Ich wär‘ dann mal weg

Klingt gut. Zu gut, um wahr zu sein. Und so wäre wohl ein Titel wie „Ich wär‘ dann mal gern weggewesen“ ehrlicher gewesen. Denn es geht hier um Madrid. Nicht Mailand, oder Hauptsache Italien. Nein, nur um Madrid. Um das Endspiel der Champions Legaue am kommenden Sonnabend. Und ich hätt‘ dabei sein können!

Ja, richtig gelesen, letztes Wochenende nach dem grandiosen, hyperformidablen Pokalsieg gegen Werder Bremen ergab sich für mich eine Chance, die ich mir nie hätte erträumen lassen. Ich bekam zu vorgerückter Stunde auf der Siegesfeier der Bayern eine Karte (für lau) offeriert für das Spiel der Spiele, für das grandiose Finale zwischen dem „Feierbiest „Lous van Gaal seiner Truppe und seinem Schüler, den selbsternannten „Special One“ Jose Mourinho und dessen Lombarden! Kurz ich hätte meine Bayern sehen könne, meinen Stern des Südens, der in der spanischen Metropole gegen Inter Mailand um die Krone der Schöpfung der Königsklasse kicken sollte.

Ich hätte einiges dafür gegeben. Einiges, doch nicht alles. Eine Grenze hat halt Tyrannenmacht. Es ging nicht. Das warum ist dabei schnell erklärt. Flüge aus Berlin nach Madrid waren so gut wie ausverkauft. Erst ab 1000 Euro aufwärts gab es noch Tickets. Und die hatten ein paar kleine Tücken. Denn Zwischenlandungen in Paris, Mallorca oder sonstwo beinhalten nun mal das Risiko weiterer Verspätungen. Was nicht gut für meinen Blutdruck gewesen wäre. Und eine Ankunftszeit so gegen 19 Uhr ist auch kein echter Garant für ein zeitiges Erscheinen im Bernabeau.

Tücke Nr. 2 war die schlichte Tatsache, dass ich ein paar Tage länger als spieltechnisch-notwendig in der iberischen Metropole hätte verweilen müssen. Zugegeben, es gibt schlimmere Städte als Madrid im Mai. Aber die Mindest-Verweildauer war auch nicht so ganz kompatibel mit den von meinem Brötchengeber angedachten Arbeitszeiten.  Zudem schreckten mich die Übernachtungspreise  von 250 Euro aufwärts (pro Tag versteht sich!) doch ein klein wenig.

Es ging nicht. Es ging ums Verrecken nicht. 2000 Euro? Nein. Und wenn die Tränchen noch so kullerten.

Und so verpasse ich zum zweiten Mal in meinem Leben das Endspiel in der Königsklasse.Denn schon einmal war ich kurz davor, mit so einen Trip zu gönnen. Zu selig Abizeiten gab es an meiner Penne einiullustres, fußballbegeistertes Jungmannen-Trio. Allesamt Pastorensöhne bzw Enkel. Und so begab es sich eines grauen Mittwochsmorgens, erste Stunde,- Altbau, dass wir im P3 Religionskurs (Prüfungsrelevant, die älteren Semester werden sich erinnern) wie ein Mann aufstanden. Keine Ultrachoreo hätte synchroner laufen können. Da standen wir drei. Wie eine eins. Und  zum Erstaunen unserer Mitspieler, entspunn sich folgender Dialog.  Wir: „Herr H., (Name der Redaktion bekannt), wir müssen jetzt gehen.“ H: „Aber warum denn, meine Herren?“ Wir: „Na wir müssen doch nach München, zum Europacup.“ H: „Meine Herren, ich wünsche Ihnen ein schönes Spiel.“ Hacken zusammenklappen, auf der Stelle kehrt machen und raus war eins. Die verwirrten Blicke unserer Kursteilnehmer im Rücken noch spürend, kletterten wir  in unsere 28-PS-Nähmaschine (aka als Renault 4), gaben das was man so Gas nennt, aber bei disem Wagentyp nicht wirklich dem entspicht. Und ab ging es gen Süden. In den Kassler Bergen ließen wir uns munter von Lastern überholen und kamen irgendwann an der Isar an. Müde, kaputt, aber frohen Mutes. Und das Spiel entsprach unseren Hoffnungen. Aber so was von. Ein 5:0 gegen den RSC Anderlecht im Viertelfinale ließ es uns verschmerzen, dass es schweinekalt war und  nicht mal Glühwein ausgeschenkt wurde.

