochgradig nach Goethes Faust roch („Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“ – „Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn.“). Aber lassen wir das. Er will halt nicht mehr. Wird bei seinem Sendungsbewusstsein, aber eher kaum der bei der Gauck-Wahl fälschlich angewandten Heine-Adaption („Denke ich an Bayern in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht“) geschuldet sein. Denn der gute Heinrich H. wurde nicht von den Feinden um seine wohlverdiente Ruhe gebracht. Er sprach nicht von Frankreich, England oder Russland, sondern von seinem Vaterland, welches in munterer Kleinstaaterei vor sich hindilitierte. Aber lassen wir das, Otto hat das bestimmt gewusst. Und zu sagen, frank und frei, dass ihn Hertha NullSechs um den Schlaf gebracht habe, hätte ja nur wieder die Kritikaster auf den Plan gerufen. Von wegen „Flinte ins Korn werfen“ und so.

Halten wir fest. Er will nicht mehr. Und kommen wir zurück zu „schade“. Wenn er nicht will, dann müssen wir halt. Und da er ja mal wieder gewonnen hat, man trotz des Tabellenplatzes nicht mehr despektierlich von König Otto, dem Vorletzten hämen kann man getrost beide Varianten anwenden, ohne übermäßig der Schadenfreude geziehen zu werden. Los geht’s.

Steuermann Rehhagel

Otto Rehhagel!
„Wer ist Otto Rehhagel?“
„Otto Rehhagel war unser Steuermann,
aushielt er, bis die Hertha das Ufer gewann,
er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,
er  hielt uns oben, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

Und weiter im Text:

Der Ring des Ottokrates

Er stand auf seines Daches Zinnen,
Er schaute mit vergnügten Sinnen
Auf all seine Ottonen hin.
„Dies alles ist mir untertänig,“
Begann er gar, der Otto-König,
„Gestehe, dass ich glücklich bin.“

Den hier hätten wir auch noch, passend für einen Mann der von sich sagt, dass seine Pläne immer richtig sind:

Erl-König Otto

Wer reitet so spät im LIga-Wind?
Es ist der Otto nebst Hertha-Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Abstieg nicht?
Den Erlenkönig mit Kron‘ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

Und falls es am Ende nicht langt, hier noch „zwei kleine Nachrufe“

Der Pottonter

Sein Blick ist angesichts der Tabelle
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob’s noch tausend Spiele gäbe
und hinter tausend Spielen keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

und:

Der Handschuh

In seinem Stadiongarten,
Das Kampfspiel zu erwarten,
Saß König Otto,
Und um ihn die Großen der Krone,
Und droben auf hohem Balkone
Die VIPs beim Risotto.

Und wie er winkt mit dem Finger,
Auf tut sich der weite Zwinger,
Und hinein mit bedächtigem Schritt
Ein blau-weißer Kicker tritt,
Und sieht sich stumm
Rings um,
Mit langem Gähnen,
Und schüttelt die Mähnen,
Und streckt die Glieder,
Und legt sich nieder.

Und der Gegner in schnellem Lauf
Fegt durch den furchtbarn Zwinger
Mit festem Schritte,
Und aus der blau-weißen Mitte
Nimmt er die Punkte mit keckem Finger.

Und mit Erstaunen und mit Grauen
Muss die alte Dame den Abstieg schauen,

Nur Otto hält oben sein Gesicht:
»Den Dank, Dame, begehr ich nicht«,
Und verlässt sie zur selben Stunde.