Und weil es so toll geklappt hatte, sogar die Rückfahrt unmittelbar nach dem Abpfiff hatten wir so erfolgreich bewerkstelligt, dass wir pünktlich am nächsten Morgen wieder in der Schule saßen, bekamen wir Lust auf mehr. Das Mehr war das Halbfinale. Gegner Real Madrid. Wieder ein Mittwoch morgen. Der Dialog mit Herrn H, nahezu identisch („Ja, ja ich weiß schon, Sie müssen nach München zum Europacup. Meine Herren ich wünsche …“).  Und das Spiel noch toller. Neben den Temperaturen gefielen die Hausherren mit einem satten 4:1 gegen die Königlichen. Dass Lothar M. von einem Spanier fast das Ohr abgetreten wurde, ließ sogar die Haupttribüne des bestimmt nicht durch überbordende Emotionen bekannte Sitzplatzpublikum mitgehen. Wahnsinn! Und wir mittendrin!!

Ums kurz zu machen. Wir beschlossen, aller guten Dinge sind drei, auch zum Finale nach Wien zu reisen.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich das Finale verpasste? Aus dem simplesten aller Gründe, wir armen Schüler hatten nicht genug Kohle, die horrenden Schwarzmarktpreise zu berappen. So waren wir dazu verurteilt ohnmächtig am heimischen Stintmarkt in Lüneburg in der Kneipe unseres Vertrauens den kommenden Wahnsinn verfolgen zu müssen. Erinnern Sie sich noch des Dramas? Wir jubelten noch über den Trefer von Wiggler „Ich treff eigntlich nie“ Kögl, als ein unbekannter, nie wieder in Erscheinung tretender Algerier in Portos Diensten mit der Hacke egalisierte. Und wir hatten uns noch nicht wirklich beruhigt, da stand es schon 1:2. Aus der Traum. Und alles, alles  nur, davon waren wir überzeugt, weil wir nicht hingefahren waren.Wir waren schuld! Was zu unserem großen Glück bis heute keiner Uli Hoeneß  gesteckt hat.

Jetzt fahre ich wieder nicht hin. Und hätte sogar eine Karte gehabt. Also Minjheer van Gaal , bitte, bitte, enttäuschen Sie mich nicht. Holen Sie das Triple. Feiern Sie anschließnd so schön wie in Berlin. Und lassen Sie mich bitte, bitte nicht auf ewig schuldig fühlen, wenn es diesmal wieder nicht hinhaut.

2 Gedanken zu „Ich wär‘ dann mal weg

  1. Seien wir mal ehrlich: das zweite verpasste Finale ist doch die viel schönere Geschichte als ein lächelndes „Ich war dabei“. Oder?

    Wer mir ein wenig zu schlecht wegkommt, ist der R4. Da bin ich eigen.

  2. Es war mit Nichten und Neffen eine Schmähung dieses wundervollen, charakterstarken Kastengefährts impliziert. Ich wollte nur einfach zum Ausdruck bringen, was wir alles auf uns nahmen, um von Lüneburg aus rechtzeitig im gar nicht so einladenden Münchner Olympiastadion zu sein.

    Und in der Tat haste recht, wenn ich jetzt dabei gewesen wäre, wäre mir wohl dieser Beitrag nicht aus der Feder geflossen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.